das Wichtigste zuerst
- Vierfacher Spritdurst: Eine Fraunhofer-Analyse von einer Million Fahrzeugen belegt, dass Plug-in-Hybride im Alltag im Schnitt viermal mehr Kraftstoff verbrauchen als von den Herstellern angegeben.
- Laborwerte fernab der Realität: Während der WLTP-Standard von 1,4 bis 1,6 Litern ausgeht, fließen real 5,8 bis 6,1 Liter pro 100 Kilometer durch den Motor – das entspricht dem Niveau reiner Verbrenner.
- Mangelnde elektrische Nutzung: Der reale Elektro-Fahranteil liegt bei nur rund 25 Prozent, da viele Fahrzeuge selten geladen werden und selbst im E-Modus unerwartet viel Sprit benötigen.
- Schockierende Erkenntnis: Studienleiter Patrick Plötz bezeichnete den Verbrauch von drei Litern selbst bei überwiegend elektrischer Fahrt als „Schock“ für die Wissenschaft.
- Forderung nach Konsequenzen: Forscher verlangen eine Reform der EU-Regeln und schlagen vor, Hersteller künftig auf Basis von Realdaten statt theoretischer Typgenehmigungen zu bewerten oder bei Verstößen zu bestrafen.

© Lalandrew / shutterstock.com (Symbolbild)
Krasse Abweichung: Hybride verbrauchen viermal mehr als angegeben
Plug-in-Hybride verbrennen im Alltagsbetrieb im Schnitt etwa viermal so viel Kraftstoff wie von den Herstellern angegeben. Im Schnitt verbrauchen sie etwa das Vierfache des offiziellen Werts, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und anderer Organisationen zeigt.
Für die Untersuchung wurden Echtdaten von rund einer Million Hybridfahrzeugen diverser Hersteller (Baujahre 2021–2023) genutzt. Damit werden vorangegangene Berichte des SWR bestätigt.
Laborwerte vs. Realität: Das WLTP-Verfahren
Abweichungen vom Normverbrauch sind bei allen Antriebsarten üblich. Dass Autos im Alltag mehr verbrauchen als nach dem offiziellen WLTP-Standard (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure), ist bekannt.
Unter WLTP versteht man ein gesetzlich vorgeschriebenes Prüfverfahren, das den Kraftstoffverbrauch unter Laborbedingungen ermittelt, die mit dem echten Fahren auf der Straße jedoch wenig zu tun haben.
Während der Verdacht auf hohe Abweichungen bei Plug-in-Hybriden schon länger bestand, weichen die jetzigen Zahlen extrem ab: Statt der versprochenen 1,4 bis 1,6 Liter fließen real 5,8 bis 6,1 Liter auf 100 Kilometer durch den Motor. Damit liegen die Werte auf dem Niveau reiner Verbrenner, was CO₂-Ausstoß und Spritkosten in die Höhe treibt.
Trotz Verschärfung: Realverbrauch oft doppelt so hoch wie die Norm
Bei neueren Plug-in-Hybriden könnte diese Differenz allerdings geringer ausfallen, da die Regeln für die Verbrauchsmessung inzwischen verschärft wurden. Das Ziel von Verfahren wie dem WLTP ist es, eine genaue Abfolge von Geschwindigkeiten und Beschleunigungen vorzugeben, um vergleichbare Werte zu ermitteln. Trotz der strengeren Vorgaben erwarten die Studienautoren im Alltag jedoch immer noch Verbräuche, die fast doppelt so hoch sind wie die offiziellen Normdaten.
Ein Elektro-„Schock“ für die Wissenschaftler
Ein Grund für diese Diskrepanz liegt dem Bericht zufolge darin, dass die Fahrzeuge im Alltag selbst im überwiegend elektrischen Betrieb etwa drei Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Studienleiter Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI bezeichnete diesen Wert gegenüber dem SWR als „Schock“ für die beteiligten Wissenschaftler.
Zudem belegen die Daten, dass viele Plug-in-Hybride kaum aufgeladen werden. In solchen Fällen muss der Verbrennungsmotor die gesamte Arbeit übernehmen. Während die Häufigkeit des Ladens je nach Hersteller stark variierte, lag der insgesamt gemessene elektrische Fahranteil in der Studie nur bei rund einem Viertel.
Forscher fordern Anpassungen der Hybrid-Vorgaben
Angesichts dieser Ergebnisse drängen die Forscher auf eine Änderung der EU-Vorgaben und schlagen vor, einen niedrigeren elektrischen Fahranteil zu berücksichtigen. Die Lücke zwischen „theoretischem“ und „tatsächlichem“ Kraftstoffverbrauch sei viel zu groß. Diese müsse man durch schärfere Regeln bei der Verbrauchsermittlung für Plug-in-Hybride deutlich verkleinern.
Eine derartige Änderung hätte direkte Folgen für die Automobilkonzerne, da die EU-CO₂-Flottenwerte auf Basis der WLTP-Verbräuche ermittelt werden. Studienleiter Plötz sprach sich im SWR daher für ein System aus, das sich an echten Messwerten orientiert:
„Wir können heute, weil es jetzt die Daten und die Infrastruktur gibt, aufhören, Fahrzeuge nach ihrer Typgenehmigung zu bewerten, sondern können die Realdaten messen und sagen: die Hersteller, die auf der Straße die Grenzwerte einhalten, die sind gut und wer die auf der Straße nicht einhält, der muss vielleicht eine Strafzahlung leisten.“
Quellen
dpa/ZEIT: So viel durstiger als angegeben sind Plug‑in‑Hybride
Autohaus (dpa): Fraunhofer‑Analyse: Plug‑in‑Hybride viel durstiger als angegeben
The Guardian: Plug‑in hybrids use three times more fuel than manufacturers claim
Focus Online: Studie zeigt wahren Kraftstoffverbrauch von Plug-in-Hybriden
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