Unbekannte Klima-Aktivisten haben in Hamburg über Nacht die Luft aus dutzenden SUV-Reifen gelassen. Dafür waren nur einige winzige Hülsenfrüchte nötig.
das Wichtigste zuerst
- Reifenvandalismus in Hamburg: Klima-Aktivisten legten in Winterhude und an der Alster zahlreiche SUVs durch gezielte Reifenmanipulation lahm.
- Listige Linsen-Methode: Die Täter steckten Linsen in die Ventilkappen zahlreicher SUVs, um die Luft von außen unsichtbar aus den Reifen entweichen zu lassen.
- Erhöhte Unfallgefahr: Bereits ein geringer Druckverlust verschlechtert Bremsweg und Kurvenlage. Bei hohem Tempo drohen Reifenplatzer.
- Behördliche Reifensabotage: Kommunen wie Zittau setzen sogenannte Ventilwächter ein, um Forderungen bei Schuldnern einzutreiben.
- Präventionsmaßnahmen: Vor der Fahrt empfiehlt sich eine Sichtprüfung der Ventile. Der ADAC rät zur Reifendruckkontrolle im Zweiwochentakt.

© Elena Berd / shutterstock.com (Symbolbild)
Klima-Saboteure in Hamburg manipulieren SUVs
Ein Plattfuß am Wagen ist für Autofahrer die Spaßbremse schlechthin. Man kommt wie gewohnt an sein Fahrzeug und will einfach nur zur Arbeit oder zum Sport losfahren, doch Pustekuchen: Jetzt geht erst einmal gar nichts. Einfach weiterzufahren, wäre mindestens fahrlässig, wenn nicht sogar gefährlich. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn es nicht nur ein Kfz ist, sondern sämtliche Reifen auch der Fahrzeuge des Nachbarn und anderer sabotiert wurden – aus purem Hass auf Autos.
Genau eine solche Aktion hat sich in Hamburg ereignet. Zahlreiche SUVs, ein beliebtes Ziel von Auto-Gegnern, wurden von ihren Besitzern an der Alster und in Winterhude ohne Luft im Reifen vorgefunden. Fahruntüchtig gemacht wurden sie vom sogenannten „Widerstands-Kollektiv“, das sich anschließend zu den Taten bekannte.
Listiger Linsentrick nimmt Unfälle in Kauf
Das Vorgehen der Reifen-Saboteure ist Recherchen des NDR zufolge simpel, aber wirkungsvoll. Laut der Aktivistengruppe wurden kleine Linsen in den Ventilkappen der Geländewagen platziert. Beim Wiederaufschrauben drückt die Hülsenfrucht auf den Ventilstift, sodass die Luft aus dem Pneu entweichen kann. Die Methode nimmt in Kauf, dass Betroffene die Manipulation mit bloßem Auge nicht bemerken, da das Ventil von außen wie gewohnt aufsitzt. Zwar ließ die Gruppe bei ihren Taten kleine Bekennernotizen an den Autos zurück, doch ob das die Risiken einer Fahrt mit plattem Reifen relativiert, ist mindestens fraglich.
Erhöhtes Unfallrisiko: So gefährlich sind platte Reifen
Denn mit einem kaputten Reifen loszufahren – und das auch noch unbemerkt – ist keine Kleinigkeit. Laut dem ADAC können bereits Reifendruckdefizite von 0,5 bar das Fahrverhalten eines Kraftfahrzeugs negativ beeinflussen, insbesondere was den Bremsweg und das Kurvenfahren betrifft. Schwerwiegendere Reifenschäden drohen zudem, wenn der Wagen in diesem nicht verkehrssicheren Zustand mit hohen Geschwindigkeiten gefahren wird. Dann ist auch das Zerplatzen des Reifens möglich.
Auch Behörden sabotieren Reifen
Manipulationen an Kraftfahrzeugen, genauer gesagt am Ventil, sind kurioserweise kein reines Phänomen übers Ziel hinausschießender Klima-Aktivisten. Auch die Behörden in Deutschland wenden ähnliche Methoden an. So setzte die Stadt Zittau beispielsweise sogenannte Ventilwächter ein, um offenen Forderungen bei säumigen Schuldnern mehr (oder eben weniger) Nachdruck zu verleihen.
Die Aufsätze lassen die Luft beim Anfahren schleichend entweichen und machen das Fahrzeug erst nach einigen hundert Metern fahruntüchtig. Zwar werden an den manipulierten Kfz Siegel und Warnhinweise angebracht, doch das Losfahren ohne Kenntnis des Mangels wird auch hier in Kauf genommen.
Schutz vor Manipulation: Kontrollgang vor der Fahrt
Wer den Verdacht hegt, dass sein Auto Opfer einer Sabotageaktion staatlicher oder nicht staatlicher Akteure geworden sein könnte, sollte laut Autobild.de einen Kontrollgang einplanen. Zeigen die Ventile dabei irgendwelche Auffälligkeiten, sollte das Kfz bis auf Weiteres stehen bleiben. Um ganz sicherzugehen, kann anschließend der Reifendruck nachgemessen werden. Die genauen Sollwerte für das jeweilige Fahrzeug lassen sich in der Regel am Tankdeckel, im Handschuhfach oder nach einem Blick ins Handbuch ermitteln.
Unabhängig von externen Einflüssen empfiehlt der ADAC grundsätzlich, alle zwei Wochen den Reifendruck zu überprüfen. Auch wenn das nach einem engen Prüfintervall klingt, ist der Nutzen für die Verkehrssicherheit nicht von der Hand zu weisen. Das untermauern auch Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach gehen jedes Jahr rund 1.000 Unfälle auf das Konto technischer Mängel bei der Bereifung.
Quellen
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