Warnung von Branchenexperten: Motoröl könnte im Sommer knapp werden

11.05.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Versorgungsengpass befürchtet: Aufgrund der Blockade an der Straße von Hormus erreichen wichtige Basisöle Europa und die USA nicht mehr rechtzeitig, was die Vorräte bis zum Sommer erschöpfen könnte.
Betroffene Fahrzeugtypen: Der Mangel trifft nicht nur Verbrenner, sondern auch Elektroautos, da beide auf hochraffinierte synthetische Schmierstoffe für technische Komponenten angewiesen sind.
Hohe Importabhängigkeit: Europa bezieht über zwei Drittel seiner Gruppe-III-Basisöle aus der Golfregion. Produktionsausfälle bei Großlieferanten wie Adnoc oder Bapco verschärfen die Lage.
Steigende Servicekosten: Die Verknappung von Rohstoffen wie Ethylen treibt die Börsenpreise nach oben, weshalb Werkstätten die Mehrkosten bereits an die Kunden weitergeben.
Prüfung in der Werkstatt: Autofahrer sollten rechtzeitig Bedarf, Alternativen und Preise klären, wobei unbedingt auf die passenden Herstellerfreigaben zu achten ist.
Keine Vorratskäufe: Wegen der begrenzten Haltbarkeit von fünf Jahren lohnen sich Hamsterkäufe nicht. Ein moderater Fahrstil ist die effektivere Methode, um Öl- und Spritkosten zu senken.

Warnung von Branchenexperten: Motoröl könnte im Sommer knapp werden

© Lukas Gojda
/ shutterstock.com (Symbolbild)

Hormus-Krise: Engpässe bei Schmierstoffen erwartet

Ein drohender Rohstoffmangel bei Basisölen könnte Europa bereits im Juni erreichen, da der festgefahrene Konflikt im Mittleren Osten den Seeweg blockiert. Angesichts wachsender und täglich wechselnder Spannungen an der Straße von Hormus ist keine Entspannung der Lieferketten absehbar. Neben den bereits gestiegenen Benzinpreisen müssen Verbraucher sich deshalb auf höhere Kosten bei Wartungsarbeiten wie dem Ölwechsel einstellen.

Verbrenner und E-Autos betroffen

Zur Herstellung synthetischer Fertigschmiermittel benötigt die Automobilindustrie hochraffinierte Basisöle (Mineralöle und Kohlenwasserstofföle). Da moderne Fahrzeuge ohne diese Substanzen nicht funktionstüchtig sind, betrifft der Bedarf sämtliche Antriebsarten. Auch bei Elektrofahrzeugen müssen alle zu fettenden Komponenten mit diesen speziellen Ölen versorgt werden.

Laut dem Energieunternehmen TotalEnergies verfügen synthetische Öle über vorteilhaftere chemische und mechanische Merkmale als konventionelle Schmiermittel. Polyalphaolefine werden dabei primär für Fahrzeuge der Oberklasse genutzt.

Abhängigkeit vom Golf: Zentrale Versorgungsquelle für Europa und die USA

Die Golfregion ist ein zentraler Lieferant für Basisöle der Gruppe III und hält einen Anteil von knapp einem Fünftel an der weltweiten Produktion. Laut der Marktexpertin Gabriella Twining entfielen 2025 mehr als zwei Drittel der europäischen sowie fast die Hälfte der US-Importe auf diesen Raum.

Maßgebliche Produzenten sind Adnoc in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einer halben Million Tonnen jährlich und Bapco in Bahrain, wobei deren Anlage in Sitra zuletzt durch einen Raketeneinschlag getroffen wurde.

Warum die Schmieröl-Vorräte zur Neige gehen

Europa und die USA suchen Ersatz für die Lieferungen aus Nahost, doch auch die westliche Produktion leidet unter dem Mangel an chemischen Vorprodukten wie Ethylen. Das lässt die Preise für Basisöle der Gruppe III an der Börse schnell steigen. Bleibt die Blockade im Persischen Golf bestehen, gehen die Schmieröl-Vorräte für Autos bis Juni zur Neige. Die ersten Preiserhöhungen werden bereits an die Kunden weitergegeben.

Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus droht die Bestände an Autoschmierstoffen zu erschöpfen. Laut Argus Media werden gestiegene Kosten bereits an die Abnehmer weitergegeben. Die Branche warnt, dass die Vorräte an Gruppe-III-Ölen ohne neue Lieferungen aus der Golfregion bis Juni vollständig geleert sein könnten.

Was Autofahrer jetzt nachforschen sollten

Autofahrer sollten aufgrund dieser Entwicklung fünf zentrale Punkte prüfen: Ob ein Ölwechsel notwendig ist, ob bislang synthetisches Öl genutzt wurde, welche Alternativen zur Verfügung stehen, woher Ersatz bezogen werden kann und wie hoch die Kosten ausfallen.

Diese Details lassen sich in der Werkstatt klären. Dabei ist entscheidend, dass Viskosität, Herstellerfreigabe und Spezifikationen zum Auto passen. Es empfiehlt sich, nach der genauen Ölsorte sowie dem Literpreis zu fragen und die Preise anderer Anbieter zu vergleichen.
Ausgehend von einem Standardpreis von 100 Euro, so eine Kalkulation des ADAC, würde eine 20-prozentige Erhöhung beim Ölpreis für Mehrkosten von 20 Euro sorgen.

Checkliste Ölwechsel

Angesichts drohender Engpässe und steigender Preise sollten Autofahrer ihren nächsten Service gut vorbereiten. Die folgende Checkliste hilft dabei, den Überblick zu behalten und unnötige Kosten zu vermeiden.

Vorgaben: Intervalle und Ölsorte (SAE-Klasse/Freigabe) im Handbuch prüfen.
Vorbereitung: Motor warmfahren, damit das Öl rückstandslos abläuft.
Material: Immer Ölfilter und Dichtring zusammen mit dem Öl tauschen.
Werkstatt-Tipp: Vorab klären, ob mitgebrachtes Öl (kostengünstiger) akzeptiert wird.
Stadtverkehr: Bei viel Kurzstrecke häufiger wechseln (altert schneller).
Kontrolle: Nach dem Wechsel Intervall-Anzeige im Bordcomputer zurücksetzen.

Warum sich Hamsterkäufe bei Motoröl nicht lohnen

Wer momentan keinen Ölwechsel benötigt, ist fein raus. Davon abgesehen sollten Autofahrer jedoch auf Hamsterkäufe verzichten. Motoröl ist höchstens fünf Jahre haltbar. Wer sich jetzt zu große Vorräte zulegt, verschwendet unter Umständen Geld und muss das Material später entsorgen. Ein weiterer Punkt ist die Fahrweise: Ein schonender Stil reduziert effektiv die Ausgaben für Sprit und Öl.

Quellen

Focus: Motoröl wird knapp, Lieferanten warnen vor Juni

ADAC: Ölwechsel, Kosten und Intervalle

ADAC: Motoröl-Spezifikationen und Herstellerfreigaben

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