das Wichtigste zuerst
• Wege aus der Krise: Die Regierung will das ständige Hin und Her an den Zapfsäulen stoppen. Statt wie bisher bis zu 22-mal am Tag, sollen Tankstellen ihre Preise künftig nur noch ein einziges Mal innerhalb von 24 Stunden erhöhen dürfen.
• Vorbild Österreich: Seit 2011 dürfen Erhöhungen dort nur um 12 Uhr erfolgen, während Senkungen jederzeit möglich sind. Ein Modell, das laut dortigem Ministerium für mehr Preistransparenz und Kundenvertrauen sorgt.
• Preisgefälle: Trotz aktueller Krisen bleibt Sprit in Österreich günstiger. Während Diesel dort Anfang März im Schnitt 1,898 Euro kostete, übersprangen die Preise in Deutschland bereits die Marke von 2,15 Euro.
• Kritische Stimmen: Das Bundeskartellamt und der ADAC äußern Bedenken, dass die fixen Erhöhungszeitpunkte zu künstlich überhöhten Startpreisen führen könnten, da eindeutige Belege für dauerhafte Preissenkungen noch fehlen.
• Zeitplan der Umsetzung: Ein offizieller Gesetzesentwurf zur Änderung des Kartellrechts steht noch aus. Aufgrund des parlamentarischen Wegs und technischer Umstellungen beim Bundeskartellamt ist mit einem Inkrafttreten erst im Laufe des Jahres zu rechnen.

© Igor Link / shutterstock.com (Symbolbild)
Berlin will tägliche Preis-Tricks unterbinden
Die Bundesregierung möchte Tankstellen in Deutschland künftig nur noch eine Preiserhöhung innerhalb von 24 Stunden erlauben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erachtet dies als Mittel zur Abfederung der seit Ausbruch des Irankrieges gestiegenen Ölpreise. In Österreich ist diese Regelung bereits seit fünfzehn Jahren etabliert. Erhöhungen sind dort nur um 12 Uhr zulässig. Im Gegensatz dazu können die Preise beliebig oft fallen.
Es ist jedoch nicht nur der Krieg in Nahost, der die Spritpreise in die Höhe treibt. Tatsächlich hat das Bundeskartellamt die Tankstellenbetreiber schon seit Längerem im Visier: Laut der Wettbewerbsbehörde haben sich die täglichen Preisänderungen an den Zapfsäulen seit 2014 von fünf auf heute durchschnittlich 22 mehr als vervierfacht. Immer wieder wird in die verbraucherunfreundliche Trickkiste gegriffen, manche sprechen gar von einer großen „Benzinpreis-Täuschung“.
Warum Österreich auf die 12-Uhr-Regel setzt
In Österreich existiert die Vorschrift zur Begrenzung von Preiserhöhungen bereits seit 2011, ihre Geltungsdauer wurde kürzlich bis Ende 2028 verlängert. Ursprünglich durften die Betreiber die Preise lediglich einmal täglich zum Betriebsbeginn anheben. Laut dem österreichischen Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) war dies jedoch für Tankstellen an Pendlerstrecken Richtung Stadt von Nachteil, da sie zur Zeit der Preishochs die meisten Vorbeifahrenden erreichten. Daher wurde der Zeitpunkt für Steigerungen später auf 12 Uhr festgelegt.
Im Herbst hieß es dazu aus dem BMWET, die Regelung sei zweckmäßig und erfolgreich. Sie sorge für Vertrauen bei den Kunden, da diese nun sicher wüssten, „dass die Preise am Abend oder am Vormittag billiger sind als kurz nach Mittag“.
Skepsis bei den Wettbewerbshütern
Vor etwa einem Jahr befasste sich das Bundeskartellamt im Rahmen einer sogenannten Sektoruntersuchung mit dem österreichischen Modell, zog jedoch kein eindeutiges Fazit. Zwar gebe es Hinweise aus einer Studie auf mögliche Preissenkungen durch diese Regelung, doch diese seien nicht eindeutig. Kritische Stimmen teilten die Sorge des ADAC, dass die Tankstellenbetreiber die Preise zum täglichen Startpunkt bewusst zu hoch ansetzen könnten.
Warum Tanken in Österreich günstiger ist
Zu Wochenbeginn hat sich der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel in Österreich der Zwei-Euro-Marke angenähert. Laut der offiziellen Statistik der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) lag der Brutto-Schnitt am 9. März 2026 bei 1,898 Euro für Diesel und bei 1,708 Euro für Super.
Damit sind Kraftstoffe in Österreich immer noch deutlich preiswerter als in Deutschland, wo die Preise für Diesel an vielen Tankstellen bereits die Marke von 2,15 Euro übersprungen haben. Zum Vergleich: Hierzulande belastet die CO₂‑Abgabe den Literpreis wesentlich stärker als im Nachbarland.
Der Fahrplan zur Spritpreisbremse
Obwohl das Kabinett die Einführung bereits beschlossen hat, liegt aktuell noch kein fertiger Gesetzesentwurf vor. Das Wirtschaftsministerium muss diesen nun erst erarbeiten, um das Kartellrecht entsprechend zu ändern. Nach der Erstellung muss der Entwurf den Bundestag und den Bundesrat passieren, während parallel das Bundeskartellamt die technische Umstellung der Preisüberwachung vorbereiten muss. Da dieser parlamentarische und technische Vorlauf mehrere Monate in Anspruch nimmt, ist mit einem Inkrafttreten der neuen Regelung frühestens im Laufe des Jahres 2026 zu rechnen.
Quellen
Tagesschau: Wie die Spritpreis-Regel in Österreich funktioniert
Handelsblatt: Regierung will Spritpreis-Erhöhung nur noch einmal täglich erlauben
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