das Wichtigste zuerst
• Schwachstelle Vernetzung: Der Verfassungsschutz warnt vor den Cyber-Risiken smarter E-Autos aus China.
• Staatlicher Datenzugriff: In Staaten wie China oder Russland sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Fahrzeugdaten an Behörden weiterzugeben. Dies passiert auch in den USA.
• Politische Forderungen: Angesichts potenzieller Missbrauchsszenarien für Cyberangriffe oder militärische Zwecke fordern Politiker einen verstärkten Schutz für sensible Bereiche wie Bundeswehr oder Polizei.
• Mögliche Zulassungsverbote: Bei gravierenden Sicherheitsmängeln oder fehlender Transparenz werden Marktverbote für bestimmte Modelle im deutschen Straßenverkehr diskutiert.
• Behördliche Überwachung: BSI und Nachrichtendienste prüfen die Sicherheitslage trotz konkreter Spionagebeweise fortlaufend.

© RaffMaster / shutterstock.com (Symbolbild)
Verfassungsschutz warnt vor Fernzugriffen auf vernetzte Autos
Die zunehmende Vernetzung moderner Fahrzeuge schafft neue, komplexe Sicherheitsrisiken. Durch die permanente Online-Verbindung und zahlreiche Kommunikationsschnittstellen bieten Autos heute Angriffsflächen, die weit über den Schutz personenbezogener Daten hinausgehen. Der Verfassungsschutz schlägt deshalb nun Alarm.
Auf Anfrage des Handelsblatts erklärte ein Sprecher des Nachrichtendienstes: „Prinzipiell ist es möglich, dass Angreifer unerlaubten Zugriff auf die Internetschnittstelle von Fahrzeugen erlangen und so Informationen erbeuten.“ Neben sensiblen Geodaten und Innenraum-Aufzeichnungen besteht laut der Behörde gar die Gefahr, dass Angreifer letztlich die Kontrolle über das gesamte Fahrzeug übernehmen.
Gefahr staatlichen Zugriffs auf Fahrzeugdaten
Über die Bedrohung von Fernzugriffen hinaus sieht der Verfassungsschutz Gefahren in der rechtlichen Lage bestimmter Staaten. Dort müssen Firmen anfallende Fahrzeugdaten oft per Gesetz an Behörden oder Dienste weitergeben. Besonders kritisch wird dabei die Situation in China und Russland bewertet, wo Staat und Wirtschaft untrennbar verwoben sind. Große Datenmengen dienen dort potenziell nicht mehr allein dem geschäftlichen Zweck, sondern stehen für staatliche Interessen zur freien Verfügung.
Ein Modell, dem sich – unabhängig von der Einschätzung des Verfassungsschutzes – mittlerweile auch die USA annähern. Dass das Auto zum „Kronzeugen“ gegen den eigenen Fahrer werden kann, zeigen Fälle von Tesla, bei denen das Unternehmen Videoaufnahmen und Fahrprotokolle zur Strafverfolgung an Ermittler übergab. Auch General Motors geriet in die Kritik, da das Unternehmen Fahrdaten massenhaft sammelte und sie für behördliche oder versicherungstechnische Auswertungen zugänglich machte.
Wachsende Sicherheitsbedenken in der deutschen Politik
Auch in der deutschen Politik wächst die Sensibilität für diese Sicherheitsrisiken. So betonte der SPD-Digitalexperte Johannes Schätzl gegenüber dem Handelsblatt, dass der Erfolg chinesischer Hersteller neue Sicherheitsfragen aufwerfe. Er sehe den Zugriff auf Sensor- und Umfelddaten besonders kritisch.
Sollten diese Informationen dem chinesischen Staat zugänglich sein, könnten sie laut Schätzl für Cyberangriffe oder militärische Operationen missbraucht werden. Er fordert daher einen verstärkten Schutz für Polizei und Bundeswehr.
Mögliche Zulassungsverbote für unsichere Fahrzeugmodelle
Diskutiert werden neben punktuellen Nutzungseinschränkungen auch weitreichende Marktschranken. Bei „gravierenden, bestätigten Vorfällen“ könne es am Ende sogar „notwendig werden, die Zulassung bestimmter Hersteller oder Modelle im deutschen Straßenverkehr zu untersagen“, sagte Schätzl dem Handelsblatt. Das Problem möglicher Fernzugriffe bestehe zwar bei allen vernetzten Pkw, verschärfe sich jedoch dort, wo Firmen staatlichen Zugriffspflichten unterliegen und Transparenz kaum möglich ist.
Behörden warnen vor intransparenter Datenverarbeitung
Trotz fehlender Belege für akute Spionagefälle wollen die Behörden die Entwicklungen bei der Cybersicherheit von E-Autos aus Fernost im Blick behalten. Zwar stellt der Verfassungsschutz klar, dass „keine konkreten Erkenntnisse zu chinesischer Spionage durch Technik“ vorlägen, doch warnt das Innenministerium vor der Komplexität der Datensysteme in chinesischen Modellen.
Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) weist zudem darauf hin, dass die meisten modernen Fahrzeuge technisch dazu fähig sind, „während der Fahrt Daten wie Ortsinformationen sowie Kamera- und Sensordaten aufzuzeichnen“ und direkt an die Hersteller zu senden. Für Verbraucher ist dieser Prozess kaum nachvollziehbar, zumal die Datenverarbeitung im Nicht-EU-Ausland oft intransparent bleibt.
Fazit
Sicherheitsbehörden warnen vor Fernzugriffen und staatlicher Datennutzung bei vernetzten E-Autos chinesischer Bauart. Bislang sind keine konkreten Spionagefälle bekannt, weshalb die Behörden die Marktentwicklung vorerst nur aufmerksam beobachten. Diese Skepsis gegenüber ausländischen Zugriffen ließe sich allerdings auch auf die USA übertragen, wo Hersteller ebenfalls zur Kooperation mit Sicherheitsorganen verpflichtet werden können (siehe Cloud Act).
Quellen
Handelsblatt: Verfassungsschutz warnt vor Fernzugriff auf chinesische E-Autos
Auto Motor und Sport: Verfassungsschutz warnt vor China-E-Autos
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