das Wichtigste zuerst
- „Rettung des Verbrenners“: E-Fuels ermöglichen durch die Kombination von Wasser, CO₂ und Ökostrom eine saubere Perspektive für klassische Verbrenner-Motoren.
- Effizienz-Debatte: Experten kritisieren den im Vergleich zum E-Auto fünffach höheren Strombedarf und halten die Technik für den Individualverkehr für ungeeignet.
- Contra: Enorm hohe Investitionskosten von schätzungsweise einer Billion Euro sowie der komplexe Aufbau neuer Raffinerien erschweren die Skalierung.
- Pro: Die synthetischen Kraftstoffe nutzen das bestehende Tankstellennetz und dienen als ideales Speichermedium für Energieimporte aus Sonnenregionen.
- Fazit: E-Fuels sind zwar kein Klima-Allheilmittel für den Massenmarkt, könnten aber für Millionen Bestandsfahrzeuge eine wichtige Option zum klimaschonenden Weiterbetrieb bieten.

© luchschenF / shutterstock.com (Symbolbild)
CDU-Staatssekretärin gibt sich als E-Fuel-Fan
Die CDU-Politikerin Gitta Connemann zeigt sich am offenen Spritkanister des neuen E-Fuels sichtlich hingerissen. „Nicht, dass ich noch anfange zu schnüffeln, ich mag den Geruch“, konstatiert die Staatssekretärin, während sie die hellblaue Flüssigkeit im BMW-Werk begutachtet.
Offenbar wirkte sich der Duft des Kraftstoffs auf ihre anschließende Einschätzung geradezu euphorisierend aus. Für Connemann sind die synthetischen Kraftstoffe – ähnlich wie die Mondlandung – nämlich „ein großer Schritt für die Menschheit“.
Eine „neue Perspektive“ für Verbrenner
Die Basis für E-Fuels sind Wasser, CO₂ und Strom aus regenerativen Quellen. Connemann sieht in dem synthetischen Sprit daher eine Chance, Autos mit Verbrennungsmotor auch über die Verkehrswende hinaus weiterzubetreiben. Ihr Ansatz lautet: „Mit E-Fuels geben wir dem Verbrennungsmotor eine neue, saubere Perspektive.“
Energie-Experte: E-Autos sind effizienter
Dem steht die Analyse von Professor Michael Sterner gegenüber. Der Experte für Energietechnik hält synthetische Kraftstoffe aufgrund ihrer mangelnden Effizienz für ungeeignet für den Individualverkehr. Er fordert stattdessen einen beschleunigten Umstieg auf E-Autos und betont in der ARD-Sendung „Panorama“, dass die Elektromobilität ausgereift, verfügbar und effizient sei.
Was gegen E-Fuels spricht
Für die Herstellung von E-Fuels sind enorme Strommengen erforderlich. Im Vergleich zur direkten Nutzung von E-Autos ist der Bedarf mindestens fünfmal so hoch. Neben der Energie sind zudem üppige Investitionen für den Aufbau einer völlig neuen Infrastruktur notwendig. Für die Produktion muss CO₂ aus der Luft gefiltert und Wasserstoff erzeugt werden, bevor Hunderte neue Raffinerien daraus den flüssigen Kraftstoff gewinnen.
Das industrieorientierte Institut Concawe beziffert die Kosten für rund 63 Millionen Tonnen E-Fuels gemeinsam mit dem Konzern Aramco auf mindestens eine Billion Euro. Zum Vergleich: Der aktuelle deutsche Kraftstoffbedarf liegt bei jährlich etwa 50 Millionen Tonnen.
Wo E-Fuels punkten
Nichtsdestotrotz könnten E-Fuels trotz ihrer geringen Effizienz ein wichtiger Baustein zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors sein. Ihr größtes Potenzial liegt in der sofortigen Nutzbarkeit für die bestehende Bestandsflotte aus Millionen von Verbrennungsmotoren. Da diese Kraftstoffe chemisch mit herkömmlichem Benzin oder Diesel fast identisch sind, erfordern sie keine neue Infrastruktur und können über das vorhandene Tankstellennetz verteilt werden.
Zudem fungieren sie als ideales Speichermedium für erneuerbare Energien aus sonnenreichen Regionen der Welt. Dort kann überschüssiger Strom in flüssiger Form gespeichert und über weite Strecken nach Europa transportiert werden, was mit reinem Strom bisher kaum möglich ist.
Fazit
Welche Bedeutung E-Fuels für die Verkehrswende und den künftigen Mobilitätsmix haben, wird sich in Zukunft zeigen. Dass es sich nicht um eine Erfindung handelt, die einen überschwänglichen Vergleich mit der Mondlandung rechtfertigt, bleibt festzuhalten.
Dennoch sollte man den synthetischen Kraftstoff nicht abschreiben. Durch seinen Einsatz könnten Millionen von Verbrenner-Bestandsfahrzeugen potenziell klimaschonend weiterbetrieben werden, was besonders in schwer elektrifizierbaren Bereichen von Vorteil wäre.
Quellen
Tagesschau: Zukunft der E-Fuels
ADAC – E-Fuels: Sind synthetische Kraftstoffe die Zukunft?
ZDFheute – E-Fuels für Verbrenner: Chance für klimaneutrales Fahren?
Bundestag – Förderung von E-Fuels und Biokraftstoffen
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