So viel zur Verkehrssicherheit: „Super-Blitzer“ in Friedberg wird zur Unfallursache

07.05.2026 - 4 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Mehr Verkehrssicherheit ohne Blitzer: Seit der „Super-Blitzer“ an der B300 im bayerischen Friedberg außer Betrieb ist, sinken vor Ort die Unfallzahlen.
Bußgeld-Angst als Auslöser: Während die Anlage früher schwere Abbiegeunfälle verhinderte, provozierte sie zuletzt neue Probleme. Viele Fahrer bremsten aus Angst vor Bußgeldern abrupt ab und verursachten dadurch vermehrt Auffahrunfälle.
Hohe Kontrolldichte: Von Januar bis Oktober 2025 wurden an der Stelle rund 2.500 Verstöße registriert, die zu über 200 Fahrverboten führten.
Rückkehr beschlossen: Das Staatliche Bauamt und die Polizei halten an der Säule fest und wollen sie wieder aufbauen, da sie ohne den Kontrolldruck eine Rückkehr zu schwersten Unfällen befürchten.
Zwangspause durch Totalschaden: Aktuell verzögert sich der Wiederaufbau, da nach der Zerstörung der alten Säule durch einen Lkw-Unfall wichtige Ersatzteile aufgrund von Lieferschwierigkeiten fehlen.
Fazit: Nicht jeder Blitzer schafft de facto mehr Verkehrssicherheit.

So viel zur Verkehrssicherheit: „Super-Blitzer“ in Friedberg wird zur Unfallursache

© U. J. Alexander / shutterstock.com (Symbolbild)

Sinkende Unfallzahlen ohne „Super-Blitzer“

An der Kreuzung B300 und Chippenham-Ring in Friedberg (bayerisches Schwaben) zeigt sich derzeit ein Effekt, der die klassische Verkehrsüberwachung alt aussehen lässt. Über Jahre hinweg sollte dort ein fest installierter Blitzer für Sicherheit sorgen. Seit dieser jedoch nicht mehr im Einsatz ist, hat sich die Lage vor Ort keineswegs verschlechtert. Im Gegenteil: Die zuständige Polizeiinspektion meldet weniger Unfälle, seit Autofahrer die Kreuzung ohne den bremsenden Einfluss der Radarfalle passieren.

Säule erfasste zuvor 2.500 Verstöße in zehn Monaten

Die installierte Säule war darauf ausgelegt, an der sogenannten Segmüller-Kreuzung, an der die B300, die Kreisstraße AIC25 und der Chippenham-Ring zusammentreffen, sowohl Geschwindigkeits- als auch Rotlichtverstöße zu überwachen.

Das System erfasste dabei vor allem jene Fahrer, die noch beschleunigten, um eine gelbe Ampel zu erwischen. Wie effektiv diese Doppel-Kontrolle funktionierte, belegt die Bilanz von Januar bis Oktober 2025: Rund 2.500 Verstöße führten in 230 Fällen zum Fahrverbot, obwohl die Anlage gar nicht durchgehend in Betrieb war.

Wenn die Angst vor dem Bußgeld auffährt

Die Installation des Blitzers im Jahr 2016 war eine direkte Reaktion auf die verheerende Unfallbilanz der Vorjahre. Schwere und tödliche Unfälle gehörten an der Einmündung zum Chippenham-Ring bis dahin zum Alltag. Die Fallzahlen konnten durch die Radarkontrolle jedoch gesenkt werden. Dennoch wird die Stelle bei Friedberg weiterhin als Schwerpunkt geführt.

Der Grund hierfür liegt in einer qualitativen Verschiebung: Einerseits minderte der Blitzer die Schwere der Kollisionen, andererseits schuf er gleichzeitig neue Problemstellen im Verkehrsfluss. Während früher riskante Abbiegevorgänge das Problem waren, führen nun starke Bremsmanöver vor der Kamera zu Unfällen im fließenden Verkehr. Wenn Autofahrer abrupt verzögern, kommt es häufiger zu Blechschäden durch Auffahrunfälle.

„Super-Blitzer“ soll erneut aufgebaut werden

Trotz der vermehrten Auffahrunfälle soll der „Super-Blitzer“ am altbekannten Standort wieder in Betrieb gehen. Thomas Kornek vom Staatlichen Bauamt Augsburg, der zudem in der Unfallkommission für den Landkreis Aichach-Friedberg sitzt, begründet die Entscheidung mit dem Faktor Mensch: „Aktuell profitieren wir noch davon, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist.“ Ohne die dauerhafte Präsenz der Säule sei es jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der schweren Unfälle an der B300 wieder zunehme.

Polizei hält am Standort fest

Diese Einschätzung teilt auch das Polizeipräsidium Schwaben Nord. Seit ein Sattelschlepper die Säule im Oktober 2025 umgefahren hat, ist der Blitzer außer Betrieb. Aufgrund der Zerstörung ist eine Neuanschaffung unumgänglich, deren Umsetzung sich jedoch verzögert. „Leider liegt uns dazu noch kein konkreter Zeitplan des Herstellers vor, da einige der benötigten Bauteile derzeit Lieferschwierigkeiten aufweisen“, so das Statement der Pressestelle. Es bestehe jedoch generell weiterhin die Absicht, die Säule an derselben Stelle erneut in Betrieb zu nehmen.

Fazit

Dass nicht jeder Blitzer primär der Verkehrssicherheit dient, war vielen bereits seit Langem bewusst. Das Beispiel an der Einmündung zum Chippenham-Ring zeigt jedoch, dass selbst fachlich begründete Standorte kontraproduktive Effekte erzielen können. Die Zunahme der Auffahrunfälle durch abrupte Bremsmanöver zeigt, dass die psychologische Wirkung eines Blitzers die eigentliche Unfallgefahr nicht immer beseitigt, sondern lediglich verschiebt. Ein starrer Fokus auf Geschwindigkeitskontrollen greift hier zu kurz und schafft neue Gefahrenzonen.

Quellen

Augsburger Allgemeine, Kein Superblitzer am Chippenham-Ring: Weniger Unfälle an B300-Kreuzung

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