das Wichtigste zuerst
• KBA-Prüfung: Laut Medienberichten untersucht das Kraftfahrt-Bundesamt mögliche Unregelmäßigkeiten bei Enduro-Motorrädern von KTM, Husqvarna und Gasgas.
• Vorwurf: Händler sollen die Bikes schon vor der Übergabe entdrosseln, aber dennoch mit Straßenzulassung verkaufen.
• Betriebserlaubnis: Durch die Modifikationen erlischt die Betriebserlaubnis der Fahrzeuge, unter anderem wegen der Überschreitung vorgeschriebener Abgaswerte.
• Risiken für Biker: Neben Bußgeldern und Polizeikontrollen drohen der Verlust der TÜV-Plakette sowie erhebliche Konsequenzen beim Versicherungsschutz nach Unfällen.
• Reaktion der Hersteller: KTM streitet die Vorwürfe ab und erklärt, dass alle Fahrzeuge das Werk in einem absolut gesetzeskonformen Zustand verlassen.

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KBA prüft Vorwürfe gegen Enduro-Hersteller
Gegen die Marke KTM und verbundene Händlerbetriebe läuft eine Prüfung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Auslöser sind aktuelle Berichte des ZDF-Magazins „frontal“ sowie weiterer europäischer Medien. Den Vorwürfen zufolge wurden Enduro-Bikes von autorisierten Händlern derart verändert, dass sie die Kriterien für den Straßenverkehr verfehlen. Der Verkauf der Maschinen erfolgte dennoch mit offiziellen Zulassungspapieren.
Der Vorwurf: Entdrosselung vor der Fahrzeugübergabe
Gegenstand der Untersuchung sind bestimmte Enduro-Modelle, also geländetaugliche Motorräder. Für die Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr werden die Maschinen standardmäßig in einer gedrosselten Version ausgeliefert, für die eine gültige Typgenehmigung vorliegt.
Nach Berichten von ZDF „frontal“ modifizieren Händler die Fahrzeuge jedoch oft schon vor der Übergabe an den Kunden für den Sporteinsatz. Ein passendes Umrüstkit gehöre standardmäßig zum Lieferumfang. Betroffen von diesen Vorwürfen sind die Marken KTM, Husqvarna und Gasgas.
Insider packt aus: „Noch nie ein gedrosseltes Motorrad gesehen“
Ein Insider aus der Motorradbranche gab gegenüber dem ZDF an, noch nie ein gedrosseltes Motorrad gesehen zu haben, weil die Entdrosselung direkt vor Ort beim Händler stattfinde. Der Kauf einer präparierten KTM-Enduro wurde von ZDF „frontal“ nach eigenen Angaben mit versteckter Kamera aufgenommen.
Obwohl der Käufer quittiert habe, dass das Motorrad keine Straßenzulassung besitze, sei er im Anschluss mit Nummernschild und Papieren auf öffentlichen Straßen gefahren.
Das Phänomen beschränkt sich nach Angaben des Senders nicht nur auf den deutschen Markt. Vertriebspartner in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien, Österreich und der Bundesrepublik boten die umgerüsteten Maschinen demnach mitsamt den Zulassungsdokumenten an.
KBA geht Hinweisen auf nicht genehmigte Umbauten nach
Da die Motorräder modifiziert wurden, verlieren sie gemäß EU-Zulassungsrecht die Basis für ihre Typgenehmigung. Ein weiteres verkehrsrechtliches Problem ist, dass die Fahrzeuge ohne Drosselung die erlaubten Abgasgrenzwerte überschreiten.
Das KBA erklärte auf Anfrage des ZDF, dass man den Hinweisen aktiv nachgehe. Sollten sich illegale Praktiken bestätigen, werde man rechtliche Schritte gegen die Beteiligten einleiten.
KTM weist Vorwürfe zurück
Der österreichische Hersteller KTM bestreitet laut den Berichten ein eigenes Fehlverhalten. Motorräder würden ausschließlich in straßenzugelassenem Zustand ausgeliefert. Nachträgliche technische Veränderungen lägen außerhalb des Verantwortungsbereichs des Unternehmens.
Was ohne Zulassung bei Kontrollen oder dem TÜV droht
Für Motorradbesitzer kann das Fahren einer entdrosselten Maschine im Alltag erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Bei Polizeikontrollen bleibt es nicht bei einfachen Bußgeldern, da durch die nicht genehmigte Leistungssteigerung die Betriebserlaubnis erlischt und der Versicherungsschutz gefährdet wird.
Zudem droht die sofortige Sicherstellung des Motorrads sowie die Untersagung der Weiterfahrt. Bei der Hauptuntersuchung wird solchen Maschinen wegen der Umbauten ohnehin die Prüfplakette verweigert. Sollte die tatsächliche Leistung der Maschine die eigene Führerscheinklasse übersteigen, liegt darüber hinaus ein Fahren ohne Fahrerlaubnis vor, was strafrechtlich verfolgt wird.
Haftungsrisiken bei Unfällen mit entdrosselten Maschinen
Besonders gravierend sind die Folgen im Falle eines Unfalls. Da sich durch die Entdrosselung der technische Zustand des Motorrads drastisch verändert, reguliert die Haftpflichtversicherung den Schaden des Unfallgegners zwar zunächst, kann den Fahrer danach jedoch wegen der Pflichtverletzung in Regress nehmen. Bei schweren Unfällen mit Personenschäden drohen zudem strafrechtliche Konsequenzen.
Quellen
Q1 – t-online – Entdrosselte Motorräder verkauft? Vorwürfe gegen Motorradhersteller
Q2 – taz – Volle Power, falsche Papiere
Q3 – Le Monde – Revealed: KTM’s secretly derestricted and highly polluting motorcycles
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