Zur Sicherheit von E-Autos kursieren zahlreiche Mythen und Irrglauben. Ein TÜV-Experte erklärt, worauf es bei Elektromotor, Batterie und Laden wirklich ankommt.
das Wichtigste zuerst
- Irrglauben zur E-Auto-Sicherheit: TÜV-Experte Niels Wiemann klärt auf, welche Mythen und Gerüchte rund um die Sicherheit von Elektroautos der Realität entsprechen.
- 1. Keine erhöhte Brandgefahr: E-Autos brennen nicht häufiger als Verbrenner. Nach Unfällen oder Aufsetzern muss der Akku jedoch geprüft werden.
- 2. Gefahrlos laden bei Niederschlag: Technik und Stecker sind wetterfest. Defekte Kabel oder überflutete Fahrzeuge erfordern jedoch Vorsicht.
- 3. Rost an den Bremsen: Weil die Rekuperation die mechanische Bremse schont, bildet sich leicht Rost. Regelmäßiges Bremsen kann Abhilfe schaffen.
- 4. Reifenverschleiß: Das hohe Fahrzeuggewicht belastet die Reifen in Kurven, weshalb auch die Reifenschultern kontrolliert gehören.
- 5. Angepasste Fahrweise: Direkte Beschleunigung und hohes Gewicht verlangen besonders bei Nässe und Glätte vorausschauendes Fahren.

Symbolbild, KI-generiert
Verbrenner versus Elektroauto: Welche Antriebsart ist sicherer?
Lichterlohe Brände, rasches Rosten und Stromschläge an der Ladesäule: Das Netz ist voller Warnungen und Behauptungen rund um das Elektroauto. Doch welche davon entsprechen wirklich der Realität und was gehört ins Reich der Internet-Fabeln? Niels Wiemann, TÜV-Nord-Stationsleiter in Hamm, räumt mit den gängigsten Mythen auf und gibt Antworten auf zentrale Fragen der E-Auto-Sicherheit.
1. E-Autos brennen häufiger
Es handelt sich um die Gretchenfrage für Autofahrer und jene, die es werden wollen: Fahre ich einen Verbrenner oder einen Stromer? Welche der Antriebstechnologien ist sicherer? Im Angesicht der aktuellen Spritpreise ist das Thema für viele so aktuell wie nie zuvor.
Fragt man den TÜV-Nord-Experten Wiemann, so lassen sich jedenfalls keine Hinweise darauf finden, dass Elektroautos häufiger in Brand geraten als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Denn moderne E-Autos schützen ihre Hochvoltbatterie durch fortlaufende Überwachung und stellen so sicher, dass sie immer im vorgesehenen Rahmen arbeitet.
„E-Autos sind nicht grundsätzlich gefährlicher als Verbrenner. Ihre Technik bringt aber Besonderheiten mit sich, die Fahrerinnen und Fahrer kennen sollten. Wer Warnzeichen richtig einordnet und nach einem Schaden genauer hinschaut, kann im Alltag sicher mit seinem Fahrzeug umgehen“, so Wiemann.
Wann man beim Akku genauer hinschauen sollte
In einem Fall sollten E-Auto-Besitzer dennoch hellhörig werden: nämlich dann, wenn es gekracht hat oder der Wagen spürbaren Bodenkontakt hatte. Dann ist ein genauerer Blick auf den Zustand der Batterie geboten. „Von außen lässt sich meist nicht zuverlässig beurteilen, ob die Batterie unbeschädigt geblieben ist. Deshalb sollte sie nach einem Schadensereignis fachkundig geprüft werden“, so die Empfehlung von TÜV-Stationsleiter Wiemann.
2. Bei Niederschlag kann man nicht laden
Die Kombination aus Wasser und Hochvolt mag gefährlich klingen, doch die Angst vor einem Stromschlag bei Schmuddelwetter ist unbegründet. Ladesäulen und Stecker sind absolut wetterfest konstruiert und müssen nach der Norm DIN EN 60529 zertifiziert sein. Vor dem Einstecken sollte man lediglich kurz überprüfen, ob die Kontakte sauber, trocken und unbeschädigt sind. Dreck oder Korrosion könnten sonst den Widerstand erhöhen und den Ladevorgang stören.
Ist ein Kabel tatsächlich beschädigt, sieht die Sache anders aus. Hier braucht es – unabhängig von Wind und Wetter – eine fachgerechte Reparatur oder Ersatz. Defekte Kabel sollten niemals mit Gaffer-Tape oder ähnlichen improvisierten DIY-Hilfsmitteln zusammengeflickt werden.
Zudem sollten Beschädigungen oder Überflutungen an Ladesäulen als klares Stoppsignal verstanden werden. Das gilt ebenso für Autos, die im Hochwasser standen. Da die Batterietechnik oder das 12-Volt-Bordnetz Schaden genommen haben könnten, darf der Wagen keinesfalls gestartet werden, bevor ein Fachbetrieb grünes Licht gibt.
3. E-Autos rosten schneller
An dieser Aussage ist durchaus etwas dran, speziell was die Bremsen angeht. Weil Elektrofahrzeuge beim Verzögern meist rekuperieren, also Energie zurückgewinnen und in den Akku einspeisen, bleiben die mechanischen Bremsen oft ungenutzt.
Das hat jedoch einen Nachteil: Feuchtigkeit setzt sich fest und lässt die Scheiben schneller rosten. Während sich leichter Flugrost beim nächsten Bremsen von selbst erledigt, wird tiefere Korrosion gefährlich. „Ein schleifendes oder unregelmäßiges Geräusch kann ein Hinweis auf stärkere Rostbildung sein, die den Anhalteweg verlängert“, warnt Wiemann. Er rät daher, die mechanische Bremse immer wieder gezielt zu nutzen.
4. Elektroautos haben mehr Reifenverschleiß
Auch diese Behauptung ist nicht vollends von der Hand zu weisen. Tatsächlich setzt das höhere Gewicht vieler Elektrofahrzeuge den Reifen und dem Fahrwerk stärker zu. Obwohl die Konstruktion darauf abgestimmt ist, nutzen sich die Pneus vor allem in Kurven schneller ab. Fachleute wie Wiemann empfehlen daher, beim Check nicht nur das Hauptprofil im Blick zu haben, sondern stets auch die Außenkanten und Reifenschultern genau zu prüfen.
5. Stromer sollten anders gefahren werden als Verbrenner
Mit ihrer sofortigen Kraftentfaltung, dem ungewohnten Verzögerungsverhalten und dem zusätzlichen Gewicht des Akkus verhalten sich Elektroautos anders als Autos mit Verbrennungsmotor und manuellem Schaltgetriebe. Daher könnte man zu Recht behaupten, dass E-Auto-Fahrer ihr Fahrverhalten der Fahrzeugart anpassen sollten. Besonders auf nasser oder glatter Straße sowie in Kurven gilt deshalb: Wer die Eigenheiten des Stromers kennt und vorausschauend reagiert, behält jederzeit die Kontrolle.
Quellen
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