In zwei Landkreisen von Schleswig-Holstein konnten Bürger der Polizei via Facebook konkrete Orte für Geschwindigkeitskontrollen vorschlagen.
das Wichtigste zuerst
- Bürger entscheiden mit:Die Polizei hat Bewohner aus Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg um Vorschläge für Orte gebeten, an denen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden sollen.
- Vorschläge über Facebook:Nutzer hatten die Möglichkeit, konkrete Standorte, den Zeitpunkt und eine Begründung anzugeben.
- Blitzer-Voting:Nach der Einreichungsphase konnten die Bürger über die vorgeschlagenen Orte abstimmen.
- Bereits mehr als 200 Kommentare:Der Aufruf der Polizei stieß innerhalb weniger Tage auf große Resonanz.

© Ingrid Balabanova / shutterstock.com (Symbolbild)
Warum ließ die Polizei Bürger über Blitzer abstimmen?
An welchen Standorten wäre ein Blitzer zur Verkehrsüberwachung sinnvoll? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, bat die Polizeidirektion Ratzeburg in zwei Landkreisen von Schleswig-Holstein ihre Bürger um Mithilfe. So durften die Bewohner aus Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg über die Social-Media-Plattform Facebook Orte vorschlagen, an denen ihrer Meinung nach Geschwindigkeitskontrollen notwendig seien.
Die Aktion lief vom 25. bis 28. August. Neben dem konkreten Ort sollten die Teilnehmer auch eine geeignete Uhrzeit und plausible Begründungen für den Blitzer-Standort angeben. Anschließend konnte bis zum 30. August über die Vorschläge abgestimmt werden. Laut Polizeiangaben waren bis Donnerstagmorgen bereits mehr als 200 Kommentare zu dem Aufruf eingegangen.
Die erste ihrer Art ist eine solche Bürgerpartizipation allerdings nicht. Eine ähnliche Aktion führte die Polizei in Flensburg bereits im Juni dieses Jahres durch. Auch hier war die Resonanz mit insgesamt rund 600 Bürgerkommentaren aus Sicht der Behörden erfreulich hoch.
Gelebte Demokratie: Mitbestimmungsrecht bei Blitzerfragen
Viele Orte sind uns schon bekannt, bei uns gelistet und werden regelmäßig bedient – aber es gibt immer Problemstellen, von denen wir noch nichts wissen“, erklärt die Polizeisprecherin Sophie-Marie Jakobi im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost.
Aber auch wenn ein Standort besonders viele Stimmen erhält, bedeutet das nicht automatisch, dass dort anschließend ein Blitzer aufgestellt wird. Die Polizei will zunächst prüfen, ob der ausgewählte Ort überhaupt für eine Geschwindigkeitsmessung geeignet ist. Technische oder sicherheitsrelevante Gründe können gegen einen Standort sprechen. In diesem Fall soll der zweitplatzierte Vorschlag geprüft werden.
Wann entscheidet die Polizei über die Standorte?
Die Auswertung der Kommentare und Likes soll nach Abschluss der Aktion erfolgen. Anschließend will die Polizei entscheiden, welche Messung an dem ausgewählten Standort sinnvoll ist. Die Aktion ersetzt die bisherigen Kontrollen der Polizei nicht. Viele bekannte Stellen, so Jakobi, wären bereits erfasst und würden regelmäßig kontrolliert. Mit der Bürgeraktion sollen vielmehr zusätzliche Hinweise gewonnen werden. Dadurch könnten Orte sichtbar werden, an denen bislang keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen.
Fazit
Die Polizei in Norddeutschland geht bei der Suche nach möglichen neuen Kontrollstellen einen ungewöhnlichen Weg: Bürger können selbst Vorschläge machen und darüber abstimmen, wo Geschwindigkeitskontrollen sinnvoll sein könnten. Ob ein vorgeschlagener Standort tatsächlich für eine Messung ausgewählt wird, hängt allerdings nicht allein vom Abstimmungsergebnis ab. Die Behörden müssen zuvor prüfen, ob die Voraussetzungen vor Ort dafür gegeben sind.
Stand: 28.08.2026
Quellen
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