E-Auto-Retrofit: Wie eine deutsche Firma aus Dachau Verbrenner umrüstet

17.03.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Retrofit: Die Firma e-Revolt aus Dachau rüstet Verbrennerfahrzeuge mithilfe standardisierter Kits in nur neun Arbeitsstunden in E-Autos um.
Technische Hürden: Die größte Herausforderung ist die Software-Anpassung, damit Sicherheitssysteme wie ABS und ESP weiterhin funktionieren.
Reichweite: Um die Zulassung zu ermöglichen, muss u.a. das Fahrzeuggewicht gleich bleiben, was die Batteriekapazität auf etwa 250 Kilometer begrenzt.
Zulassung: Mit dem TÜV-Merkblatt 764 gibt es ein klares „Kochrezept“ für die rechtssichere Abnahme der umgebauten Wagen.
Kosten: Die Preise liegen zwischen 12.000 Euro für Massenmodelle und bis zu 40.000 Euro für aufwendige Oldtimer-Projekte.
Amortisation: Laut Fraunhofer ISI rechnet sich die Investition in den Umbau durch geringere Betriebskosten nach etwa sieben (Diesel) bis neun Jahren (Benziner).
VDA-Einschätzung: Der Verband der Automobilindustrie sieht im Retrofit eine reine Nischenlösung, die für den Massenmarkt zu teuer und technisch zu aufwendig ist.

E-Auto-Retrofit: Wie eine deutsche Firma aus Dachau Verbrenner umrüstet

© Eviart / shutterstock.com (Symbolbild)

Retrofit: Vom Verbrenner zum Stromer

Hinter dem Begriff Retrofit verbirgt sich die Kunst, das Bestehende zu bewahren und gleichzeitig technisch über sich hinauszuwachsen. In der Welt der Mobilität bedeutet das: Abschied vom fossilen Erbe, ohne das Auto selbst aufzugeben. Indem das alte Herzstück gegen einen effizienten Elektroantrieb getauscht wird, erfährt der Wagen eine radikale Verjüngung.

Bei der Umrüstung von Verbrennerfahrzeugen wird genau dieses Verfahren angewandt, indem fossile Antriebseinheiten gegen moderne Elektromotoren getauscht werden. So wandelt sich ein herkömmlicher Pkw durch gezielte Modifikationen in ein Elektrofahrzeug, ohne dass eine komplette Neuproduktion erforderlich ist.

Bayerische Firma e-Revolt: Umbau in neun Stunden

Dieses Prinzip wird in einer Marktnische bereits in die Praxis umgesetzt, beispielsweise durch das Unternehmen e-Revolt aus Dachau. Anstatt auf Einzelanfertigungen zu setzen, verwendet man dort Umbau-Kits aus marktgängigen Komponenten, wodurch der Prozess standardisiert wird. Laut Ralf Schollenberger aus der Geschäftsleitung nutzen inzwischen rund 200 Partnerwerkstätten dieses System, um einen Verbrenner in etwa neun Arbeitsstunden auf Elektroantrieb umzustellen.

250 Kilometer Reichweite als technischer Kompromiss

Technisch gesehen sei die Umrüstung vor allem eine digitale Aufgabe. Die größte Schwierigkeit bestehe darin, die Motorsteuerung so zu programmieren, dass sie mit den bestehenden Fahrassistenzsystemen korrespondiert. Erst durch diese IT-seitige Abstimmung bleibt die Funktionalität von ABS und ESP auch mit dem neuen Elektroantrieb voll erhalten.

Für die Neuzulassung sei zudem entscheidend, dass die grundlegenden Kenndaten wie Motorleistung und Gewicht unverändert bleiben. Schollenberger zufolge ermöglicht dies ein vereinfachtes Verfahren, begrenzt jedoch die Batteriekapazität. Die daraus resultierende Reichweite von etwa 250 Kilometern entspreche jedoch dem Bedarf der Zielgruppe.

TÜV-Merkblatt 764: „Kochrezept“ für die Zulassung

Beim TÜV gehört die Umrüstung längst zum festen Repertoire. Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband, verweist auf ein bereits 2014 erstelltes Dokument: Das Merkblatt 764 fungiert als „ein Kochrezept“ für Umrüster und Sachverständige. Es ermöglicht die rechtssichere Neuerteilung der Betriebserlaubnis, die mit dem Entfernen des Verbrennungsmotors offiziell ihre Gültigkeit verliert.

12.000 bis 40.000 Euro: Was die Umrüstung kostet

Prinzipiell lässt sich fast jedes Fahrzeug umrüsten, wobei die Kosten stark variieren. Während gängige Modelle für 12.000 bis 15.000 Euro elektrifiziert werden können, sind es bei Oldtimern bis zu 40.000 Euro. E-Revolt arbeitet derzeit an einer Typgenehmigung für den Golf VII, um die Serienzulassung zu vereinfachen. Das Unternehmen stellt aber auch großes Interesse bei Modellen wie dem VW Touran, der Mercedes C-Klasse oder dem Audi TT fest. Selbst Volkswagen bietet Umbauten für Klassiker wie den Käfer oder den Bulli mit ID.3-Komponenten an. In diesem Fall verliert das Fahrzeug jedoch sein H-Kennzeichen.

VDA: Für den Massenmarkt unattraktiv

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die Elektrifizierung von Verbrennern eher als Nischenlösung. Nach Einschätzung einer Sprecherin ist das Verfahren zwar als kleiner Beitrag zur Dekarbonisierung des Bestands denkbar, für den Massenmarkt aber aufgrund finanzieller und technischer Hürden kaum attraktiv. Sinnvoll sei das Konzept demnach primär für bestimmte Nischen wie Oldtimer oder Spezialfahrzeuge, für die es keinen modernen Ersatz gebe. Inwieweit diese Technik bereits verbreitet ist, lässt sich jedoch nicht belegen, da das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) keine entsprechenden Daten erhebt.

Fraunhofer-Analyse: Ab wann sich der Elektro-Umbau lohnt

Ob der E-Auto-Retrofit nur eine Einzelfalllösung sein kann, bleibt abzuwarten. Ein entscheidender Faktor ist die finanzielle Bilanz, die Michael Krail vom Fraunhofer ISI am Beispiel eines VW Golf untersucht hat. Werden 15.000 Euro in den Umbau investiert, ist dieser Betrag bei einer durchschnittlichen Nutzung von 14.000 Kilometern jährlich nach sieben Jahren (beim Diesel) beziehungsweise neun Jahren (beim Benziner) durch die Ersparnis im laufenden Betrieb gedeckt. Damit zeigt die Analyse, dass sich das Verfahren besonders für Vielfahrer mit einer langen Haltedauer des Wagens rechnen kann.

Quellen

taz: Umrüstung auf E-Antrieb: Vom Verbrenner zum Stromer an einem Tag

TÜV-Verband: MB FZMO 764 Elektrofahrzeuge im Einzelgenehmigungsverfahren

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