Blow-ups auf Autobahnen: Hitze hinterlässt schwere Fahrbahnschäden

29.06.2026 - 4 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst
  • Hitzeschäden auf Autobahnen: Extreme Temperaturen von rund 40 Grad haben vor allem ältere Betonfahrbahnen aufgewölbt und zum Aufplatzen gebracht (sogenannte Blow-ups).
  • Anhaltende Verkehrsbehinderungen: Obwohl es abkühlt, sorgen notwendige Reparaturen und unvorhersehbare Straßensperrungen weiterhin für erhebliche Staus und Einschränkungen.
  • Auch Asphalt leidet: Während älterer Beton unter Druck aufbricht, heizt sich Asphalt auf über 60 Grad auf, wodurch das Bindemittel Bitumen aufweicht und als „schwitzende Decke“ austritt.
  • Akute Gefahr für Motorräder: Da Fahrbahnen ohne Vorwarnung aufreißen, reichen bereits wenige Zentimeter Höhenunterschied für schwere Unfälle aus.
  • Erhöhte Kontrollen und Mithilfe: Die Autobahn GmbH verstärkt ihre Streckenkontrollen, bittet jedoch auch Autofahrer, neu entdeckte Schäden sofort der Polizei zu melden.
Blow-ups auf Autobahnen: Hitze hinterlässt schwere Fahrbahnschäden

© Marc Bruxelle / shutterstock.com (Symbolbild)

Blow-ups bremsen Autofahrer aus: Sperrungen dauern trotz Abkühlung an

Die extreme Hitzewelle der letzten Woche hat auf den deutschen Autobahnen sichtbare Schäden hinterlassen. Bei Temperaturen um die 40-Grad-Marke dehnten sich vor allem ältere Fahrbahnen so stark aus, dass der Beton den Druck nicht mehr aufnehmen konnte. Die Spannung entlud sich nach oben, sodass die Fahrbahnen aufwölbten und aufbrachen.

„Irgendwo muss die Spannung hin – und die entlädt sich dann nach oben“, so eine Sprecherin der Autobahn GmbH gegenüber n-tv. Obwohl die Temperaturen nun sinken, sorgen diese sogenannten Blow-ups weiterhin für Behinderungen, da Reparaturen und Straßensperrungen den Verkehr auf unbestimmte Zeit ausbremsen.

Betroffene Autobahnabschnitte

Welche Streckenabschnitte besonders betroffen sind, zeigt eine aktuelle Auswertung des ADAC. Der Club hat hierfür die Daten der Autobahn GmbH des Bundes analysiert und die wichtigsten Gefahrenstellen sowie die eingeleiteten Sperrungen zusammengefasst:

AutobahnDetails zu Schäden und Maßnahmen
A1Schäden bei Bad Oldesloe behoben; Vollsperrung im Bereich Wittlich bis voraussichtlich 1. Juli.
A2Vollsperrungen bei Ziesar (Ri. Berlin, Freigabe Anfang der Woche) und Magdeburg/Burg (Ri. Hannover). Notsperrung bei Theeßen nach akutem Aufplatzen aller Spuren; Spurreduzierung bei Lehrte bis 29. Juni.
A3Tempolimit 80 km/h zwischen Mönchhofdreieck und Wiesbadener Kreuz.
A6Erste Schäden im Abschnitt Kreuz Mannheim bis Mannheim/Schwetzingen (Ri. Heilbronn).
A7Rechte Spur auf Höhe Marmstorf (Ri. Hamburg) bis voraussichtlich 29. Juni gesperrt.
A9Erste Schäden durch Blow-ups bei Ingolstadt in beiden Richtungen bereits behoben.
A10Linke Spur bei Marzahn gesperrt; weitere Schäden bei Hellersdorf und Potsdam-Nord gemeldet.
A13Erste Schäden und vereinzelte Tempolimits bei Berstetal und Staakow.
A48Tempolimit 60 km/h auf der Rheinbrücke Bendorf wegen hitzebedingter Bauwerksbewegungen.
66Gesperrter Standstreifen im Bereich Wiesbaden (wegen Baustelle).
A93Fahrbahn zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau (Ri. Regensburg) auf ganzer Breite aufgeplatzt.

Auch Asphalt bereitet Probleme: die „schwitzende“ Fahrbahndecke

Die Ursache für die plötzlichen Aufbrüche liegt im Alter der Straßen: Laut Autobahn GmbH sind vor allem stark beanspruchte und mehrfach reparierte Betonfahrbahnen älterer Bauart betroffen, während neuere Abschnitte heutigen Standards entsprechen und standhalten. Neben Beton reagiert allerdings auch Asphalt auf die extreme Hitze, zeigt dabei jedoch ein anderes Verhalten.

Durch die andauernde Strahlung erwärmen sich die Fahrbahnen auf Werte von über 60 Grad Celsius. Können die Straßen in tropisch heißen Nächten nicht mehr ausreichend abkühlen, wird das Bindemittel Bitumen im Asphalt weich und drückt an die Oberfläche. Dieses Verhalten des Materials wird von Experten als „schwitzende Decke“ beschrieben.

Verkehrsanwältin und ADAC rufen Autofahrer zur Vorsicht auf

Ein verlässlicher Schutz vor plötzlichen Fahrbahnaufbrüchen existiert laut ADAC nicht, da die Schäden ohne jede Vorwarnung auftreten. Weil schon kleine Kanten von wenigen Zentimetern insbesondere für Motorradfahrende lebensgefährlich sind, mahnt der Automobilclub zu äußerster Vorsicht.

Auf risikobehafteten Strecken gilt es, den Abstand deutlich zu vergrößern und Tempolimits exakt einzuhalten. Sollten Autofahrer auf unentdeckte Schäden stoßen, ist eine sofortige Meldung bei der Polizei oder Autobahnmeisterei geboten, um nachfolgende Verkehrsteilnehmer vor der Gefahrenstelle zu schützen.

Auch die Partneranwältin von Geblitzt.de, Melanie Leier, empfiehlt Autofahrern im Angesicht der Hitzeschäden wachsam zu sein, und erinnert sich bezüglich der Blow-ups: „Diese erhöhen die Unfallgefahr für Verkehrsteilnehmer. Das führte zum Beispiel im Jahr 2019 in Sachsen-Anhalt dazu, dass zusätzliche Tempolimits auf den betroffenen Autobahnabschnitten eingeführt wurdenׅ“, so die Verkehrsrechtsexpertin.

Autobahn GmbH bittet Autofahrer um Mithilfe

Die Autobahn GmbH reagiert auf langanhaltende Hitzeperioden mit verstärkten Streckenkontrollen durch ihre Meistereien, um beginnende Schäden rasch zu lokalisieren. Da ein Restrisiko für plötzliche Aufbrüche jedoch immer bestehen bleibt, setzt die Gesellschaft zusätzlich auf die Mithilfe der Bevölkerung. Autofahrer, die auffällige Schäden oder Verformungen auf der Strecke bemerken, werden gebeten, die Polizei zu informieren. So können Gefahrenstellen ohne Verzögerung abgesichert und repariert werden.

Quellen

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