Rundum-Grün-Ampel in Dresden: Gemischte Gefühle am „Assi-Eck“

07.07.2026 - 4 min Lesezeit

Eine neue Rundum-Grün-Ampel regelt seit kurzem eine Kreuzung in der Dresdner Neustadt. Sie dreht alte Gewohnheiten komplett um, was nicht jedem Verkehrsteilnehmer zusagt.

das Wichtigste zuerst
    • Neues Ampelsystem im Feldversuch: Am Dresdner „Assi-Eck“ stoppt eine Rundum-Grün-Ampel testweise den Autoverkehr, damit Fußgänger die Kreuzung in alle Richtungen gleichzeitig diagonal überqueren können.
    • Japan als Vorbild:Das Konzept ist von der berühmten Shibuya-Kreuzung in Tokio inspiriert und soll die Verkehrssicherheit sowie die Aufenthaltsqualität im Viertel erhöhen.
    • Rahmendaten: Der Pilotversuch läuft im Rahmen des Projekts „Louisenstraße im Wandel“ bis Oktober, kostet 75.000 Euro und beinhaltet eine begleitende Online-Abstimmung für die Bürger.
    • Gespaltene Reaktionen: Während Einheimische und Geschäftsleute die extrem langen Rotphasen sowie die daraus resultierenden Autostaus kritisieren, loben auswärtige Besucher das moderne Großstadtflair der Anlage.
Rundum-Grün-Ampel in Dresden: Gemischte Gefühle am „Assi-Eck“

© AndrewPixc
/ shutterstock.com (Symbolbild)

Dresden: Shibuya Crossing trifft auf „Assi-Eck“

Das berühmte Dresdner „Assi-Eck“ gilt seit jeher als das pulsierende Herz der Neustädter Partymeile. Um das alternative Ausgehviertel rund um die Kreuzung von Louisen-, Görlitzer und Rothenburger Straße verkehrstechnisch ein wenig aufzupolieren, hat die Stadt dort nun testweise eine Rundum-Grün-Ampel installiert. Das neue System stoppt den Autoverkehr komplett, damit Fußgänger die Kreuzung in alle Richtungen gleichzeitig queren können.

Tokio als Vorbild

Dieses für die Dresdner ungewohnte Konzept ist direkt von der legendären Shibuya-Kreuzung in Tokio inspiriert. In der japanischen Metropole schalten die Fußgängerampeln an einem der belebtesten Punkte der Welt komplett synchron, was bei jedem Grün-Signal bis zu 3.000 Menschen gleichzeitig kreuz und quer über den Asphalt strömen lässt. Was in Fernost als gigantische Menschenwelle funktioniert, soll nun im deutlich kleineren Dresdner Format für mehr Sicherheit sorgen. In Berlin gibt es eine solche Ampel bereits seit 26 Jahren am Checkpoint Charlie.

Das verspricht sich die Stadt von dem Pilotprojekt

André Barth, Leiter der Stadtbezirksämter Altstadt und Neustadt in der Dresdner Kommunalverwaltung, beschreibt die Funktionsweise der Ampel und ihren Zweck im MDR-Interview so:

„Es gibt eine Ampelphase, die alle Fußgängerampeln auf grün schaltet und damit kann man diagonal über die Kreuzung hinweg gehen. Das bildet ab, was tatsächlich hier schon manchmal passiert und andererseits wollen wir durch diesen Verkehrsversuch Erkenntnisse gewinnen, ob das eine gute oder eine schlechte Ampelschaltung ist.“ Darüber hinaus will die Stadt damit nach eigenen Angaben die Verkehrssicherheit der Straße erhöhen und die Aufenthaltsqualität steigern.

Laufzeit bis Oktober, Gesamtkosten: 75.000 Euro

Der Pilotversuch erfolgt im Rahmen des Projektes „Louisenstraße im Wandel“ und soll bis Oktober fortgesetzt werden, um den verkehrstechnischen Mehrwert der Anlage beurteilen zu können. Die Gesamtkosten betragen 75.000 Euro. Begleitend können die Dresdner online abstimmen, wie gut die Schaltung im Alltag ihrer Meinung nach wirklich funktioniert.

MDR-Umfrage zeigt gespaltene Meinungen zum Ampeltest

Die Reaktionen der Menschen vor Ort in Dresden schwanken laut einer MDR-Straßenumfrage stark zwischen akutem Frust und großer Begeisterung über die Diagonal-Ampel. Die ansässige Ladeninhaberin Ulrike P. bringt es auf den Punkt: „Wenn es grün ist, dann ist es toll an der Ampel und wenn es rot ist, ist man kurz vor dem Einschlafen.“

Durch die extrem langen Rotphasen staue sich der Autoverkehr, da laut P. teils nur noch drei Fahrzeuge pro Phase über die Kreuzung kommen. Auch Passant Max G. sieht kaum einen Mehrwert in der Neuerung und bemängelt, dass das Überqueren im Vergleich zu den alten, parallelen Grünphasen nun insgesamt „ein bisschen umständlich“ sei.

Touristen freuen sich über „chilligen“ Großstadtflair

Während die Einheimischen vor allem die langen Wartezeiten kritisieren, feiern auswärtige Besucher das Experiment als modernen Gewinn für das Viertel. Anna S. aus Gießen etwa ist überzeugt, dass die Umstellung den Menschen vor Ort spürbar guttut und freut sich über den Großstadtflair der Rundum-Ampel.

Ähnlich begeistert äußert sich Tobias Z. aus Leipzig, der gezielt über Instagram von dem Versuch erfahren hat. Er feiert die neue Diagonalschaltung im Viertel als „wirklich geil“ und beschreibt das Überqueren der Kreuzung schlicht als „mega chillig“.

Quellen

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