Küchengerät oder Blitzer? Mikrowelle in MeckPomm nimmt Autofahrer hops

19.05.2026 - 4 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Blitzer-Bluff: Zwischen Röbel und Sietow bremst eine auf einem Stativ montierte, dreibeinige Mikrowelle Autofahrer in einer 70er-Zone aus.
Rechtslage: Blitzer-Attrappen sind auf privatem Grund legal, solange sie weder blitzen noch blenden und keine verbotenen Symbole zeigen.
Risiko von Schadensersatz: Wird die Attrappe außerhalb von Privatgrund aufgestellt, drohen jedoch Strafen wegen Verstößen gegen das Straßen- und Wegegesetz.
Haftung bei Unfällen: Löst das Imitat nachweislich einen Unfall aus, drohen dem Bastler im Einzelfall zivilrechtliche Schadensersatzforderungen.

Küchengerät oder Blitzer? Mikrowelle in MeckPomm nimmt Autofahrer hops

Symbolbild (KI generiert)

Moderne Blitzertechnik: die dreibeinige Mikrowelle

Ein kreativer Bluff an einer mecklenburgischen Verkehrsader foppt derzeit ahnungslose Autofahrer. Wer auf der Route zwischen Röbel und Sietow an der Schamper Mühle das Abbremsen in der Tempo-70-Zone versäumt, erleidet beim Anblick des vermeintlichen Radars zwar eine Schrecksekunde – kann aber direkt danach wieder aufatmen. Denn statt eines echten Messgeräts der Behörden lauert dort nur eine harmlose Mikrowelle auf drei Beinen.

Für herannahende Autofahrer ist der Unterschied zwischen dem modifizierten Küchengerät und einem behördlichen Messgerät nicht erkennbar. Diese Verwechslung ist vom Betreiber der improvisierten Geschwindigkeitsbremse durchaus beabsichtigt. Die Aktion wirft jedoch auch die Frage auf, ob solche Blitzer-Attrappen eigentlich legal sind.

Polizeisprecherin: Grundsätzlich legal, aber …

Wie die Behörden die Rechtslage beim Aufstellen von Blitzer-Attrappen bewerten, zeigt eine Stellungnahme der zuständigen Dienststelle vor Ort. Laut Claudia Berndt, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg, ist der Mikrowellen-Blitzer der Röbeler Polizei durchaus bekannt.

Die Ordnungshüterin betont: „Grundsätzlich können Menschen solche Attrappen bauen und aufstellen, sofern sie es [sic] auf dem eigenen Grundstück aufstellen und bestimmte Bedingungen erfüllt sind.“ Demnach sind verbotene Symbole auf dem Objekt untersagt. Ein echtes Aufblitzen oder Blenden ist ebenfalls tabu. Zudem muss die Konstruktion weit genug von der Straße entfernt platziert werden.

Nur auf dem eigenen Privatgrundstück

Genau das ist hier wohl gegeben. Eine Kette schützt den Mikrowellen-Blitzer davor, gestohlen oder entführt zu werden. Tatsächlich hat es die Attrappe bereits in den regionalen Verkehrsfunk geschafft. Immer wieder wird sie dort mit dem Satz erwähnt: „Und die Mikrowelle ist auch wieder scharf gestellt.“

Sollte die Konstruktion jedoch nicht auf privatem Grund platziert sein, drohen rechtliche Konsequenzen. „Dann würde möglicherweise ein Verstoß gegen das Straßen- und Wegegesetz vorliegen, weil der Bereich außerhalb des privaten Bereichs ja zum Beispiel einer Gemeinde gehören würde“, gibt Polizistin Berndt zu bedenken.

Die Gefahr von Schadensersatzansprüchen

Meistens werden solche Gehäuse von Bürgern dort positioniert, wo ohnehin langsamer gefahren werden muss. Im aktuellen Fall geschieht dies in einem Bereich mit Tempo 70, um die Präsenz eines echten Messgeräts zu suggerieren und Autofahrer zum Bremsen zu bewegen. Doch selbst wenn das Grundstück privat ist: Kann man sich mit einer solchen Installation nicht dennoch Probleme einhandeln?

Teuer werden könnte es für den Blitzer-Hobbybastler tatsächlich, sobald Schadensersatzforderungen nach einem Crash im Raum stehen: „Inwieweit es zu Ansprüchen kommen kann, wenn aufgrund von solchen Attrappen Unfälle wie Auffahrunfälle entstehen, dazu wären Einzelfallentscheidungen nötig und der zivilrechtliche Weg. Grundsätzlich müssen Autofahrer so fahren, dass sie sich nicht von etwas Unbeweglichem am Wegesrand ablenken lassen und womöglich plötzlich scharf abbremsen“, so die Polizeisprecherin.

Der Appell der Ordnungshüter

Wer am Steuer sitze, müsse sich einfach an das Tempolimit halten, um beim Auftauchen eines echten oder nachgebauten Blitzers besonnen zu reagieren. Zudem müssten Hintermänner die Distanz so bemessen, dass genug Spielraum für eine Reaktion bleibe, falls das vorausfahrende Auto urplötzlich in die Eisen geht – sei es wegen der Mikrowelle oder einer echten Radarfalle.

Quellen

Nordkurier: Täuschend echt, dieser schwarze Kasten bremst Autofahrer, ist aber kein Blitzer

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