In der Nacht zum 1. Oktober ist der neue Tankrabatt in Kraft getreten. Ob der Preisnachlass auch vollständig bei Autofahrern ankommt, ist allerdings fraglich.
das Wichtigste zuerst
- Neuer Tankrabatt gestartet: Der staatliche Nachlass gilt bis Ende Dezember und soll Autofahrer schnell entlasten.
- Erste Preisrückgänge: Zum Start fielen die Durchschnittspreise um zehn bis elf Cent. E10 rutschte in vielen Regionen wieder unter die Zwei-Euro-Marke.
- Regionale Unterschiede: Städte wie München oder Berlin verzeichnen spürbare Abschläge, während der Preisrückgang in Hamburg oder Köln deutlich geringer ausfällt.
- Kritik an der Weitergabe: Etwa ein Drittel des theoretischen Rabatts ist bereits verpufft. Experten und Früherfahrungen bezweifeln eine vollständige Weitergabe an die Verbraucher.
- Geringe Gesamtersparnis: Modellrechnungen zeigen für den Dreimonatszeitraum lediglich eine Entlastung von etwa 30 Euro (Benzin) bis 44 Euro (Diesel).

© Bartolomiej Pietrzyk
/ shutterstock.com (Symbolbild)
Der Tankrabatt geht in die dritte Runde
Der Tankrabatt gilt vielen als schnelle Finanzspritze für Autofahrer. Tatsächlich ist es bereits das dritte Mal in etwa vier Jahren, dass die Bundesregierung Entlastungen in Form eines Preisnachlasses beim Sprit gewährt. Das liegt vor allem an den Rohölpreisen, die sich infolge der Kriege in Europa und Nahost mittlerweile jenseits von Gut und Böse befinden.
Die staatlich regulierte Preisminderung gilt seit Mitternacht und endet zum Jahresende. Sie setzt jedoch nicht direkt an der Zapfsäule an, sondern bereits bei der Spritlieferung, bei der genau 14,04 Cent Energiesteuer pro Liter weniger erhoben werden. Zusammen mit dem daraus resultierenden Mehrwertsteuereffekt ergibt sich auf dem Papier ein Abzug von 16,7 Cent.
Preise fallen, Super E10 wieder unter 2 Euro
Doch wie hilfreich ist es wirklich, wenn der Staat am Spritpreis dreht und wie viel davon kommt am Ende des Tages im Portemonnaie von Autofahrern an? Die gute Nachricht des Tages lautet immerhin: Zum Start hat die Maßnahme vielerorts die Preise nachvollziehbar sinken lassen.
Schaut man sich etwa die Zahlen des Spritpreisportals „Tankerkönig“ an, so sieht man, dass die deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23:41 Uhr und 00:41 Uhr um etwa zehn bis elf Cent gefallen sind. Selbst zur morgendlichen Rushhour hielt dieser Effekt an: Tanken blieb rund 10 Cent billiger im Vergleich zum Vortag.
Auch das Spritpreisportal des ADAC zeigt eine spürbare Entlastung: Super E10 kostete an etlichen Zapfsäulen wieder weniger als zwei Euro. Dabei werden aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Regionen und Großstädten sichtbar. Während Autofahrer in München, Stuttgart, Leipzig oder Berlin vergleichsweise günstige Tankstellen ansteuern konnten, ist der Nachlass in Hamburg und Köln deutlich geringer ausgefallen.
Ein Drittel des Rabatts ist schon verpufft
Können Autofahrer angesichts der fallenden Spritpreise nun wieder jubeln? Eher nicht, denn ein Blick auf die Zahlen offenbart eine deutliche Lücke. Die theoretische Gesamtentlastung liegt bei 16,7 Cent pro Liter, der tatsächliche Preisrückgang an der Zapfsäule jedoch nur bei zehn bis elf Cent. Somit ist bereits auf den ersten Metern etwa ein Drittel des staatlichen Nachlasses verpufft, bevor er bei den Verbrauchern ankommen konnte.
Darüber hinaus sind auch die mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Subvention strittig. Schon beim zweimonatigen Nachlass im Mai und Juni bemängelten beispielsweise das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt, dass der Rabatt nicht vollständig an die Kunden weitergegeben wurde. Die Mineralölbranche weist das zurück. Daten des ADAC belegen jedoch: Bei den vorherigen Runden kletterten die Preise schon nach wenigen Tagen wieder nach oben.
Reale Ersparnis: 30 bis 44 Euro in drei Monaten
Um zu zeigen, wie viel Autofahrer mit dem Tankrabatt tatsächlich sparen können, hat tagesschau.de eine Modellrechnung erstellt. Demnach bleibt die reale Ersparnis überschaubar, selbst wenn die vollen 16,7 Cent Ersparnis direkt beim Kunden ankommen. Ein Diesel mit einer Jahresleistung von 15.000 Kilometern und einem Verbrauch von sieben Litern spart in drei Monaten gerade einmal knapp 44 Euro. Bei einem Benziner mit 9.000 Kilometern Jahresleistung und einem Verbrauch von acht Litern bleiben im selben Zeitraum sogar nur rund 30 Euro mehr im Portemonnaie.
Die aktuellen Kraftstoffpreise lassen sich übrigens mithilfe von Vergleichs-Apps in Echtzeit prüfen. Dafür nutzen Portale wie clever-tanken.de, ADAC Drive, Tankerkönig, Mehr Tanken oder Google Maps dieselbe offizielle Datenbasis der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt.
Fazit
Unterm Strich erweist sich der Tankrabatt – wieder einmal – als begrenzte Sofortmaßnahme mit spürbaren Streuverlusten. Offiziell entlastet der Staat mit 16,7 Cent pro Liter, an den Tankstellen kommen nur rund zehn bis elf Cent an. Die reale Ersparnis bleibt somit für Autofahrer nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, solange Kriege und Lieferunsicherheiten die Rohölpreise weiter hochtreiben. Zudem ist zu erwarten, dass die Kraftstoffpreise in den nächsten Tagen wieder ansteigen.
Quellen
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