Das Ende der Touchscreens: Chinas und Europas Rückkehr zu den Knöpfen

20.02.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Trendwende: In Europa und China deutet sich eine Abkehr vom Alles-Touchscreen-Trend im Auto an.
Keine 5 Sterne ohne Knöpfe: In Europa verlieren Autos ohne echte Knöpfe ihr wichtigstes Verkaufsargument – das Sicherheitszertifikat von Euro-NCAP.
China reguliert Touchscreens: Ab Sommer 2027 ist es in China illegal, wichtige Fahrfunktionen ausschließlich über ein Display zu steuern.
Fühlbare Tasten: Für Notfälle schreibt China echte Knöpfe vor, die mindestens 10×10 mm groß sein müssen, damit man sie ohne Hinsehen findet.
Wandel bei den Marken: Weitere große Hersteller wie Hyundai oder Mercedes bauen wieder Drehknöpfe ein, weil die Bedienung während der Fahrt sonst zu sehr ablenkt.

Das Ende der Touchscreens: Chinas und Europas Rückkehr zu den Knöpfen

© JS Lens / shutterstock.com (Symbolbild)

Euro-NCAP: Mehr Anreize für mechanische Schalter

Zu viele Touchscreens erhöhen das Unfallrisiko durch Ablenkung. Aus diesem Grund bahnt sich in den Märkten Europa und China eine Kehrtwende an: Wichtige Funktionen im Auto sollen künftig wieder über haptische Schalter statt über rein digitale Menüs steuerbar sein.

So sanktioniert die Sicherheitsorganisation Euro-NCAP ab Januar 2026 Bediensysteme ohne mechanische Schalter. Ein Punktabzug in der Sicherheitsbewertung droht Modellen, die Funktionen wie Hupe, Blinker oder Notruf ausschließlich digital steuern, da dies den Weg zur Fünf-Sterne-Wertung versperrt.

So relevant ist die Euro-NCAP-Bewertung

Obwohl die Richtlinien von Euro-NCAP nicht gesetzlich bindend sind, haben sie einen beträchtlichen wirtschaftlichen Einfluss. Eine Top-Platzierung im Sicherheitstest ist für den Markterfolg eines Modells unverzichtbar. Durch die Rückkehr zu haptischen Schaltern soll sichergestellt werden, dass die Aufmerksamkeit auf das Verkehrsgeschehen gerichtet bleibt und nicht durch verschachtelte Menüs beansprucht wird.

China stoppt reine Touchscreen-Bedienungen per Gesetz

Während in Europa vor allem Anreize dominieren, geht China einen Schritt weiter und setzt auf eine rechtlich bindende Verordnung. So schreibt ein entsprechender Entwurf des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) vor, dass sicherheitsrelevante Funktionen ab dem 1. Juli 2027 zwingend über haptische Schalter bedienbar sein müssen.

Betroffen sind unter anderem Blinker, Warnblinklicht und Notrufsysteme, für die Tasten mit einer Mindestfläche von 10×10 mm vorgesehen sind. Auch für Scheibenwischer, Fensterheber und den Hauptschalter von Elektroautos ist eine reine Touchscreen-Steuerung künftig untersagt.

Die Überarbeitung des bestehenden nationalen Standards GB4094-2016 begann bereits 2023. An diesem Prozess beteiligten sich namhafte Automobilhersteller und Institute wie das China Automotive Technology and Research Center, Geely, FAW-Volkswagen, BYD und Great Wall Motor. Der Entwurf legt unter anderem fest, dass Bedienelemente selbst bei einem Systemausfall oder Stromverlust ihre grundlegenden Funktionen beibehalten müssen.

Über das Cockpit hinaus: Strengere Anforderungen in Fernost

Nicht nur die Cockpits stehen im Fokus: Auch für automatisierte Fahrfunktionen der Stufen drei und vier plant China strengere Normen. Das Ziel ist eine Sicherheit auf dem Niveau menschlicher Fahrzeugführer: Die Technik muss das Auto im Ernstfall eigenständig sicher zum Stehen bringen. Erst vor kurzem wurde zudem die Thematik der Türgriffe konkretisiert: Ab Januar 2027 müssen Griffe von außen erkennbar sein und eine manuelle Türöffnung von beiden Seiten jederzeit ermöglichen.

Hersteller denken um: Das Ende einer Ära

In der chinesischen Automobilindustrie war ein minimalistisches Design mit riesigen Touchscreens nach Tesla-Vorbild jahrelang das Maß der Dinge, geriet jedoch immer stärker in die Kritik. Ein Mitglied der Geschäftsführung von Geely bezeichnete diese Entwicklung Ende 2025 als „blinden Trend“, dem die Automobilhersteller des Landes erlegen seien.

Bereits im Jahr 2023 bezeichnete Volkswagen-Chef Thomas Schäfer den extremen Fokus auf Touch-Bedienelemente als Fehler und vollzog bei neueren Elektrofahrzeugen eine Kehrtwende hin zu physischen Knöpfen. Mercedes-Benz schloss sich dieser Sichtweise mit dem Argument an, dass traditionelle Schalter für spezielle Anwendungen nach wie vor am besten geeignet seien. Hyundai wiederum etabliert einen kombinierten Ansatz aus haptischen Tasten und Drehknöpfen für den Alltag.

Sogar bei Tesla gibt es Anzeichen für ein Umdenken, wonach klassische Blinkerhebel bei einigen Modellen eine Rückkehr feiern könnten.

Quellen

Telepolis: Das Ende der Touchscreen-Ära: China und EU schreiben Knöpfe im Auto vor

Autobild: China sagt der Toucheritis im Auto den Kampf an

Volkswagen: Fokus auf Touchscreen war Fehler

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