Nachdem sie E10 getankt hatten: 14 Autos mit Motorschäden

23.01.2026 - 4 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Verwässerter Sprit: Nach einem Tankstopp an HEM-Stationen in Norderstedt erlitten mindestens 14 Fahrzeuge schwere Motorschäden. Der Verdächtige: E10-Kraftstoff.
Hohe Instandsetzungskosten: Die Betroffenen kämpfen mit Reparaturrechnungen von teils über 2.000 Euro für zerstörte Einspritz- und Verbrennungssysteme.
Ungeklärte Haftungsfrage: Während die Polizei ermittelt, fordert der Betreiber via Anwalt Kostenvoranschläge an, verweigert bisher aber eine verbindliche Zusage zur Kostenübernahme.
Kraftstoffqualität: Die Vorfälle stehen nicht im Zusammenhang mit der E10-Mischung an sich, sondern gehen wohl auf eine externe Verunreinigung zurück.
Wichtige Schritte: Geschädigte müssen für Ersatzansprüche Quittungen aufbewahren, Proben sichern und das Fahrzeug sofort per Abschleppwagen in die Werkstatt bringen.

Nachdem sie E10 getankt hatten: 14 Autos mit Motorschäden

© MI-Images / shutterstock.com (Symbolbild)

Vom Tankstopp zum Totalausfall

Ein gewöhnlicher Tankstopp in Norderstedt endete für mehr als ein Dutzend Autofahrer in einem echten Albtraum. Wer am 13. Januar zwischen 6 und 22 Uhr eine der beiden HEM-Tankstellen in dem Stadtgebiet ansteuerte, kämpfte kurz darauf mit massiven Technikproblemen bis hin zum Motorschaden.

Kurz nach dem Tanken ruckelte es

Wie die betroffenen Autofahrer übereinstimmend berichten, fingen ihre Wagen kurz nach dem Tankstopp an zu ruckeln. Nachdem die Motoren schließlich komplett den Dienst versagten, mussten die Autos abgeschleppt und untersucht werden. Die Analyse des Kraftstoffs brachte einen erhöhten Wasseranteil im E10 ans Licht. Die Werkstätten sehen darin die eindeutige Ursache für die aufgetretenen Motorschäden.

Das steckt hinter dem Kürzel E10

Hinter der Bezeichnung E10 verbirgt sich ein Ottokraftstoff, der bis zu zehn Prozent Bioethanol enthält. Er wurde im Jahr 2011 eingeführt, um den Verbrauch fossiler Energien und den Ausstoß von CO₂ zu reduzieren. Das „E“ steht dabei für Ethanol, die Zahl gibt den maximalen Prozentsatz der Beimischung an. In der Regel vertragen fast alle modernen Benzinmotoren diese Mischung problemlos, sofern sie vom Hersteller dafür freigegeben wurden.

Teils mehr als 2.000 Euro Schaden pro Auto

Die finanziellen Folgen des verunreinigten Kraftstoffs sind für viele Autobesitzer erheblich. So beziffert ein Geschädigter seine Kosten auf etwa 464 Euro zuzüglich 150 Euro für einen Leihwagen. In anderen Fällen belaufen sich die Forderungen der Werkstätten auf knapp 1.400 Euro oder erreichen sogar die 2.000-Euro-Marke. Bislang gibt es keine Klarheit darüber, ob und wann die Kosten erstattet werden.

Ermittlungen und Haftung

Nach aktuellem Stand zeigt sich HEM immerhin zu einer Prüfung der Vorfälle bereit. Den Betroffenen wurde eine zentrale E-Mail-Adresse mitgeteilt, über die sie ihre entstandenen Schäden offiziell melden können. Einige Autofahrer haben zudem inzwischen Post von einem Anwalt des Betreibers erhalten, in der ihnen eine umfassende Sachverhaltsprüfung zugesichert wird.

In dem Schreiben wurden die Geschädigten aufgefordert, ihre Kostenvoranschläge oder Werkstattrechnungen einzureichen. Eine öffentliche Stellungnahme sowie eine verbindliche Zusage zur Kostenübernahme stehen jedoch noch aus. Zudem ist bisher völlig unklar, ob HEM den verunreinigten Kraftstoff bereits eigenen Laboruntersuchungen unterzogen hat.

Falsch oder schlecht getankt – was nun?

Ob bei verunreinigtem Kraftstoff oder einer klassischen Fehlbetankung, durch schnelles und sachgemäßes Handeln lässt sich das Ausmaß der drohenden Schäden deutlich begrenzen.

Unverzügliches Abstellen des Motors: Bei ersten Anzeichen von Ruckeln oder Fehlermeldungen muss der Motor sofort abgeschaltet werden. Ein Weiterbetrieb führt zur Verteilung von Verunreinigungen oder falschem Kraftstoff im gesamten Einspritzsystem.

Abgleich des Tankbelegs: Die Quittung dient als erster Nachweis, um zwischen einer Fehlbetankung und einer Verunreinigung durch den Betreiber zu unterscheiden.

Transport per Abschleppwagen: Um mechanische Folgeschäden zu verhindern, darf das Kfz nicht mehr gestartet werden. Die Überführung in die Werkstatt muss zwingend per Fahrzeugtransport durchgeführt werden.

Sicherung von Kraftstoffproben: Vor der Tankreinigung muss eine Probe des Inhalts in einem versiegelten Behälter sichergestellt werden. Dies ist die Voraussetzung für spätere Laboranalysen und Schadensersatzforderungen.

Quellen

NDR: Norderstedt – Autofahrer tanken E10 und bleiben mit Motorschäden liegen

noa4: Schlechtes Benzin? Autofahrer hat nach Tanken Motorschaden

Hamburger Abendblatt: Norderstedt – Polizei & News –

ADAC: Super E10 – Wer den Sprit tanken darf und welche Vorteile er hat

Weitere News!