Fahrlehrer aus Essen zur Führerscheinreform: „Am Ende zahlen die Fahrschüler drauf“

04.06.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Ungebrochene Attraktivität: Die Mehrheit der 15- bis 25-Jährigen in Deutschland will den Führerschein machen, scheitert aber oft an den Kosten. Ein neuer Gesetzesentwurf soll Abhilfe schaffen.
Fahrlehrer sieht Fehlentwicklungen: Emin I., Fahrlehrer aus Essen, sieht die Reformpläne skeptisch und befürchtet erhebliche Einbußen bei der Verkehrssicherheit.
Kritik an Laien-Fahrten: Der Fahrlehrer warnt vor privaten Übungsfahrten, da Eltern keine Bremse zum Eingreifen haben und sechs Pflichtstunden nicht ausreichen.
Gefahr von Preiserhöhungen: Emin I. glaubt nicht an eine Ersparnis, da Fahrschulen ihre Tarife selbst bestimmen und laufende Kosten decken müssen.
Zustimmung bei Theorie und Zeitplan: Positiv bewertet der Ausbilder eine modernere Theorie und weniger Prüfungsfragen.

Fahrlehrer aus Essen zur Führerscheinreform: „Am Ende zahlen die Fahrschüler drauf“

© Mehaniq / shutterstock.com (Symbolbild)

Umfrage: Junge Menschen wollen nach wie vor den Führerschein

Laut einer Erhebung der ADAC-Stiftung ist der Wunsch junger Menschen, den Führerschein zu machen, auch im Jahr 2026 ungebrochen. Auch heute noch will die Mehrheit der 15- bis 25-Jährigen individuell mit dem Pkw mobil sein. Gleichzeitig blickt die Gen Z zutiefst desillusioniert auf ihre Möglichkeiten.

Nur jeder Zehnte gibt an, mit den bestehenden Mobilitätsangeboten in Deutschland zufrieden zu sein. Das aktuell größte Hemmnis für die Fahrerlaubnis ist zweifellos ihr Preis. Mittlerweile müssen Fahranfänger im Schnitt zwischen 2.500 und 4.500 Euro für den „Lappen” zahlen.

Fahrlehrer aus Essen sieht Reformpläne der Regierung skeptisch

Abhilfe verspricht hier ein neuer Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts, der den Weg zu günstigeren und einfacheren Prüfungen ebnen soll. Aus der Praxis kommt allerdings heftiger Gegenwind: Emin I., Fahrlehrer aus Essen, erklärt im Gespräch mit derwesten.de, warum er bei den geplanten Maßnahmen gravierende Fehlentwicklungen sieht.

Geplant sind reduzierte Sonderfahrten, gestraffte Prüfungszeiten, eine digitalisierte Theorie sowie Übungsfahrten mit privaten Begleitpersonen. Dieses Gesamtpaket soll die Ausbildung modernisieren und Fahrschüler finanziell entlasten. Emin I. blickt jedoch mit Sorge auf diese Neuerungen und befürchtet erhebliche Einbußen bei der Ausbildungsqualität und der allgemeinen Verkehrssicherheit.

Emin I. zu Übungsfahrten: „Fahrschüler verwechseln oft Gas und Bremse“

Große Bedenken äußert der Fahrlehrer aus dem Ruhrpott vor allem bei den geplanten Übungsfahrten durch Laien. „Ich habe sehr oft erlebt, dass Schüler Gas und Bremse verwechseln. Wir als Fahrlehrer können mit der Bremse eingreifen, das können Eltern nicht“, betont der Ausbilder. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass solche privaten Übungsfahrten erst nach bestandener Theorieprüfung und mindestens sechs absolvierten Praxisstunden erlaubt sind.

Die 7-Jahres-Regel für Übungsfahrten

Darüber hinaus wird vorgeschrieben, dass Begleiter ihren Führerschein seit mindestens sieben Jahren besitzen müssen. Emin I. hält dies dennoch für unzureichend und gibt zu bedenken, dass sechs praktische Fahrstunden bei manchen Fahrschülern schlicht nicht ausreichen, um sicheres Fahren mit den Eltern zu garantieren.

Der erfahrene Fahrlehrer bezweifelt außerdem, dass Laien die Fahrkompetenz ihrer Kinder neutral beurteilen können. „Ich sehe mich schon mit Eltern diskutieren. Vorwürfe, dass wir nur Geld wollen, werden dann bestimmt kommen“, so seine Befürchtung.

Freie Preisgestaltung hebelt Sparpläne aus

Ein Misserfolg in der Prüfung zieht Folgekosten nach sich und macht oft weitere Stunden unumgänglich. Emin I. glaubt ohnehin nicht an eine Ersparnis durch die Reform, da die Fahrschulen ihre Tarife eigenständig festlegen.

„Viele sagen, dass solche Kleinunternehmer wie ich große finanzielle Probleme kriegen könnten“, warnt I. im Gespräch mit derwesten.de. Es sei absehbar, dass manche Betriebe die Tarife für die Fahrstunden sogar erhöhen würden. Laufende Kosten für ungenutzte Räume, Benzin und den Fuhrpark blieben ja bestehen und müssten gedeckt werden. Sollten dann alle Mitbewerber mitziehen, sei eine Ersparnis für die Fahrschüler ausgeschlossen.

Fahrsicherheit first, Digitalisierung second

Trotz aller Kritik sieht Fahrausbilder Emin I. durchaus positive Ansätze in dem Gesetzesentwurf. Dem Vorhaben, die Theorie moderner zu gestalten, stimmt er zu. „Wir müssen natürlich auch mit der Zeit gehen. Ich bin zwar auch der Meinung, dass es einen Fahrlehrer im Präsenzunterricht nicht ersetzen kann, aber wenn man dadurch sparen kann, habe ich damit keine Probleme.“

Warum vor 2027 keine Entlastung in Sicht ist

Sinnvoll findet der Ausbilder auch den Ansatz, die Anzahl der Prüfungsfragen zu senken. Die jetzige Fülle an Stoff bereite vielen Fahrschülern große Schwierigkeiten, sodass nicht wenige von ihnen das Handtuch werfen würden.

Fest steht: Jede Fahrausbildung verläuft individuell, und erst die bestandene Prüfung garantiert die nötige Sicherheit im Verkehr. Schnelle Erleichterung ist ohnehin nicht in Sicht, da die geplante Reform frühestens Anfang 2027 in Kraft treten soll.

Quellen

Derwesten.de: Fahrlehrer aus Essen über Führerschein-Reform: „Wird nicht günstiger“

ADAC-Stiftung: Pragmatismus statt Protest: Wie die Gen Z Mobilität neu bewertet

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