Auf der Geltinger Birk, einem Naturschutzgebiet in Schleswig-Holstein, kontrolliert ein Fahrrad-Blitzer die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h.
das Wichtigste zuerst
- Symbolischer Fahrrad-Blitzer: Aufgrund von Unfällen hat die Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) am Eingang des Naturschutzgebiets Geltinger Birk einen Fahrrad-Blitzer aufgestellt.
- Keine Bußgelder, sondern Saatgut-Postkarten: Da die Tourismusgesellschaft keine Bußgelder verteilen darf, setzt die Aktion auf reine Prävention: Ertappte Sünder des 15-km/h-Tempolimits erhalten Saatgut-Postkarten als Denkzettel.
- Positive Resonanz und weitere Pläne: Die Aktion stößt bei Besuchern laut der OFS-Marketingchefin auf Verständnis. Künftig sollen vor allem auffälligere Hinweisschilder für ein dauerhaft rücksichtsvolles Tempo sorgen.
- Kein Einzelfall: Symbolische Blitzer ohne rechtliche Konsequenzen werden immer wieder eingesetzt, um Verkehrsteilnehmer ohne Bestrafung zu sensibilisieren.
Nach schweren Unfällen: Naturschutzgebiet stellt Fahrrad-Blitzer auf
Die Geltinger Birk in Schleswig-Holstein gilt mit ihren traumhaften Ausblicken über die Ostsee und ihren weitläufigen Rundwegen als beliebtes Ausflugsziel für jährlich über 10.000 Radfahrer. Diese große Beliebtheit sorgt aber auch für Probleme: Auf den engen Wegen durch das Naturschutzgebiet geraten Fußgänger und rasche E-Bikes immer öfter aneinander.
Nach einer Serie schwerer Unfälle in jüngster Zeit, bei der es auch zu einem tödlichen Sturz gekommen war, hat die Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) nun die Reißleine gezogen: Am Zugang in Falshöft wurde kurzfristig ein eigens für den Radverkehr kalibrierter Blitzer aufgestellt, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Als regionale Tourismusgesellschaft ist die OFS dort für das Besuchermanagement verantwortlich.
Symbolische Tempokontrollen
Doch wie kann eine Tourismusorganisation Blitzer aufstellen und Geschwindigkeiten kontrollieren? Tatsächlich darf die OFS keine offiziellen Bußgelder verhängen. Die Aktion hat rein symbolischen Charakter und soll auf das geltende Tempolimit von 15 km/h im Naturschutzgebiet aufmerksam machen, das viele Fahrradfahrer offenbar nicht kennen. Wer dem Fahrrad-Blitzer auf den Leim geht, erhält daher nur eine Postkarte. Diese soll unwissende Temposünder auf spielerische und kreative Weise zur Einsicht bewegen.
Biologisch abbaubarer „Bescheid“
Der nachhaltige verkehrserzieherische Effekt entsteht jedoch nicht allein durch die Karte selbst, sondern durch ihren Inhalt. Die Ertappten nehmen ein konkretes Stück Natur mit nach Hause, da in das Papier echtes Saatgut eingearbeitet ist. So lässt sich die kleine Verwarnung direkt im eigenen Garten oder auf dem Balkon einpflanzen. Andrea Simons, Marketingleiterin der OFS, freut sich über die positive Resonanz der Touristen auf die Aktion: „Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Die meisten zeigten Verständnis für unser Anliegen.“
Weitere Maßnahmen für den Radverkehr geplant
Um das Tempolimit in Zukunft besser durchzusetzen, plant die OFS bereits weitere Aktionen. Laut Simons könnte eine deutlichere Beschilderung für mehr Übersicht und niedrigere Geschwindigkeiten sorgen. Nils Kobarg von der Integrierten Station Geltinger Birk bestätigt dies. Seiner Einschätzung nach ist die Einsicht der Besucher die beste Methode, um den geschützten Lebensraum zahlreicher Arten zu bewahren.
Attrappen und Dialog-Displays: Wenn Temposünder straffrei davonkommen
Symbolische Blitzer-Aktionen ohne jegliche rechtliche Folgen gibt es immer wieder. So wird regelmäßig von Anwohnern berichtet, die aus Ärger über Raser eigene Blitzerattrappen anfertigen und damit tatsächlich Temposünder ausbremsen. Ähnlich verhält es sich mit den sogenannten Dialog-Displays: Zwar erfassen die Anzeigetafeln die gefahrene Geschwindigkeit und teilen sie dem Betroffenen mit, dies hat jedoch nur eine symbolische und präventive Wirkung. Nur so konnte der Sylt-Raser vergangenes Jahr ungestraft mit 252 km/h durch Westerland rasen.
Quellen
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