Ende des Tankrabatts: So tricksen die Tankstellenbetreiber beim Spritpreis

01.07.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst
  • Ende des Tankrabatts: Die zweimonatige Energiesteuersenkung ist am 30. Juni ausgelaufen, weshalb die Spritpreise ab Juli wieder steigen.
  • Kritik an Preistricks: Der ADAC bemängelt, dass Betreiber die Preise für E10 und Diesel unbegründet schon am Vortag anzogen, indem sie die üblichen Preissenkungen nach 12 Uhr ausfallen ließen.
  • Bittere Bilanz: Laut Monopolkommission kam die Entlastung nie lückenlos bei den Autofahrern an. Bis zu 200 Millionen Euro flossen direkt in die Margen der Mineralölkonzerne.
  • Neuer Spartipp: Wegen der 12-Uhr-Regel ist das Tanken aktuell kurz vor 12 Uhr am günstigsten, bevor Punkt Mittag der Preissprung erfolgt.
  • Apps nutzen: Da Tankstellen den Spielraum unterschiedlich nutzen, empfiehlt sich zur besten Uhrzeit ein digitaler Preisvergleich über Preisvergleichs-Plattformen wie clever-tanken.de oder mehr-tanken.de.
Ende des Tankrabatts: So tricksen die Tankstellenbetreiber beim Spritpreis

© Bartolomiej Pietrzyk/ shutterstock.com (Symbolbild)

Nach zwei Monaten Laufzeit: Tankrabatt am 30. Juni ausgelaufen

Mit dem Tankrabatt wollte die Bundesregierung die Belastungen für Autofahrer mindern, die nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 entstanden waren. Durch die zeitweise Blockade der Straße von Hormus schnellten die Spritpreise auf Rekordhöhen, woraufhin die Energiesteuer ab dem 1. Mai gesenkt wurde. Dadurch sollten rechnerisch rund 17 Cent pro Liter an die Verbraucher weitergegeben werden, ehe die Hilfe am 30. Juni auslief.

Die Bilanz zum Ende der Maßnahme fällt jedoch ernüchternd aus, da die Preise für E10 und Diesel pünktlich zum Stichtag wieder nach oben schnellten. Unabhängige Experten bezweifeln angesichts der Zahlen sogar, ob die Entlastung während der zweimonatigen Laufzeit überhaupt je vollständig bei den Autofahrern angekommen ist.

ADAC kritisiert verfrühten Preissprung an den Zapfsäulen

So bemängelt etwa der ADAC, dass viele Tankstellen die Preise bereits vor dem offiziellen Ende des Tankrabatts um Mitternacht angehoben und danach kaum noch gesenkt haben. Das zeigen die Tagesdurchschnitte vom Dienstag: E10 verteuerte sich um 10,6 Cent auf 1,923 Euro und Diesel sogar um 12,8 Cent auf 1,859 Euro.

Grund hierfür war das untypische Verhalten der Betreiber. Während die Preise nach dem täglichen Mittagssprung sonst im Tagesverlauf um bis zu 20 Cent fallen, sackten sie diesmal kaum ab. Der Aufschlag zum Vortag wuchs dadurch von 5 bis 7 Cent am Nachmittag auf 12 bis 15 Cent am Abend an. Dadurch könnte Benzin nun wieder die 2-Euro-Linie erreichen.

Preistrickserei: Wie Tankstellenbetreiber die 12-Uhr-Regelung umgingen

Für den ADAC steht fest, dass die Tankstellen das Ende des Rabatts unfair vorweggenommen haben. Da sich in den Tankstellen noch die alten, günstiger versteuerten Vorräte befanden, gab es für den Preissprung am Dienstag keinen tatsächlichen Grund.

Die Konzerne nutzten die Sperre um Mitternacht, zu der sie die Preise wegen der 12-Uhr-Regelung nicht anheben durften, einfach aus: Sie zogen die Preise bereits mittags an und senkten sie danach den restlichen Tag über nicht mehr wie gewohnt.

Das Kalkül der Konzerne

Das vom ADAC kritisierte Kalkül der Tankstellen am Stichtag spiegelt sich auch in der offiziellen Abschlussbilanz der gesamten Maßnahme wider. Nach Analysen der Monopolkommission, dem unabhängigen Beratungsgremium der Bundesregierung, floss über die gesamte Laufzeit hinweg ein Teil des Geldes direkt in die Margen der Mineralölkonzerne. Der Rabatt wurde zwar zu einem großen Teil, aber eben nicht lückenlos weitergereicht.

Statt der vollen 16,7 Cent Steuererleichterung pro Liter profitierten die Autofahrer je nach Kraftstoff nur im Umfang von 15 bis 16 Cent. Bezogen auf das Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro bedeutet dies ein Defizit von 100 bis 200 Millionen Euro – eine Summe, die laut den Experten aufgrund ihrer konservativen Berechnung real sogar noch höher liegen könnte.

ADAC-Empfehlung: Wann man jetzt am besten tanken sollte

Um jetzt trotzdem noch etwas Geld zu sparen, gibt es eine konkrete Empfehlung vom ADAC: Wer günstig tanken möchte, sollte die Tankstellen gezielt kurz vor 12 Uhr mittags ansteuern, da die Preise erst ab Punkt Mittag wieder gesetzlich gedeckelt angehoben werden dürfen.

Eine ADAC-Auswertung von mehr als 14.000 Tankstellen im Mai zeigte, dass die Preise in diesem Zeitfenster unterhalb des Tagesdurchschnitts lagen, ehe sie ab 12 Uhr stark nach oben sprangen. Die Spanne zwischen dem günstigsten und teuersten Zeitpunkt fällt dabei mittlerweile deutlich größer aus als im Vorjahr.

Preisvergleich mit Spritpreis-Apps

Um das Sparpotenzial voll auszuschöpfen, sollte man das richtige Timing zusätzlich mit einem digitalen Preisvergleich kombinieren. Da die Tankstellen den Spielraum für Preissenkungen bis zum Mittag sehr unterschiedlich nutzen, lohnt sich vor der Fahrt der Blick aufs Smartphone.

Kostenlose Anwendungen wie clever-tanken.de, mehr-tanken.de oder die offizielle ADAC Drive App zeigen die aktuellen Tarife der Stationen in der Umgebung in Echtzeit an und bewahren Autofahrer davor, trotz bester Uhrzeit versehentlich die teuerste Zapfsäule anzusteuern.

Quellen

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