Übungsfahrten wie in Österreich: So soll der Führerschein günstiger werden

05.03.2026 - 4 min Lesezeit
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Bundesverkehrsminister will Führerschein-Kosten drastisch senken: Durch die Orientierung am österreichischen Modell und weitere Maßnahmen sollen Fahrschüler etwa 1.000 Euro sparen können.

Laienmodell statt teurer Fahrstunden: Nach einer Einweisung sollen 1.000 Kilometer mit erfahrenen Begleitpersonen absolviert werden, um professionelle Stunden zu ersetzen.

Effizienz durch Digitalisierung: Online-Theorieunterricht soll hohe Mietkosten für Fahrschulräume vermeiden und die Gebühren weiter drücken.

ADAC vs. Fahrlehrer: Während der ADAC die Reform unterstützt, befürchten Fahrlehrerverbände mehr Unfälle und beklagen wirtschaftliche Einbußen durch abwartende Kunden.

Entscheidung Ende März: Die Verkehrsminister der Länder beraten zeitnah über die Umsetzung, die frühestens für 2027 geplant ist.

Übungsfahrten wie in Österreich: So soll der Führerschein günstiger werden

© ALPA PROD / shutterstock.com (Symbolbild)

Österreich als Vorbild: So soll der Führerschein wieder bezahlbar werden

Zur Vorbereitung auf die Verkehrsministerkonferenz Ende März plant Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), die Führerscheinausbildung durch eine Orientierung am österreichischen Modell zu vergünstigen. Während die Kosten in Deutschland im Durchschnitt bei 3.400 Euro liegen, belaufen sie sich in Österreich laut Stefan Ebner vom Verband der Fahrschulunternehmen auf lediglich 2.000 Euro. Dies wird durch weniger professionelle Fahrstunden und das sogenannte 1.000-Kilometer-Laienfahrtmodell mit den Eltern erreicht.

So geht Fahrschule in Österreich

Das österreichische Modell sieht nach der Theorie und einer gemeinsamen Einweisung für Schüler und Begleitpersonen – meist Eltern oder nahe Verwandte – private Übungsfahrten über 1.000 Kilometer vor. Als Begleiter sind Personen zulässig, die seit mindestens sieben Jahren im Besitz der Fahrerlaubnis sind und eine entsprechende Fahrpraxis vorweisen können. In Deutschland soll dieses System in einer fünfjährigen Testphase erprobt und wissenschaftlich evaluiert werden.

Rechenbeispiel: 350 Euro Ersparnis durch private Übungsfahrten

Laut einer Kalkulation von BR24 könnten durch Fahrten mit den Eltern – vorsichtig geschätzt – fünf Übungsstunden entfallen. Bei einem Stundensatz von 70 Euro würde das eine Ersparnis von etwa 350 Euro bedeuten. Der ADAC befürwortet den Vorstoß, da begleitetes Fahren die Verkehrssicherheit nachweislich erhöhe.

Fahrlehrer hingegen sehen die Sache völlig anders und sorgen sich um die Unfallgefahr. Stefan Ebner sieht das Modell in Österreich als bewährt an: „Wir hören nicht, dass jetzt Schüler mit ihren Eltern in den Straßengraben gefahren wären oder einen Blechschaden verursacht hätten.“ Vertreter des deutschen Bundesverbands der Fahrlehrer warnen jedoch davor, dass der Verkehr in Deutschland komplexer ist als in Österreich.

Sonderfahrten: 700 Euro Einsparpotenzial durch weniger Pflichtstunden

Noch umstrittener sind die Pläne bezüglich der Sonderfahrten, von denen der Gesetzgeber bislang zwölf vorschreibt: fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten und drei Nachtfahrten. Bundesverkehrsminister Scheuer beabsichtigt, diese auf lediglich drei Pflichtstunden zu kürzen. Geht man von 80 Euro pro Stunde aus, da Sonderfahrten teurer sind, ergäbe sich laut BR24 eine Ersparnis von über 700 Euro.

Während der ADAC eine Reduzierung für vertretbar erklärt, warnt Jürgen Kopp von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände davor. Er hält es für gefährlich, die Sonderfahrten in diesem Maße abzuschaffen.

Theorie per App: Digitale Lernmodelle

Ein weiterer Hebel zur Kostensenkung ist die Modernisierung des Theorieunterrichts. Da viele Fahrschulen, insbesondere in teuren Großstädten wie München, hohe Mieten für Unterrichtsräume zahlen müssen, sieht der Reformvorschlag von Minister Schnieder eine Online-Option vor. Idealerweise solle der Unterricht per App erfolgen, wobei die Mieteinsparungen im besten Fall an die Fahrschüler weitergegeben würden.

Gemeinsam mit den übrigen Maßnahmen könne der Preis für den Führerschein so wieder in Richtung der 2.000-Euro-Marke sinken. Fahrlehrer erheben jedoch Einspruch; sie finden, „dass Präsenzunterricht besser motiviere“.

Die Sorgen der Fahrlehrer

Während die Politik auf Einsparungen drängt, sieht sich die Fahrlehrerschaft in die Enge getrieben. Einerseits fordern Verbände eine Wertschätzung ihrer pädagogischen Arbeit und warnen davor, dass Distanzunterricht per App die Motivation und den Lernerfolg verschlechtere. Andererseits leiden die Betriebe unter der aktuellen Kaufzurückhaltung der Kunden. Man befürchte, dass die Reform am Ende weder die Kosten signifikant senke noch die Sicherheit verbessere, sondern lediglich die Infrastruktur der Fahrschulen schwäche.

Ob die Reformpläne wie geplant umgesetzt werden, entscheidet sich politisch bei der Verkehrsministerkonferenz Ende März. Erst nach dieser Verständigung zwischen Bund und Ländern wird die Bundesregierung einen offiziellen Gesetzentwurf in das parlamentarische Verfahren einbringen.

Quellen

BR24: Übungsfahrten mit den Eltern – So wird der Führerschein billiger

Bundesministerium für Verkehr: Reform des PKW-Führerscheins

Bundesministerium für Verkehr: Eckpunktepapier „Bezahlbarer Führerschein“

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