Aggressivität im Straßenverkehr: Darum wird es auf Deutschlands Straßen immer ungemütlicher

18.08.2026 - 5 min Lesezeit

Laut einer aktuellen Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) leidet das Miteinander der Verkehrsteilnehmer in Deutschland unter einer zunehmenden Aggressivität.

das Wichtigste zuerst
  • Dicke Luft auf Deutschlands Straßen: Laut einer aktuellen GDV-Langzeitstudie verschlechtert sich das Klima im Straßenverkehr in Deutschland seit zehn Jahren stetig. Fast die Hälfte der Autofahrenden drängelt, knapp ein Drittel schneidet andere beim Einscheren.
  • Verzerrte Wahrnehmung: Bei vielen Verkehrsteilnehmern klaffen Selbst- und Fremdbild stark auseinander. Während eigene Regelverstöße verharmlost werden, werden die Fehler anderer glasklar wahrgenommen.
  • Ablenkung durch Smartphones: Jeder vierte Autofahrende tippt während der Fahrt Nachrichten, jeder fünfte nutzt soziale Medien.
  • Forderung nach Kontrollen: Der GDV bewertet den aktuellen Kontrolldruck als zu gering sowie bestehende Sanktionen als mild und plädiert daher für strengere Strafen sowie mehr Polizeipräsenz.
  • Zustimmung zur Verschärfung: Eine große Mehrheit der Befragten befürwortet strengere Regeln, darunter die Null-Promille-Grenze am Steuer (74 %) und Tempo 130 auf Autobahnen (60 %).
Aggressivität im Straßenverkehr: Darum wird es auf Deutschlands Straßen immer ungemütlicher

© n_defender / shutterstock.com (Symbolbild)

GDV-Studie: Aggressivität auf den Straßen wächst seit zehn Jahren

Das Klima im deutschen Straßenverkehr wird immer rauer und das schon seit etwa zehn Jahren. So lassen sich die Ergebnisse einer aktuellen Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zusammenfassen. Demnach haben sich im Beobachtungszeitraum nahezu alle erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten zum Schlechteren verändert.

Laut der Leiterin der GDV-Unfallforschung, Kirstin Zeidler, müsse sich „jeder zweite Autofahrende sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“. Fast die Hälfte der Autofahrer gab an, zu drängeln, wenn es nicht schnell genug vorangeht. Knapp ein Drittel schneidet zudem andere Fahrzeuge nach dem Überholen so eng ab, dass diese bremsen müssen.

Der blinde Fleck der Verkehrsteilnehmer

„Es ist verantwortungslos, aus Wut oder um schneller ans Ziel zu kommen, die Gesundheit oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, so Unfallforscherin Zeidler. Vielen fehle es an der nötigen Fähigkeit zur Selbstkritik. So antworteten 92 Prozent der befragten Autofahrer, dass sie Radfahrer besonders vorsichtig überholen. Zugleich gaben 86 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass es die anderen sind, die den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen hier deutlich auseinander.

Ein Effekt, der auch die Radfahrer selbst betrifft. Einerseits geben nur 48 Prozent von ihnen zu, Autos hin und wieder links zu überholen oder sich durch den Verkehr zu schlängeln. Andererseits sind es 83 Prozent der Befragten insgesamt, die dieses Verhalten bei anderen Fahrradfahrern beobachten.

Ablenkung am Steuer: Jeder Vierte tippt beim Fahren Nachrichten

Nach Einschätzung von Kirstin Zeidler sind es die permanente Erreichbarkeit via Smartphone und die Hektik eines immer schneller werdenden Alltags, die zu dem Stimmungsabschwung beigetragen haben. Dies spiegele sich auch in der Handynutzung wider: So schreibt jeder vierte Autofahrer laut der Umfrage während der Fahrt Nachrichten, jeder fünfte scrollt währenddessen durch die sozialen Medien. „Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen“, so das ernüchternde Fazit der GDV-Forscherin.

GDV fordert mehr Polizeikontrollen und härtere Strafen

Doch welche politischen Lösungswege wären aus Sicht des GDV geeignet, um die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr einzudämmen? Laut den Unfallforschern erfordert das aggressive Klima auf den Straßen neue Sicherheitsansätze. Viele Verkehrsteilnehmer erleben Polizeikontrollen derzeit als Seltenheit und bewerten bestehende Sanktionen als zu mild. Um dem entgegenzuwirken, fordert der Verband eine konsequentere Überwachung des Verkehrs und spürbar härtere Konsequenzen bei Verstößen.

Mehrheit der Umfrageteilnehmer für Tempolimit und null Toleranz bei Alkohol

Je nach Verstoß stimmen die Umfrageteilnehmer selbst einer solchen Verschärfung zu. Demnach fordert eine deutliche Mehrheit von 74 Prozent die Null-Promille-Grenze im Autoverkehr. Für Radfahrer befürworten rund 72 Prozent einen Grenzwert von 1,1 Promille. Auch beim Thema Höchstgeschwindigkeiten zeigen sich viele Befragte aufgeschlossen: Sechs von zehn Befragten unterstützen ein allgemeines Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen, 53 Prozent befürworten ein Limit von 80 km/h auf Landstraßen und knapp 43 Prozent sind für Tempo 30 in Städten.

Repräsentative Langzeit-Online-Studie

Der GDV stützt seine Ergebnisse auf eine repräsentative Online-Umfrage, die seit 2008 regelmäßig von den Unfallforschern durchgeführt wird. Für die aktuelle Erhebung wurden im Zeitraum März bis April 2026 rund 2.000 Erwachsene aus Deutschland befragt. Um eine repräsentative Datenbasis zu gewährleisten, flossen Merkmale wie Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Führerscheinbesitz und die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel gewichtet in die Auswertung ein.

Quellen

Weitere News!