Während der zweiten Speedweek des diesjährigen Blitzermarathons kontrollierte die Polizei in fast allen Bundesländern verstärkt Tempoverstöße – mit unterschiedlichem Ergebnis.
das Wichtigste zuerst
- Flächendeckende Kontrollen: Die zweite ROADPOL-Speedweek setzte in der ersten Augustwoche auf kontinuierliche, über sieben Tage verteilte Geschwindigkeitskontrollen in fast allen Bundesländern.
- Berlin und Brandenburg: Bei 680.000 gemessenen Fahrzeugen wurden rund 40.000 Verstöße registriert.
- Baden-Württemberg: Die Zahl der erfassten Temposünder stieg im Vergleich zum Vorjahr von 66.500 auf 84.000 an.
- Schleswig-Holstein: Im Norden sanken die Zahlen auf knapp 15.000 Verstöße (2025: 23.000), was die Polizei auf die hohe Bekanntheit der Messstellen zurückführt.
- Bremen: In der Hansestadt wurden 5.500 Tempoverstöße registriert, die wohl zu knapp 120 Fahrverboten führen werden. Allein an einer A27-Baustelle wurden nahezu 2.300 dieser Verstöße erfasst.
- Umstrittener Nutzen: Trotz hoher Erfassungszahlen ist die Aktion auch unter Polizisten umstritten. Kritiker und die GdP (Gewerkschaft der Polizei) verweisen auf den hohen Personalaufwand und den fehlenden Lerneffekt bei angekündigten Messungen.

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Zweite ROADPOL‑Speed‑Week bringt erneut flächendeckende Kontrollen
In der ersten Augustwoche wurden auf Deutschlands Straßen wieder verstärkt Kontrollen durchgeführt. Im Rahmen der ROADPOL Speedweek bauten Ordnungshüter aus fast allen Bundesländern wieder mehr mobile Blitzer auf, um Temposünder zu stoppen und für die Gefahren überhöhter Geschwindigkeit zu sensibilisieren. Im Vergleich zur Aktion im Frühjahr wurde diesmal jedoch auf einen einzelnen Hauptaktionstag verzichtet und die Kontrollen stattdessen kontinuierlich über die gesamten sieben Tage verteilt.
Der Blitzmarathon ist eine mehrtägige Schwerpunktaktion, die von der europäischen Verkehrspolizei-Organisation ROADPOL koordiniert wird. Ziel ist es, durch eine intensivierte Verkehrsüberwachung die Einhaltung der Verkehrsregeln zu fordern und zu fördern. Für die Umsetzung sind die Polizeibehörden der einzelnen Bundesländer zuständig.
Berlin und Brandenburg: 40.000 Temposünder erwischt
In Berlin und dem weitläufigen Brandenburg wurde die Speedweek ihrem Namen gerecht: Die Geschwindigkeit von insgesamt 680.000 Fahrzeugen wurde dort während der Kontrollwoche erfasst. Darunter befanden sich rund 40.000 Temposünder, wie die Polizeibehörden der Bundesländer laut rbb24.de mitteilten. Einer von ihnen verwechselte die märkischen Straßen offenbar mit einer Rennstrecke und wurde mit extremen 143 km/h an einer Stelle erwischt, an der nur 80 km/h erlaubt sind.
Baden-Württemberg: Mehr Geschwindigkeitsverstöße als im Vorjahr
Eine eher ernüchternde Bilanz zieht die Polizei im Ländle: Die Einsatzkräfte registrierten im Rahmen der Kontrollen deutlich mehr Geschwindigkeitsverstöße als im Vorjahr, wie der SWR mitteilt. Trotz wiederholter Aufklärungsarbeit und vorher angekündigter Messstellen zeigten sich viele der 84.000 erwischten Fahrer den Angaben der Polizei nach uneinsichtig.
Das Innenministerium in Baden-Württemberg betonte, dass der erneute Anstieg der Fallzahlen (im Vorjahr waren es noch 66.500 Temposünder) die Notwendigkeit von unangekündigten wie auch strukturierten Schwerpunktaktionen unterstreicht.
Schleswig-Holstein: Tempoverstöße rückläufig
Im nördlichsten Bundesland der Republik, Schleswig-Holstein, registrierten die Messgeräte während der Speedweek knapp 15.000 Geschwindigkeitsverstöße, wie der NDR berichtet. Laut eigenen Angaben suchte die Polizei im Zuge der Aktion bei knapp 2.000 Verkehrssündern das direkte Gespräch, um den Betroffenen die Gefahren ihres Fahrverhaltens aufzuzeigen.
Anders als in Baden-Württemberg verzeichneten die Ordnungshüter im Norden sogar einen Rückgang der Verstöße im Vergleich zum Vorjahr (2025 waren es noch 23.000). Der Grund ist laut den Beamten simpel. Viele Verkehrsteilnehmer wüssten bereits vorher, an welchen Standorten die Radarfallen stehen.
Bremen: 2.300 Verstöße an einer Gefahrenstelle
Auch im kleinsten Bundesland Bremen zog die Polizei während der Speedweek ein enges Kontrollnetz auf. An mehreren Aktionstagen überwachten die Beamten vor allem unfallträchtige Hauptverkehrsachsen, Zubringer sowie schützenswerte Bereiche vor Schulen und Senioreneinrichtungen.
Dabei wurden mehr als 5.500 Tempoüberschreitungen geahndet, wobei die Negativ-Spitzenreiter mit teils doppelter Geschwindigkeit als erlaubt unterwegs waren und nun mit teurer Bußgeldpost rechnen müssen. Fast 120 Fahrern drohen zudem Fahrverbote.
Allein bei zwei Geschwindigkeitskontrollen auf der A27 im Bereich einer Baustelle registrierte die Polizei nahezu 2.300 der Verstöße. Dort sind eigentlich nur 80 km/h erlaubt. Ein Fahrer wurde dort sogar mit renntauglichen 175 km/h gemessen.
Fazit
Auf den ersten Blick steht nach dem Blitzermarathon 2026 mit seinen Speedweeks eine Bilanz mit beeindruckenden Zahlen: Zehntausende erfasste Tempoverstöße und spektakuläre Ausreißer vermitteln den Eindruck eines vollen Erfolgs im Einsatz gegen Raser.
Der tatsächliche Nutzen solcher Aktionswochen ist aber umstrittener, als man denkt und wird selbst innerhalb der Polizei seit Jahren stark hinterfragt. Anschauliches Beispiel dafür ist Berlin: In den vergangenen Jahren verzichtete die Hauptstadt – anders als Brandenburg – komplett auf eine Teilnahme am Blitzermarathon.
Die Begründung der Berliner Behörden und der Polizeigewerkschaft (GdP) ist eindeutig: Der personelle Aufwand sei extrem hoch, während der Lerneffekt gegen null gehe, da Autofahrer bei angekündigten Aktionen nur vor den Messstellen abbremsen und danach direkt wieder aufs Gas treten.
Quellen
- Rbb24: Polizei stellt in der Region rund 40.000 Geschwindigkeitsverstöße fest
- SWR: Hohen Spritpreisen zum Trotz: Nach wie vor viele Raser auf den Straßen
- NDR: Tausende Blitzer in einer Woche: Die Bilanz der "Speedweek" in SH
- Buten un binnen: "Blitzer-Marathon": Auto brettert mit 175 km/h durch Bremer Baustelle
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