Ein Blitzer auf der italienischen Fernstraße Paullese erfasste in nur zehn Wochen knapp 32.000 Tempoverstöße. Das entspricht einem Bußgeldvolumen von über drei Millionen Euro.
das Wichtigste zuerst
- Italiens Rekordblitzer: Der neue Blitzer auf der Schnellstraße Paullese (SS415) hat in den ersten zehn Wochen fast 32.000 Verstöße registriert, was potentiellen Bußgeldeinnahmen von 3 Millionen Euro entspricht.
- Tägliche Ausbeute: Mit rund 450 Erfassungen und knapp 44.000 Euro Bußgeld pro Tag zählt die Anlage in der Provinz Cremona zu den lukrativsten Italiens.
- Viele leichte Verstöße: Mehr als 20.000 Fahrer waren maximal 10 km/h zu schnell. Der Höchstwert unter allen Temposündern lag bei über 170 km/h.
- Behördenstreit: Die Einnahmen gehen komplett an die Provinz Cremona, was der betroffenen Anwohner-Gemeinde Spino d’Adda missfällt und zu einem Streit geführt hat.
- Städtevergleich: In der kurzen Laufzeit brachte der Blitzer in Spino d’Adda bereits mehr Geld ein als alle Blitzer der Hauptstadt Rom im Jahr 2025 zusammen (ca. 2,3 Mio. Euro).

© MikeDotta / shutterstock.com (Symbolbild)
Immer wieder Blitzer-Streit im Stiefelstaat
In Italien gibt es immer wieder Streit um die Verkehrsüberwachung durch Blitzer. Das Land verzeichnet europaweit die höchste Dichte an Messgeräten, was regelmäßig Proteste in der Bevölkerung und juristischen Streit über die Rechtmäßigkeit von Bußgeldbescheiden auslöst. Zwischen aufsehenerregenden Sabotageakten („Fleximan“) und strengeren staatlichen Vorgaben für Standorte und Zertifizierungen (hunderte Blitzer mussten deshalb im Juli deaktiviert werden) stehen die sogenannten „Autovelox“ im Dauerfeuer der Kritik.
44.000 Euro pro Tag: Der schnelle Aufstieg des Paullese-Blitzers
Eine besonders „ergiebige“ Anlage ging am 30. April 2026 auf der Schnellstraße Paullese (SS415) bei Spino d’Adda in der Provinz Cremona ans Netz, wie die Tageszeitung Il Giorno berichtet. Auf einem vierspurig ausgebauten Abschnitt der norditalienischen Region kontrolliert sie beide Fahrtrichtungen bei einem Tempolimit von 110 km/h.
Allein bis zum 9. Juli wurden dort bereits 31.896 Autofahrer wegen zu hoher Geschwindigkeiten geblitzt, was schätzungsweise 450 Bescheiden sowie einem Bußgeldvolumen von rund 44.000 Euro pro Tag entspricht. Damit zählt die Messstelle kurz nach ihrer Inbetriebnahme schon zu den lukrativsten im ganzen Land.
Überwiegend leichte bis moderate Geschwindigkeitsverstöße
Mit 20.063 Fällen lag der Großteil der 31.896 Verstöße im Bereich von bis zu zehn km/h zu viel. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung zwischen zehn und 40 km/h wurde in 11.433 Fällen gemessen. Deutlich seltener kam es zu extremen Tempoverstößen: 315 Autofahrer fuhren 40 bis 60 km/h zu schnell und 85 überschritten das Limit um mehr als 60 km/h. Die Höchstwerte lagen den Daten zufolge bei über 170 km/h.
Provinz und Gemeinde im Clinch
Über den Standort des Blitzers wird seit Beginn gestritten. Die Gemeinde Spino d’Adda hätte die Anlage laut ihrem Bürgermeister Enzo Galbiati lieber nahe einer unfallträchtigen Brücke mit Tempo 70 gesehen, doch die Provinz Cremona setzte die Installation an der Ausfahrt Spino Est um. Die Behörde begründete dies mit rechtlichen Vorgaben des italienischen Straßenverkehrsgesetzes. Der gesetzlich geforderte Mindestabstand von einem Kilometer zwischen wechselnden Tempolimits sei im Brückenbereich schlicht nicht gegeben.
Einen Kompromissvorschlag der Gemeinde, die Tempo-110-Zone künstlich zu verlegen, lehnte Cremona ab. Da die Provinz die Anlage auf eigene Kosten durchgesetzt hat, fließen sämtliche Bußgeldeinnahmen direkt in ihre Kasse. Die Gemeinde Spino d’Adda geht leer aus und pocht weiterhin auf die Sanierung der Brücke.
Auch vonseiten des Verbraucherverbands Codacons gibt es Kritik an dem Standort. Die Organisation argumentiert, dass eine Platzierung an der Brücke für mehr Sicherheit gesorgt hätte. Die Provinz widerspricht dieser Auffassung, definiert die Installation als Tempokontrolle und verweist auf die verbindlichen rechtlichen Regeln für feste Blitzer.
So hoch sind die Bußgeldeinnahmen in Italiens Städten
Eine offizielle Statistik zu den ertragreichsten Blitzerstandorten existiert in Italien nicht, da in der Regel nur die Einnahmen kompletter Städte offengelegt werden. Zuletzt lag Florenz mit jährlich etwa 19,7 Millionen Euro an der Spitze. Um die Dimension der neuen Radarfalle auf der Paullese einzuordnen: Mit ihren Einnahmen von etwa 3 Millionen Euro in kürzester Zeit übertrifft sie bereits das Jahresergebnis aller Blitzer in Rom für das Jahr 2025, das laut auto-motor-und-sport.de bei rund 2,3 Millionen Euro lag.
| Italienische Stadt | Blitzereinnahmen 2025 |
|---|---|
| Florenz | 19,7 Mio. Euro |
| Bologna | 9,2 Mio. Euro |
| Mailand | 6,9 Mio. Euro |
| Genua | 4,8 Mio. Euro |
| Palermo | 4,2 Mio. Euro |
| Rom | 2,3 Mio. Euro |
| Paullese-Blitzer (in ca. 10 Wochen) | über 3,0 Mio. Euro |
Quellen
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