das Wichtigste zuerst
• Private Fake-Blitzer: In Schmiechen haben zwei Anwohner täuschend echte Blitzer-Attrappen an einer Durchfahrtsstraße aufgestellt, um Raser abzubremsen.
• Vom Maischerz zur festen Instanz: Die ursprünglich als Jux zum 1. Mai installierten Säulen bestehen aus Papprohren und Spezialfolie.
• Offizielle Erlaubnis der Behörden: Obwohl die Polizei zunächst den Abbau forderte, dulden das Landratsamt und die Ordnungshüter die Repliken, da sie auf Privatgrund stehen und keine gefährliche Technik enthalten.
• Rechtliche Zulässigkeit: Die Attrappen werden geduldet, da sie laut Behörden als Nachbildungen erkennbar seien, niemanden durch Lichtsignale blenden und keine riskanten Bremsmanöver provozieren.
• Reaktionen und Weiterentwicklung: Trotz Anfeindungen und Vandalismus durch verärgerte Autofahrer halten die Erfinder an ihrem Projekt fest und rüsteten die Gehäuse mit Betonfundamenten gegen Zerstörung auf.
Fast ein Jahrzehnt Blitzer-Attrappen
In dem Schelklinger Stadtteil Schmiechen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg prägen seit acht Jahren zwei täuschend echte Blitzerattrappen das Bild an einer viel befahrenen Durchfahrtsstraße. Die privaten Installationen verfolgen das Ziel, die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge nachhaltig zu drosseln. Aus Sicht der lokalen Bevölkerung ist diese Maßnahme erfolgreich, da der Verkehr spürbar beruhigt wurde. Die Behörden vor Ort dulden die Attrappen.
Der Alleingang der Blitzer-Bauer
Zuvor hatte es jahrzehntelang Debatten über rücksichtslose Fahrer im Ort gegeben. Lkws, Autos und Motorräder waren laut Anwohner Manfred Denkinger oft viel zu schnell unterwegs. Gemeinsam mit einem Nachbarn baute er deshalb die Attrappe direkt neben seinem Haus an der Durchfahrtsstraße auf. Besonders für Schulkinder sei die Situation dort riskant. Auf dem schmalen Gehweg drohe Gefahr, wenn Lastwagen mit Tempo 70 vorbeirauschen, so der 67-jährige Heimwerker.
Verkehrserziehung per Attrappe
Obwohl der Ortsteil Schmiechen bereits umgestaltet worden war, fühlten sich viele Bewohner weiterhin unsicher. Zwar hatten frühere Proteste und hunderte Unterschriften für neue Fußgängerüberwege gesorgt, doch das reichte den Anwohnern nicht aus.
In einer gemeinsamen Aktion beschlossen Manfred Denkinger und sein Nachbar Martin Wachter deshalb, selbst aktiv zu werden. Ihr Ziel war eine Form der Selbsthilfe: Die beiden bauten Attrappen, um den Verkehr an den Stellen zu beruhigen, an denen ihrer Meinung nach die Verkehrsüberwachung zu kurz griff.
Es begann als Maischerz
Eigentlich sollten die Säulen nur ein kurzer Jux zum ersten Mai sein. Die Konstruktion in der heimischen Werkstatt war jedoch solide Handarbeit aus Papprohren und grauer Spezialfolie. „Die Plane ist teuer, aber das war’s uns wert“, so Martin Wachter über die Materialwahl. Nachdem die beiden das Werk in einer spontanen Aktion platziert hatten, sorgte das Ergebnis sofort für Gesprächsstoff im Ort.
Behördlicher Segen für die Blitzer-Replika
Der erste offizielle Kontakt ließ nicht lange auf sich warten. „Es kam gleich die Polizei zur Erstabnahme“, erinnert sich Manfred Denkinger schmunzelnd. Dem anfänglichen Abbruchbefehl folgte schnell die Duldung, da in den Rohren keine Technik verbaut ist.
Selbst das Landratsamt gab grünes Licht: Die Standorte befinden sich auf Privatbesitz und stellen kein Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr dar. Da die Säulen zudem als Nachahmungen erkennbar sind, duldet man solche Installationen, so die Kreisverwaltung.
Die Herausforderungen: Vandalismus und Wetter
Trotz acht Jahren Standzeit dienen die Säulen den Autofahrern weiterhin als Gedankenstütze, um das eigene Tempo zu drosseln. Rückschläge durch eindringendes Regenwasser oder Vandalismus spornten die Erfinder eher an, als sie zu entmutigen. Sie entwickelten ein verbessertes Nachfolgemodell mit festem Betonfundament und Schutzdeckel, das nun sogar „in Serie gehen“ könnte.
Nicht jeder ist davon begeistert
Dass die private Fake-Kontrolle nicht bei allen auf Gegenliebe stößt, mussten die Nachbarn schmerzlich erfahren. Unbekannte demolierten die ersten Gehäuse und warfen sie kurzerhand um. Auch heute reagieren manche Verkehrsteilnehmer gereizt, quittieren die künstlichen Blitzer mit dem Stinkefinger oder lassen demonstrativ die Motoren aufheulen. Trotz dieser Anfeindungen überwiegt für die Initiatoren der Erfolg, da die Attrappen aus ihrer Sicht ihren Zweck erfüllen.
Die Rechtslage bei Blitzer-Nachbildungen
Blitzer-Attrappen wie in Schmiechen bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Auf privatem Grund sind sie in der Regel zulässig, sofern sie ohne echte Technik auskommen und keine Lichtsignale aussenden, die andere blenden könnten. Entscheidend ist, dass Autofahrer nicht zu riskanten Bremsmanövern verleitet werden. Da die Gehäuse vor Ort eindeutig als Nachbildungen erkennbar sind, sieht die Verwaltung von einem Verbot ab und duldet die Aktion.
Quellen
SWR Aktuell: Fake-Blitzer in Schelklingen-Schmiechen geduldet
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