Unfallforscher zur Smartphone-Ablenkung: „Gen Z kommt keine Sekunde ohne aus“

Verkehrsrecht-News vom - 5 min Lesezeit

Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung aus Winnenden warnt vor den gefährlichen Handy-Gewohnheiten einer ganzen Generation.

das Wichtigste zuerst
  • Unfallforscher warnt vor Gen Z: Siegfried Brockmann sieht die Smartphone-Nutzung am Steuer vor allem bei jüngeren Autofahrern als wachsendes Problem.
  • ACE-Erhebung: Bei Überprüfungen an rund 300 Kreuzungen stellten Ehrenamtliche des Auto Clubs Europa (ACE) eine Verstoßquote von 3,3 Prozent fest, mit Spitzenwerten von bis zu 17,9 Prozent in Stuttgart.
  • Gegenmaßnahmen: Während Experten auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar höhere Bußgelder und mehr Punkte fordern, spricht sich Brockmann für die Einführung sogenannter Handy-Blitzer aus.
  • Kritischer Blick: Weder Brockmanns Thesen zur Jugend noch die nicht-repräsentative Zählaktion des ACE liefern methodisch belastbare Daten für das tatsächliche Ausmaß der Ablenkung am Steuer.
Unfallforscher zur Smartphone-Ablenkung: „Gen Z kommt keine Sekunde ohne aus“

© yuliia_malovana / shutterstock.com (Symbolbild)

Handy am Steuer: Ein unterschätztes Problem

Es ist eine große Versuchung für jeden Führer eines Kraftfahrzeuges, kurze Pausen im Verkehr für einen Blick aufs Handy zu nutzen. Nur mal eben aufs Display schielen, schließlich dauert das ja nur eine Sekunde, richtig? Mitnichten, denn der wagemutige Blindflug durch den Straßenverkehr verlängert die Reaktionszeit deutlich und führt laut dem ADAC schon nach zwei Sekunden dazu, dass eine Strecke von 30 Metern ohne Blick auf die Straße zurückgelegt wird.

Unfallforscher sieht vor allem junge Menschen betroffen

Für den Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung aus Winnenden entwickelt sich diese gefährliche Smartphone-Nutzung am Steuer zu einem immer größeren Problem. Vor allem die jüngere Generation sei davon betroffen, weil sie einfach nicht vom Handy lassen könne, wie der Experte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betont:

„Meine Prognose ist, dass wir davon noch viel mehr sehen werden, weil die Digital Natives ja gerade erst am Steuer angekommen sind und die eben überhaupt keine Minute aushalten können, ohne zu gucken, ob es irgendwas Neues gegeben hat.“ Brockmann zufolge sei die Fähigkeit, Zeit und Abstände im Straßenverkehr richtig einzuschätzen, bei jungen Menschen statistisch gesehen weniger ausgeprägt.

Autoclub Europa untersuchte Handyverstöße an der Quelle

Um das tatsächliche Ausmaß der Smartphone-Nutzung am Steuer zu erfassen, hat der Auto Club Europa (ACE) von April bis Juli 2026 eine bundesweite Untersuchung durchgeführt. An rund 300 ausgewählten Kreuzungen in allen 16 Bundesländern erfassten Ehrenamtliche dafür gezielt Handy-Verstöße. Das Gesamtergebnis dieser Gelegenheitsstichprobe lautete: Bei 3,3 Prozent der Fahrzeuge wurde klar erkennbar das Smartphone während der Fahrt genutzt.

Negativspitzenreiter der Erhebung war die Stadt Stuttgart. An der Kreuzung Pragstraße/Löwentorstraße waren laut dem ACE 17,9 Prozent der Autofahrer mit dem Handy beschäftigt. Zum Vergleich: den zweithöchsten Wert in Baden-Württemberg verzeichnete Pforzheim mit 11,1 Prozent, gefolgt von einer Kreuzung in Kehl (Ortenaukreis) mit 9,7 Prozent. Überhaupt keinen Handyverstoß stellten die Ehrenamtler an lediglich vier Kontrollpunkten in Deutschland fest.

Experten fordern höhere Bußgelder

Aus Sicht von Unfallforscher Brockmann sind solche statistischen Ergebnisse allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Liegt das Gerät beispielsweise nur zum Texten auf dem Schoß und ist nicht ans Ohr angelegt, so lasse sich dieser Verstoß gegen den Handyparagrafen nur schwer nachweisen. Die Dunkelziffer müsse daher deutlich höher liegen. „Das heißt aber nicht, dass es nicht vorkommt, sondern dass man es nicht nachweisen kann“, so Brockmann.

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar forderten Fachleute daher zu Jahresbeginn strengere Strafen für die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt: Statt wie bisher einen Punkt in Flensburg sollen künftig zwei Punkte fällig werden. Zudem empfahlen die Experten eine Erhöhung des Bußgeldes von 100 auf 250 Euro.

Forscher Brockmann schließt sich dieser Forderung nicht an. Seiner Meinung nach sind nicht höhere Strafen, sondern Vorstöße wie in Rheinland-Pfalz nötig, wo trotz aller Datenschutzbedenken sogenannte Handy-Blitzer (Monocams) eingeführt wurden.

Fazit

Unfallforscher Siegfried Brockmann fordert den Einsatz von Handy-Blitzern und schreibt der jüngeren Generation eine besonders hohe Ablenkungsrate zu. Handfeste Daten oder Belege liefert er dafür allerdings nicht. Auch die Erhebung des Auto Club Europa (ACE) kann wegen fehlender Repräsentativität nur als vage Momentaufnahme gelten, bei der das Alter der Fahrer zudem keine Rolle spielte. Letztendlich bleiben von den Schlagzeilen vor allem eine steile These über die Jugend und eine methodisch schwache Stichprobe zurück. Viel Bauchgefühl, wenig Fakten.

Quellen

Zusammengestellt von der Redaktion Geblitzt.de.

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