Zu blöd zum Blitzen? Falsch aufgestellte Radarfalle aus Solingen geht viral

08.07.2026 - 4 min Lesezeit

Millionenfach geklickt und heiß diskutiert: Ein angeblicher Patzer beim Aufstellen eines Solinger Blitzers entpuppt sich als Missverständnis.

das Wichtigste zuerst
    • Virale Radarfalle: Das Video eines scheinbar falsch herum aufgestellten Blitzers in Solingen wurde im Netz über drei Millionen Mal geklickt und erntete heftigen Spott.
    • Bewusste Maßnahme: Was wie ein Behördenfehler wirkte, war Absicht: Das Gerät stand in einer temporären Einbahnstraße, um gezielt Geisterfahrer und regelwidrige E-Scooter- sowie Radfahrer zu erfassen.
    • Reaktion aus dem Rathaus: Aufgrund des enormen Online-Drucks schaltete sich der Oberbürgermeister persönlich ein, woraufhin die Stadt ein digitales Erklärvideo mit dem Blitzer als Hauptdarsteller produzierte.
    • Zurück im Regelbetrieb: Mittlerweile überwacht die Radarfalle wieder wie gewohnt das vorgeschriebene Tempo 30.
Blitzer, der in Solingen entgegen der Fahrtrichtung aufgestellt wurde.

© (Symbolbild) – KI generiert.

Viraler Spott über Solinger Radarfalle

Wer in einer Einbahnstraße einen Blitzer aufstellt, der entgegen der Fahrtrichtung blitzt, erntet erst einmal Hohn. Genau das ist gerade der Stadt Solingen passiert, deren Radarfalle im Netz als vermeintlicher Schildbürgerstreich verspottet wird. Doch der vermeintliche Logikfehler der Verwaltung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kalkulierte Maßnahme. Da in dieser Straße regelmäßig Autofahrer verbotenerweise entgegen der Fahrtrichtung abkürzen, wehrt sich die Stadt nun gegen die Häme und rechtfertigt die ungewöhnliche Positionierung des Blitzers.

Millionen Klicks im Netz: Oberbürgermeister schaltet sich ein

Die Aufnahmen der Radarfalle in der Einbahnstraße lösten im Netz eine regelrechte Lawine an spöttischen Kommentaren aus. Das Video wurde mehr als drei Millionen Mal geklickt. Durch diese enorme Dynamik geriet die Verwaltung so sehr unter Druck, dass die Angelegenheit ganz oben auf der Tagesordnung im Rathaus landete.

„Das ist unserem Oberbürgermeister gestern aufgefallen. Der hat mich dann sofort angerufen und gesagt: ‚Mensch, da müssen wir was machen. Kann doch nicht sein, dass immer nur vorgeworfen wird, die Stadt, die kriegt nichts auf die Kette“, erklärt Tobias Kollig von der Stadt Solingen.

Die Reaktion der Verantwortlichen ließ nicht lange auf sich warten: In Form eines Videos folgte eine digitale Klarstellung auf den Social-Media-Kanälen der Stadt. Als Hauptdarsteller fungierte dabei der umstrittene Blitzer selbst, während ein städtischer Techniker gemeinsam mit dem stadteigenen PR-Team für die Produktion des Beitrags verantwortlich war.

Warum die Stadt Solingen einen Blitzer falsch herum aufstellt

Angesichts des wachsenden Drucks aus dem Netz sah man sich im Rathaus offenbar zu einer schnellen Rechtfertigung gezwungen. Tobias Kollig betont jedoch, dass in Solingen keineswegs planlos gehandelt wurde und das Gerät ganz bewusst in dieser ungewöhnlichen Position stand. Der Hintergrund ist eine aktuelle Baustelle, wegen der die Straße vorübergehend als Einbahnstraße ausgewiesen ist.

Der Blitzer nahm somit gezielt jene Verkehrsteilnehmer ins Visier, die verbotenerweise entgegen der Fahrtrichtung unterwegs waren – darunter auch zahlreiche E-Scooter und Radfahrer. Um wie viele Verstöße es sich dabei exakt handelt, möchte die Stadt durch diese Maßnahme ebenfalls ermitteln.

Zurück im Normalbetrieb: Blitzer überwacht wieder Tempo 30

Mittlerweile steht die Messanlage wieder in der üblichen Position, um das vorgeschriebene Tempo 30 zu überwachen. Dass dort regelmäßig zu schnell gefahren wird, ließ sich direkt beobachten, da der Blitzer noch während des Aufenthalts einer WDR-Reporterin zweimal hintereinander auslöste. Parallel dazu stellte das Filmteam der Stadt am Nachmittag seine eigene Videoproduktion fertig, sodass der angekündigte Clip über den viralen Blitzer online ging.

Falsch herum geblitzt: Sind die Bußgeldbescheide überhaupt gültig?

Technisch gesehen stellt der Betrieb in umgekehrter Richtung kein Problem dar, da die Fahrtrichtung für moderne Blitzer physikalisch irrelevant ist. Solange der Winkel stimmt, misst der Sensor präzise. Rechtlich sieht es bei den Bußgeldern hingegen komplizierter aus: Ein Bescheid für das reine Falschfahren entgegen der Einbahnstraße ist als digitaler Beweis absolut gültig und kaum anfechtbar.

Wurde man allerdings zusätzlich wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt, stehen die Chancen für einen erfolgreichen Einspruch sehr gut, da der ungewöhnliche Messaufbau und das dazugehörige Messprotokoll vor Gericht anfällig für formale Fehler sind.

Quellen

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