Ob in Italien, Israel oder Deutschland: Das Smartphone sorgt überall im Straßenverkehr für gefährliche Ablenkung, weswegen neue Verkehrstechnik für Fußgänger zum Einsatz kommt.
das Wichtigste zuerst
- Sicherheitsrisiko Smartphone: Immer mehr Fußgänger sind im Straßenverkehr durch Handys abgelenkt und übersehen Verkehrssignale.
- Geplante Strafe in Italien: Für die Nutzung eines Smartphones beim Wechseln der Straßenseite droht in Italien künftig ein Bußgeld von rund 75 Euro.
- Weiter erlaubte Hilfsmittel: Kopfhörer und Freisprecheinrichtungen bleiben zulässig, solange beide Ohren das Umfeld ausreichend wahrnehmen.
- Weitere Geräte: Das Verbot soll auch für Tablets, Laptops und Digitalkameras gelten.
- Offenes Gesetzgebungsverfahren: Die Entscheidung über das finale Gesetz ist für Mitte Oktober geplant.
- Internationaler Vergleich: Länder wie Japan, Litauen oder die USA haben bereits ähnliche Ablenkungs-Bußgelder.
- Technische Alternativen: Metropolen wie Tel Aviv sowie deutsche Städte wie Augsburg und Neuss setzen auf Lichtsignaltechnik gegen Smartphone-Ablenkung.

© Andrey Arkusha / shutterstock.com (Symbolbild)
Fußgänger auf Autopilot
Das Smartphone ist eine Erfindung, die das Leben der Menschen nachhaltig und bis in den Alltag hinein verändert hat. Heute kann man so viele Dinge auf einem 15-Zentimeter-Display erledigen, für die man früher wesentlich mehr Zeit und Aufwand benötigt hätte.
Gleichzeitig entstehen dadurch neue Gefahren im Straßenverkehr. Immer mehr Fußgänger bewegen sich als „Smombies“ („Smartphone-Zombies“ ) durch die Straßen und übersehen dabei entscheidende Verkehrssignale.
Italien will abgelenkte Fußgänger künftig zur Kasse bitten
Um diesem Problem etwas entgegenzusetzen, greifen diverse Länder wahlweise auf kreative Ideen, neue Verkehrstechnik, aber auch neue Strafen zurück. So plant Italien etwa eine Überarbeitung der Straßenverkehrsordnung (Codice della Strada), nach der Fußgänger, die beim Überqueren der Straße vom Handy abgelenkt sind, zur Kasse gebeten werden. Davon berichtet die italienische Webseite fanpage.it.
75 Euro fürs Schielen aufs Display
Rund 75 Euro soll es dann kosten, wenn man beim Wechseln der Straßenseite konzentriert auf das Smartphone-Display schaut, anstatt dem Verkehr Beachtung zu schenken. Dies soll unabhängig davon gelten, ob sie einen Zebrastreifen benutzen oder nicht.
Ähnlich wie beim herkömmlichen Handyverstoß mit dem Pkw bleiben Kopfhörer, Earbuds und Freisprecheinrichtungen weiterhin erlaubt, solange sie die Sicherheit nicht beeinträchtigen und die Wahrnehmung mit beiden Ohren ausreichend bleibt.
Ablenkungs-Bußgeld muss noch durchs Parlament
Mit dem neuen Bußgeldtatbestand reagiert der Gesetzgeber auf mehrere Urteile italienischer Gerichte. Diese hatten abgelenkten Passanten nach Unfällen eine Mitverantwortung zugesprochen. Den Medienberichten zufolge soll das Verbot neben Mobiltelefonen auch für andere elektronische Geräte wie Laptops, Tablets und Digitalkameras gelten.
Final entschieden ist das neue Bußgeld allerdings noch nicht. Bis zum 13. September 2026 haben die Branchenverbände Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Anschließend arbeitet das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr eine finale Fassung aus. Mit dem fertigen Gesetz wird für Mitte Oktober gerechnet.
Die Welt versus Smartphone-Zombies
Nicht nur Italien will seine Fußgänger vor den Gefahren der Smartphone-Ablenkung bewahren. Auch in der japanischen Stadt Yamato gelten entsprechende Vorgaben bereits seit 2020, Litauen bittet abgelenkte Passanten schon seit 2018 zur Kasse, und Honolulu auf Hawaii griff bereits 2017 durch.
Es gibt aber auch Lösungen, die weniger auf Bestrafung setzen: So testete die israelische Metropole Tel Aviv 2019 im Boden eingelassene LED-Lichtstreifen, die synchron mit der Ampel schalten und so direkt im Blickfeld nach unten schauender Menschen warnen.
Pilotprojekte in Deutschland
Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass man auch hierzulande schon früh auf verkehrstechnische Lösungen gegen die Handy-Ablenkung setzte: Die Stadt Augsburg erprobte beispielsweise bereits 2016 rote LED-Signale direkt in den Pflastersteinen vor Gleisanlagen, um die Aufmerksamkeit abgelenkter Fußgänger einzufangen.
In Neuss setzt man auf das sogenannte „SafeLight“: Ein an der Ampel montierter Bodenprojektor wirft das rote Licht der Fußgängerampel direkt auf den Gehweg. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass das Signal auch bei gesenktem Kopf wahrgenommen wird und sich bei passendem Winkel sogar auf dem Smartphone-Bildschirm spiegelt.
Quellen
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