das Wichtigste zuerst
• Moped-Autos: Auch Microcars genannt, sind vierrädrige Leichtfahrzeuge mit 6 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.
• Kein Pkw-Führerschein erforderlich: Zum Führen der Leichtkraftfahrzeuge reicht Klasse AM, die bereits ab 15 Jahren erworben werden kann.
• Sicherheitsbedenken: Experten kritisieren das Fehlen von Knautschzonen sowie das meist nicht vorhandene ABS und den Verzicht auf Airbags.
• Statistik: Die Unfallhäufigkeit liegt zwar knapp unter der von Pkw, wird jedoch durch das Fahrverbot auf Autobahnen und Schnellstraßen begünstigt.
• Kosten und Werterhalt: Mit Preisen zwischen 9.000 und 20.000 Euro sind sie teurer als Mopeds, erzielen aber auf dem Gebrauchtwagenmarkt oft noch gute Wiederverkaufswerte.

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Kleinwagen-Feeling ohne Pkw-Führerschein
Einsteigen, anschnallen, losfahren! Sarah Fandel ist auf dem Weg zur Schule. An und für sich nichts Ungewöhnliches, wäre Sarah nicht erst 16 Jahre alt. Zudem ist ihr weißer Wagen kein regulärer Kleinwagen, sondern ein sogenanntes Moped-Auto, das auch unter dem Namen Microcar bekannt ist. Unter der Haube wirken knapp sechs PS. Das Limit sind 45 km/h, gut sichtbar auf einem Aufkleber am Heck des Leichtfahrzeuges.
Die nötige Fahrerlaubnis der Klasse AM kann bereits ab dem 15. Lebensjahr erworben werden. Für Sarah bedeutet das Microcar vor allem Freiheit und Eigenständigkeit. „Ich bin mobiler und auch unabhängiger von Bussen und meinen Eltern, wenn die zum Beispiel arbeiten sind.“
Elf Kilometer bis zur Schule: Herausforderungen im ländlichen Raum
Sarah Fandel lebt in Weidingen, einer 170-Seelen-Gemeinde in der Eifel. Ihr Gymnasium befindet sich in Neuerburg, das elf Kilometer entfernt liegt. Lediglich dreimal täglich verkehrt hier der Bus. Ohne Kraftfahrzeug ist man verloren. Das gilt nicht nur für die Fahrt zur Schule, sondern auch für das Training im Club oder Verabredungen mit Bekannten. Meist hilft nur das Elterntaxi.
Daher ist das Moped-Auto eine gute Alternative, findet Sarahs Vater, Johannes Fandel. Er hatte es ursprünglich für Sarahs ältere Schwester angeschafft. „Wenn ich auf die Tachonadel schaue, sind fast 16.000 Kilometer gefahren, alles Kilometer, die wir sonst mit den Kindern hätten bewerkstelligen müssen, und dafür sind wir dankbar. Und auch dafür, dass die Kinder mit diesem Fahrzeug verantwortungsvoll umgehen.“
So viele Microcars gibt es in Deutschland
Wie viele dieser Microcars hierzulande zirkulieren, lässt sich nicht auf „gewöhnlichem Wege“ berechnen. Die Gefährte müssen nicht wie reguläre Pkw beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) registriert werden, sondern dürfen mit Versicherungskennzeichen verkehren. Deshalb erscheinen sie nicht in der Statistik.
Die Angaben der Versicherer sind da aufschlussreicher: Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zufolge waren im Jahr 2023 etwa 32.000 Moped-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs. Sie schleichen – gemessen an „normalen“ Wagen – eher dahin. Genau das halten Kritiker für riskant.
Kaum Knautschzone: ADAC warnt vor Sicherheitsmängeln
Denn optisch machen die Leichtfahrzeuge nicht den Eindruck eines langsamen Mopeds mit Überdachung und werden daher von anderen Verkehrsteilnehmern oft falsch eingeschätzt. Im Falle eines Unfalls bieten die Moped-Autos außerdem nur wenig Schutz. Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein warnt: „Das Fahrzeug hat keine Knautschzone. Wenn man irgendwo gegenfährt, ist da wenig Luft.“
Zugleich seien die Leichtfahrzeuge mit wenig passiven Sicherheitssystemen ausgestattet. „Airbag, ABS, ESP oder aber auch der Gurtstraffer, was im herkömmlichen Pkw quasi Standard ist, ist in diesen Kleinstfahrzeugen nicht gesetzlich vorgeschrieben und meist auch nicht drin“, so Schmidt.
Auch Microcars crashen regelmäßig, jedoch nicht häufiger als gewöhnliche Pkw. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gibt es bei 1.000 Pkw durchschnittlich rund 50 Schadensereignisse, bei Moped-Autos sind es 47 Fälle. Dazu trägt womöglich bei, dass diese Fahrzeuge nicht auf Schnellstraßen und Autobahnen fahren dürfen.
Preis schlägt Ausstattung und Geschwindigkeit
Insbesondere in ländlichen Regionen, bei Fahrenden unter 17 Jahren sowie bei Senioren gibt es laut ADAC eine Tendenz zum Moped-Auto. Dazu tragen neben der vergleichsweise unkomplizierten Fahrerlaubnis ebenso die Anschaffungskosten bei: Fabrikneu kosten die Microautos zwischen 9.000 und 20.000 Euro, das ABS kann als Extra dazu erworben werden, Airbags sind hingegen faktisch nicht vorhanden.
Der Preis liegt über dem eines Mopeds, der Komfortfaktor jedoch auch. Dient der fahrbare Untersatz lediglich als Überbrückung bis zum ersten echten Auto, kann man beim Wiederverkauf noch einen guten Preis erzielen. Darauf vertraut auch Johannes Fandel – dann, so äußert er, habe sich die Investition erst richtig rentiert.
Ehe Sarah ihren richtigen Autoführerschein in den Händen hält, bleibt sie ihrem Microcar treu. Damit erreicht sie jeden Ort – wenn auch nur mit gemütlichen 45 km/h.
Quellen
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