das Wichtigste zuerst
- Knappe Mehrheit für Tempolimit: Laut einer Forsa-Umfrage befürworten 51 Prozent der Deutschen ein befristetes Tempolimit zur Kraftstoffeinsparung.
- Teurer Sprit: Infolge der Blockade der Straße von Hormus verteuerte sich E10 um etwa 40 Cent und Diesel um bis zu 70 Cent pro Liter.
- Differenzen nach Geschlecht und Alter: 63 Prozent der Frauen sind für das Tempolimit, während nur 37 Prozent der Männer zustimmen. Bei den über 60-Jährigen liegt die Befürwortung bei 62 Prozent, in jüngeren Gruppen gibt es keine Mehrheit.
- Politisches Gefälle: Grüne und Linke unterstützen das Vorhaben fast geschlossen (je 82 Prozent), während die AfD mit nur 19 Prozent Zustimmung die deutlichste Ablehnung zeigt.
- Theoretisches Sparpotenzial: Greenpeace berechnet für Haushalte eine jährliche Ersparnis von durchschnittlich 239 Euro durch reduzierte Geschwindigkeiten.
- Realer Verkehrsfluss bremst Effekt: Laut einer Studie des IW Köln liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen bereits bei 113,5 km/h. Damit wäre der reale Spareffekt eines gesetzlichen Tempolimits wohl deutlich geringer.

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Explodierende Spritpreise: Die Rückkehr der Tempolimit-Debatte
Infolge des Iran-Krieges sind die ohnehin hohen Kraftstoffpreise in Deutschland drastisch gestiegen. E10 kostet pro Liter etwa 40 Cent mehr als zuvor, bei Diesel beläuft sich das Plus auf bis zu 70 Cent. Die Bundesregierung will mit einer Senkung der Mineralölsteuer um 17 Cent aushelfen. Wie schnell das umgesetzt werden kann, ist derzeit aber noch unklar.
Inmitten dieser Gemengelage aus Preisdruck und verzögerten Entlastungen ist nun ein neues altes Dauerthema wieder aufgeploppt, das die Gemüter spaltet: die Einführung eines (befristeten) Tempolimits.
Forsa-Umfrage: Knappe Mehrheit für temporäres Tempolimit
Während die Bundesregierung solche Pläne bislang nicht diskutiert hat, spricht sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage mehr als die Hälfte der Deutschen für eine zeitlich begrenzte Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen und Landstraßen aus.
Demgegenüber stehen 48 Prozent, die diese Maßnahme ablehnen. Lediglich ein Prozent machte keine Angabe. Besonders deutlich zeigt sich die Differenz zwischen den Geschlechtern: So befürworten 63 Prozent der Frauen das Limit, während es bei den Männern nur 37 Prozent sind.
Für die vom Magazin „Stern“ in Auftrag gegebene Umfrage wurden am 9. und 10. April insgesamt 1.000 Bundesbürger befragt. Die Ergebnisse gewinnen vor allem deshalb an Bedeutung, weil sich durch moderates Tempo – im Gegensatz zu Geschwindigkeiten jenseits der 120 km/h – spürbar Kraftstoff einsparen lässt.
Hohe Zustimmung bei 60 plus, Skepsis bei Jüngeren
Auch in den verschiedenen Altersgruppen gehen die Meinungen zum Thema Tempolimit weit auseinander. So votiert die Generation 60 plus mit einer deutlichen Mehrheit von 62 Prozent für die Einführung der Maßnahme, während der Rückhalt mit abnehmendem Alter schwindet. In den jüngeren Gruppen bis 29 Jahre sowie bei den 30- bis 44-Jährigen überwiegt die Ablehnung: Hier unterstützt jeweils weniger als die Hälfte der Befragten das Vorhaben.
Politische Fronten beim Tempolimit
Besonders deutlich fällt die Ablehnung im Lager der AfD aus. Während Anhänger der Grünen und Linken das Tempolimit fast geschlossen befürworten, zeigt sich hier das gegenteilige Bild: Lediglich 19 Prozent der AfD-Anhänger unterstützen den Vorschlag, womit diese Gruppe die geringste Zustimmung im gesamten Parteienspektrum aufweist.
Greenpeace sieht großes Sparpotenzial
Doch wie effektiv lässt sich mit einem Tempolimit tatsächlich Kraftstoff sparen? Ein Tempolimit könnte Haushalte finanziell entlasten, so das Ergebnis einer aktuellen Greenpeace-Untersuchung. Ausgehend von durchschnittlichen Spritkosten von 2.490 Euro pro Jahr und Haushalt (bei 1,21 Pkw) ermöglicht eine Begrenzung auf 100 km/h (Autobahn) bzw. 80 km/h (Landstraße) eine jährliche Ersparnis von durchschnittlich 239 Euro.
Wissenschaftler sind da skeptischer
Allerdings klaffen Theorie und Praxis hier weit auseinander. Das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Bei der Untersuchung von fast 1,9 Milliarden Fahrzeugbewegungen kam heraus, dass die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen – selbst auf Abschnitten ohne festes Tempolimit – bei lediglich 113,5 km/h liegt.
Da bereits heute rund 83 Prozent der Autofahrer langsamer als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h unterwegs sind, fiele der zusätzliche Spareffekt eines gesetzlichen Limits in der Praxis wohl weitaus geringer aus als von Greenpeace berechnet. Baustellen, hohes Verkehrsaufkommen und marode Brücken drosseln das Tempo ohnehin schon flächendeckend.
Quellen
WELT, Spritpreise: Mehrheit der Deutschen befürwortet befristetes Tempolimit
AUTO BILD, Zeitlich begrenztes Tempolimit auf Autobahnen? Das sagen die Deutschen
Stern: Tempo drosseln und Sprit sparen? Ja, sagt knappe Mehrheit der Deutschen
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