Klimabilanz von E-Autos: Neue Studie heizt die Debatte an

31.08.2026 - 4 min Lesezeit

Laut einer Untersuchung der TU München schaden E-Autos der Umwelt mehr als bislang gedacht. CSU-Chef Markus Söder schlägt Alarm.

das Wichtigste zuerst
  • Neue Datenlage:Laut einer Studie der Technischen Universität München (TUM) reduzieren batterieelektrische Fahrzeuge die CO₂-Belastung gegenüber Verbrennern im Durchschnitt nur um rund 41 Prozent.
  • Kritik an der bisherigen Berechnung:Die alleinige Betrachtung der Emissionen am Auspuff greife bei Elektroautos daher zu kurz.
  • Lebenszyklus entscheidend: Neben dem Betrieb müssten auch Rohstoffgewinnung, Fahrzeug- und Batterieproduktion sowie Recycling berücksichtigt werden.
  • Arbeitsplätze gefährdet:Eine weitere Studie prognostiziert, dass in Europas Autoindustrie bis 2040 Hunderttausende Arbeitsplätze wegfallen könnten.
  • Kurswechsel gefordert:Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verlangt von der EU mehr Technologieoffenheit und eine Abkehr vom starren Verbrenner-Aus.
Klimabilanz von E-Autos: Neue Studie heizt die Debatte an

© RaffMaster / shutterstock.com (Symbolbild)

Sind Elektroautos eine Klima-Mogelpackung?

Mit dem Kauf eines E-Autos kann jeder seinen Beitrag für die Umwelt leisten, da Elektrofahrzeuge keine CO₂-Emissionen produzieren. So bislang das Argument der Befürworter. Eine der Bildzeitung vorab vorliegende Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) legt nun nahe, dass bei der Herstellung eines Elektrofahrzeugs mehr CO₂ anfällt als gedacht.

Laut Angaben der Studienbetreiber reduziere ein batterieelektrisches Fahrzeug die CO₂-Belastung gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner im Durchschnitt lediglich um rund 41 Prozent. Das entspräche zwar noch einem Klimavorteil, aber nicht einer vollständigen Emissionsfreiheit.

Fahrzeugproduktion muss berücksichtigt werden

Bei der Bewertung eines Fahrzeugs, so die Studie, dürfen nicht nur Emissionen in den Blick genommen werden, die während der Fahrt entstehen. Weitere Aspekte wären auch die Herstellung der Fahrzeuge und Batterien, die Gewinnung und Verarbeitung der benötigten Rohstoffe und die spätere Wiederverwertung beziehungsweise das Recycling.

Söder fordert ein Umdenken bei der EU

Die neuen Erkenntnisse dürften Zündstoff für die ohnehin erhitzte Debatte über das geplante Verbrenner-Aus sein. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert von der Europäischen Union (EU) einen grundlegenden Kurswechsel: „Einmal mehr wird klar: Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft.“

Seiner Ansicht nach sollten nicht einzelne Antriebstechnologien politisch vorgeschrieben werden. Stattdessen müsse die Transformation des Verkehrs stärker auf Technologieoffenheit setzen. Dabei gehe es auch um die Bedeutung der Automobilindustrie für Deutschland und Europa: „Wir dürfen unsere wichtigste Industrie nicht immer weiter selbst schwächen. Kommission und Parlament müssen ein klares Signal setzen: Ja zum Auto!“

Wie viele Arbeitsplätze könnten betroffen sein?

Die zunehmende Schwächung der Autoindustrie auf europäischem Boden geht auch aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hervor. Demnach könnten bis 2040 europaweit rund 726.000 von derzeit etwa 1,6 Millionen Arbeitsplätzen und eine Wertschöpfung in Höhe von 95 Milliarden Euro in diesem Sektor wegfallen. Ein erheblicher Teil dieses Stellenabbaus könnte demnach bereits bis 2035 erfolgen, also genau das Jahr, in dem die EU nur noch in sehr begrenztem Umfang neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zulassen will.

Was sagt die Autoindustrie?

Auch der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) bezieht eindeutig Stellung. So sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Gespräch mit BILD, dass es nun darauf ankomme, dass „Brüssel anerkennt, dass dieser Mix auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität der zielführende Weg ist – und nicht die Festlegung auf eine Option“.

Auch Vertreter der CDU/CSU im EU-Parlament sehen in der neuen Studie eine Bestätigung ihrer bisherigen Position. Sie sprechen sich für eine Betrachtung der gesamten Fahrzeuglebensdauer und gegen eine alleinige Bewertung anhand der Auspuffemissionen aus.

Fazit

E-Autos verursachen während der Fahrt keine direkten Auspuffemissionen, sind über ihren gesamten Lebenszyklus aber nicht vollständig CO₂-frei. Auch die Produktion von Fahrzeug und Batterie sowie Rohstoffgewinnung und Recycling sind Faktoren, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Die neue TUM-Studie dürfte deshalb die Diskussion über die europäische Verkehrspolitik weiter verschärfen. Gleichzeitig steht die Zukunft der europäischen Autoindustrie auf dem Spiel. Gefordert wird vor allem mehr Technologieoffenheit, damit unterschiedliche Antriebe und technische Lösungen ihren Beitrag zur klimafreundlicheren Mobilität leisten können.

Stand: 31.08.2026

Quellen

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