Jährliche Hauptuntersuchung: Warum das EU-Vorhaben wohl vom Tisch ist

22.05.2026 - 5 min Lesezeit
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HU-Pläne vor dem Aus: Das EU-Vorhaben, die zweijährige Hauptuntersuchung für über zehn Jahre alte Pkw auf ein Jahr zu verkürzen, ist nun auch im EU-Parlament gescheitert.
Millionen Autos betroffen: In Deutschland wäre fast die Hälfte aller zugelassenen Pkw (rund 23,4 Millionen Fahrzeuge) von der Neuregelung betroffen gewesen.
Wissenschaftlich widerlegt: Eine Studie der TU Dresden belegt, dass kürzere Prüfintervalle die Verkehrssicherheit nicht nachweisbar erhöhen, da technische Mängel selten die Ursache für schwere Unfälle sind.
Fokus auf moderne Technik: Die Hauptuntersuchung konzentriert sich heute bereits verstärkt auf digitale Diagnostik, Fahrassistenzsysteme sowie strengere Abgasmessungen wie die Partikelzählung.
Restliches EU-Paket bleibt: Während die jährliche HU-Pflicht als extrem unwahrscheinlich gilt, verhandeln Rat, Parlament und Kommission im Trilog-Verfahren weiterhin über einheitliche Prüfstandards für Assistenzsysteme und Maßnahmen gegen Tachomanipulation.
Regelung in Deutschland: Für Autofahrer hierzulande bleibt es beim gewohnten Rhythmus: Die erste HU steht nach drei Jahren an, danach müssen Pkw unabhängig von ihrem Alter alle zwei Jahre zur Überprüfung.

© Hananeko_Studio / shutterstock.com (Symbolbild)

Gegenwind für die Pläne der EU-Kommission

Die geplante jährliche HU-Pflicht für ältere Pkw ist wohl hinfällig, nachdem die von der EU-Kommission und den Prüfkonzernen vorgebrachten Argumente auf parlamentarischen Widerstand gestoßen sind.

Die EU-Kommission hatte kürzere Prüfintervalle laut eigener Aussage ins Spiel gebracht, um dadurch die allgemeine Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Zahl der Unfallopfer im Straßenverkehr zu senken. Der Vorschlag hätte Besitzer älterer Autos, deren Erstzulassung mehr als zehn Jahre zurückliegt, betroffen. Das entspricht laut dem ADAC hierzulande über 23,4 Millionen Pkw, womit fast die Hälfte des Gesamtbestands (47,1 Prozent) unter die Neuregelung gefallen wäre.

Ob dadurch tatsächlich weniger Unfälle zu erwarten wären, ist allerdings umstritten, da technische Mängel laut Experten nur selten die Ursache für schwere Kollisionen sind. Für die Prüfkonzerne wäre die jährliche HU ein lukratives Zusatzgeschäft gewesen. Mehr Prüfungen hätten vor allem ihre Einnahmen gesteigert.

EU-Parlament lehnt jährliche HU für ältere Pkw ab

Nachdem der Rat der EU bereits Ende letzten Jahres sein Veto eingelegt hatte, ist nun das Europäische Parlament mit einer klaren Absage gefolgt. Bei der Abstimmung über die Hauptuntersuchung wiesen die Abgeordneten den Plan der Kommission ab, die zweijährige Prüfpflicht für über zehn Jahre alte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu halbieren.

Eingebracht wurde dieser Vorschlag im Rahmen des sogenannten „Roadworthiness Package“ (Paket zur Verkehrssicherheit), das die EU-Kommission im April 2025 präsentiert hatte. Neben den aktuell abgewendeten Pflichtuntersuchungen für ältere Autos und Transporter beinhaltet dieses Paket weitere Zielsetzungen für sicherere Straßen und sauberere Luft, darunter strengere Emissionsmessungen, modernere Fahrzeugdokumente und angepasste Prüfungen für Elektrofahrzeuge sowie Fahrassistenzsysteme.

ADAC-Studie der TU Dresden: Engere Prüfintervalle ohne messbaren Effekt

Unterstützung für diesen Kurs kommt aus der Praxis und der Wissenschaft: Der ADAC hält das Abstimmungsergebnis für ein richtiges Signal und hat die Pläne in der Vergangenheit bereits mehrfach als unverhältnismäßig kritisiert.
Wie überflüssig eine jährliche Kontrolle wäre, zeigt zudem eine frühere Studie der TU Dresden (Verkehrsunfallforschung) im Auftrag des Clubs. Sie belegt, dass engere Prüfintervalle die Sicherheit auf den Straßen nicht nachweisbar erhöhen. Durch das aktuelle, gründliche Inspektionssystem ist die Quote technischer Mängel hierzulande sehr niedrig, und im Ernstfall spielen diese Defekte bei Unfällen kaum eine Rolle.

Fahrzeugprüfung im Wandel: Digitale Diagnose statt Handarbeit

Ohnehin deckt die technische Überprüfung durch die moderne Fahrzeugtechnik inzwischen deutlich mehr (digitale) Bereiche ab als früher. Die Prüfer konzentrieren sich heute verstärkt auf Fahrassistenzsysteme, E-Autos und das Auslesen digitaler Fehlerspeicher. Parallel dazu verschärfen sich die Umweltauflagen, unter anderem durch das Comeback der direkten Endrohrmessung sowie das neuere Verfahren zur Partikelzählung bei Euro-6-Dieselmotoren ab Mitte 2023.

Wie es jetzt weitergeht

Nach der Entscheidung des Parlaments startet nun das sogenannte Trilog-Verfahren. In diesen Dreier-Verhandlungen müssen sich die Vertreter von Rat, Parlament und Kommission an einen Tisch setzen, um einen gemeinsamen Kompromiss für das Gesetz auszuhandeln. Dass die jährliche Prüfung doch noch kommt, gilt als nahezu ausgeschlossen, da sich Rat und Parlament bereits einheitlich gegen das Vorhaben ausgesprochen haben.

Welche Pläne weiterhin auf der Prüf-Agenda der EU stehen

Dies bedeutet allerdings nicht das Ende des gesamten EU-Gesetzespakets. Der Verkehrsausschuss befürwortet weiterhin den Plan, EU-weit einheitliche Standards etwa für die Überprüfung von Airbags oder Notbremsassistenten festzulegen. Auch verbindliche Vorgaben zur Bekämpfung von Tachomanipulationen stehen weiterhin auf der Agenda.

Für Pkw in Deutschland gilt grundsätzlich ein Prüfintervall von zwei Jahren – unabhängig von deren Alter. Lediglich bei Neuwagen steht die erste Hauptuntersuchung nach drei Jahren an. Ist der Termin überzogen und der Wagen wird kontrolliert, droht ein Bußgeld. Im EU-Ausland gilt oft ein strengerer Takt: Dort ist die jährliche Untersuchung für ältere Wagen in vielen Ländern bereits vorgeschrieben.

Quellen

ADAC: Jährliche HU: EU scheitert wohl mit TÜV-Plänen für ältere Autos

Europäische Kommission: Questions and answers on the revision of the roadworthiness package

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