das Wichtigste zuerst
- Bürger bestimmen Blitzer-Standorte: Die Polizei Flensburg ermittelt via Facebook neue Kontrollpunkte im Norden. Die drei Vorschläge mit den meisten Likes kommen in die engere Wahl.
- Ortskenntnis als Vorteil: Einwohner kennen ihre täglichen Arbeitswege, Wohnquartiere sowie Schulwege am besten und bringen diese persönliche Erfahrung direkt in die Entscheidung ein.
- Klare Zuständigkeiten: Die Kommunen überwachen primär das Stadtgebiet mit stationären und mobilen Blitzern, während die Polizei schwerpunktmäßig außerorts mobil misst sowie innerorts ergänzende Kontrollen durchführt.
- Unterschiedliche Meinungen im Netz: Die einen begrüßen das Angebot der Polizei, an der Verkehrsüberwachung teilzuhaben. Andere wittern bei Blitzern reine Geldmacherei.

© luechai wanapapobsuk / shutterstock.com (Symbolbild)
Ordnungshüter rufen zur Blitzerstandort-Wahl auf
Wo im Norden demnächst neue Blitzer stehen könnten, darüber lässt die Polizei Flensburg auf Facebook abstimmen. Unter dem Motto „Stimm mit ab!“ ruft die Direktion über einen Social-Media-Post auf der Plattform dazu auf, Vorschläge für die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie für das Stadtgebiet Flensburg einzureichen.
Die Aktion ist bereits auf großes Interesse gestoßen, sodass weit über 600 Kommentare eingegangen sind. Wie Polizeisprecher Jan Krüger auf Anfrage des NDR bestätigte, sollen die drei Vorschläge mit den meisten Likes am Ende tatsächlich als potenzielle Blitzerstandorte in die engere Wahl kommen.
Polizeisprecher Krüger: „Bürger kennen ihre Wege vor Ort sehr gut“
Ziel dieses Vorgehens ist es, den Menschen in der Region eine aktive Teilhabe zu ermöglichen und ihre ganz persönlichen Präferenzen beim Thema Verkehrssicherheit direkt in die Entscheidungsprozesse einzubringen. Laut Sprecher Krüger verfüge die Einwohnerschaft über einen Standortvorteil, da sie ihre täglichen Arbeitswege, die Schulwege der Kinder sowie die unmittelbaren Wohnquartiere aus eigener Erfahrung bestens kennt und die Situation vor Ort genau beobachten kann.
Wer entscheidet, wo Blitzer aufgestellt werden?
In Deutschland entscheidet vor allem die Polizei über den Einsatz mobiler Geschwindigkeitskontrollen. Ihr Fokus liegt auf der Verkehrserziehung und der Unfallprävention. Deshalb richtet sie Messstellen bevorzugt an nachgewiesenen Unfallschwerpunkten sowie in sensiblen Gefahrenzonen, zum Beispiel vor Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Baustellen, ein. Auch Bürgerbeschwerden über Raser in Wohngebieten fließen direkt in die Standortwahl der polizeilichen Kontrollen ein.
Kommunale Verkehrsüberwachung
Für stationäre Blitzer und eigene mobile Messungen im Stadtgebiet sind hingegen die Kommunen, also die örtlichen Ordnungsämter und Landkreise, zuständig. Obwohl diesen Behörden oft finanzielle Interessen nachgesagt werden (Abzocke-Vorwurf), müssen auch ihre Standorte rechtlich strikt begründbar sein und auf Aspekten der Verkehrssicherheit basieren. In gemeinsamen Unfallkommissionen stimmen sich Kommunen und Polizei regelmäßig ab, um die Messpunkte anhand aktueller Verkehrsdaten festzulegen.
Pro und Contra zum „Blitzer-Voting“ im Netz
Die Abstimmung läuft insgesamt für fünf Tage. Tatsächlich ist die Kommentarfunktion des Facebook-Beitrages bereits bei der Erstellung dieses Textes deaktiviert, vermutlich wegen der vielen Kommentare. Ein Stimmungsbild darüber, wie unterschiedlich die Bevölkerung im Norden die Aktion der Polizei bewertet, lässt sich jedoch auch in den Kommentaren des NDR-Beitrages zu dem Thema ablesen.
So äußert sich ein User mit dem Namen Rainer H. kritisch zum „Blitzer-Voting“ und wirft den Behörden vor, die eigentliche Kernaufgabe der Verkehrsüberwachung aus den Augen verloren zu haben. Obwohl er Maßnahmen gegen echte Raser befürwortet, kritisiert er, dass Radarfallen zunehmend erfinderisch versteckt und an Stellen platziert würden, die keine Gefahrenpunkte darstellen, sondern lediglich baulich zum schnelleren Fahren einladen. Dies dient seiner Ansicht nach primär dem Zweck, „Kasse zu machen“, anstatt die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
In den Kommentaren von Nutzern wie Lukas B. und Mo Jo C. findet der verkehrserzieherische Ansatz der Polizei hingegen ausdrücklich Zustimmung. Lukas B. betont, dass Blitzer immer unangekündigt aufgestellt werden sollten, insbesondere in sensiblen Bereichen wie der Nähe von Schulen oder Kitas, wofür er 17 Likes erhält. Mo Jo C. ergänzt diese Forderung um die Meinung, dass auch das allgemeine Warnen vor Blitzern grundsätzlich verboten gehören sollte.
Fazit
Das große Interesse an dem Online-Aufruf der Polizei zeigt, dass die Bevölkerung sich für Themen der Verkehrssicherheit und Verkehrsüberwachung stark interessiert. Viele Menschen nutzen die Chance, um auf Gefahrenstellen direkt vor ihrer Haustür aufmerksam zu machen.
Gleichzeitig wird in den Diskussionen aber auch deutlich, wie unterschiedlich die Menschen auf das Blitzer-Thema blicken: Die einen fordern, dass Kontrollen an Schulen und Kitas am besten immer ohne Ankündigung und gut versteckt stattfinden sollten. Die anderen ärgern sich über Radarfallen an gut ausgebauten Straßen und haben das Gefühl, dass es dabei am Ende eher ums Geldverdienen als um die Sicherheit geht.
Quellen
Ndr.de: Neue Blitzer im Norden? Polizei lässt auf Facebook abstimmen
Polizei Flensburger auf Facebook: Wo sollen wir kontrollieren?
NDR Schleswig Holstein auf Facebook: Neue Blitzer per Abstimmung
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