Verkehrsrecht-News vom - 4 min Lesezeit
Der ADAC hat die Notbremsassistenten von sechs verschiedenen Fahrzeugmodellen getestet und dabei eklatante Schwachstellen aufgedeckt.
das Wichtigste zuerst
- Mangelhafte Früherkennung: Ein ADAC-Test offenbart bedenkliche Sicherheitslücken bei Notbremssystemen.
- Testfeld: Der Automobilclub untersuchte sechs gängige Automodelle bei Dunkelheit, um deren Notbremsverhalten unter realistischen Bedingungen zu vergleichen.
- „Sehschwäche“ bei Reflektoren und Kindern: Während klassische Warnwesten erkannt werden, versagen die Sensoren bei Arbeitsschutzkleidung sowie erschreckenderweise bei reflektierender Kinderkleidung samt Schulranzen.
- Software als Schwachstelle: Da einzig der Mercedes CLA Kinder im Test zuverlässig Personen erfasste, sieht der ADAC die Ursache in der Software und fordert schnelle Updates der Hersteller.
- Fazit: Das Versagen der Systeme bei „schwachen“ Verkehrsteilnehmern lässt Zweifel an deren Nutzen aufkommen.

© Chesky / shutterstock.com (Symbolbild)
ADAC-Auswertung: Notbremsassistenten auf dem Prüfstand
Die kalte Jahreszeit bringt für Autofahrer einige Herausforderungen mit sich: Der herbstliche Frühnebel trübt die Sicht, Scheiben beschlagen im Handumdrehen und nach der Zeitumstellung setzt die Dunkelheit nun gefühlt eine Stunde früher ein. Gerade unter diesen erschwerten Bedingungen ist es entscheidend, andere Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr rechtzeitig zu erkennen, um früh genug bremsen zu können.
Dass diese wichtige Früherkennung aber zumindest auf technischer Seite noch nicht richtig funktioniert, zeigt ein aktueller Test des ADAC. Der Automobilclub hat die Notbremsassistenten von sechs verschiedenen Fahrzeugen auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis ist – vor allem aus Sicht von Fußgängern, Eltern und Kindern – beunruhigend.
So funktioniert die autonome Notbremsung
Der Notbremsassistent soll eigentlich mithilfe von Sensoren (Radar, Kamera oder das von Blitzern bekannte Lidar) dauerhaft das Verkehrsgeschehen vor dem Fahrzeug überwachen und im Notfall eingreifen. Wird eine drohende Kollision erkannt, wird der Fahrer optisch oder akustisch darüber in Kenntnis gesetzt. Reagiert dieser nicht, bremst das Fahrzeug selbsttätig.
Diese Erkennung über Sensoren und Kameras funktioniert aber nicht so zuverlässig, wie Hersteller es behaupten. Das zeigt der ADAC-Praxistest, obwohl die Assistenten bereits seit 2024 zur Pflichtausstattung aller Neuwagen gehören.
Typische Modelle im Test: Mercedes, Tesla, BYD …
Für die Untersuchung hat der ADAC folgende sechs Modelle unter die Lupe genommen: Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster sowie Opel Astra. In einem ersten Schritt bestimmten die Tester für jedes dieser Modelle die Geschwindigkeit, bei der ein Crash mit dem Dummy trotz Dunkelheit noch durch den Notbremsassistenten verhindert werden konnte. Ausgehend davon testeten die Prüfer zum Vergleich weitere Szenarien, unter anderem mit reflektierender Warnkleidung.
Das Ergebnis: Kinder werden nicht korrekt erkannt
Je nach Kleidungsstück zeigten sich im Ergebnis erhebliche Unterschiede bei der Erkennung durch die Assistenten: Trug der Dummy eine klassische Warnweste, bremsten alle sechs Autos rechtzeitig ab. Handelte es sich dagegen um professionelle Arbeitsschutzkleidung, wie sie im Straßenbau oder bei Einsatzkräften üblich ist, blieb die Erkennung bei fast jedem Modell aus.
Einen echten Totalausfall lieferten die Systeme zudem bei einem Kinder-Dummy mit reflektierender Ausrüstung und Ranzen, auf das sie nahezu überhaupt nicht ansprachen. Paradoxerweise reagierten alle Fahrzeuge wiederum problemlos auf Kinder-Silhouetten in dunkler Kleidung.
Einzige Ausnahme: Der Mercedes CLA
Einzig und allein die Technik des Mercedes CLA konnte ein Kind mit Reflektoren, das hinter einem geparkten Wagen auf die Fahrbahn lief, im Test korrekt registrieren. Der ADAC wertet dieses (einsame) positive Ergebnis als klaren Beleg für die technische Machbarkeit funktionierender Assistenzsysteme. Da der Fehler offenbar in der Software-Logik und nicht in der Hardware zu suchen sei, hält der Club nachträgliche Änderungen der Programmierung für theoretisch umsetzbar und fordert die Automobilkonzerne dazu auf, entsprechende Patches und Updates bereitzustellen.
Fazit
Notbremsassistenten sollen Leben retten und sind daher seit 2024 in der EU Pflicht. Dass die Systeme im Härtetest aber gerade bei Kindern versagen, ist ein alarmierendes Signal und lässt am eigentlichen Nutzen der Software-Helferleine zweifeln. Schafft nur eines von sechs Fahrzeugen eine echte Notbremsung, wären die Folgen im realen Alltag verheerend. Daher ist der Appell des ADAC an die Hersteller, hier zügig nachzubessern, mehr als geboten.
Quellen
Zusammengestellt von der Redaktion Geblitzt.de.
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