das Wichtigste zuerst
• Sicherheitsrisiko: Versenkbare Türgriffe erschweren Ersthelfern den Zugang, da sie bei Stromausfall oft nicht ausfahren oder ohne externe Stromquelle gar nicht bedienbar sind.
• Verbot in China: Ab 2027 untersagt China bündige Griffe ohne mechanische Notöffnung.
• Design vs. Funktion: Laut der Unfallforscherin Kirstin Zeidler (GDV) dienen die Griffe in erster Linie der Optik.
• Tragische Präzedenzfälle: Schwere Unfälle wie der Brand eines Tesla Cybertrucks in den USA belegen, dass blockierte Türen Rettungsversuche von außen unmöglich machen können.
• Forderung der Experten: Fachleute plädieren für mechanische Griffe und physische Bedienelemente, die intuitiv erkennbar sind und ohne elektronische Unterstützung funktionieren.

© Jenson / shutterstock.com (Symbolbild)
Griff ins Leere: Die riskante Suche nach dem Türöffner
Glatte Fahrzeugflanken ohne Luftwiderstand – moderne Autos nutzen oft versenkte Türgriffe, die optisch mit der Karosserie verschmelzen. Doch diese Bauweise ist umstritten. Unfallforscher warnen, dass Ersthelfer die Griffe im Notfall nicht sofort finden oder bedienen können. In China ist der Einsatz bündiger Griffe ab 2027 untersagt, sofern sie keine mechanische Notöffnung ermöglichen.
China macht mechanische Griffe zur Pflicht
Auslöser für dieses Verbot waren konkrete Notfälle, bei denen die Türgriffmechanismen versagt hatten. So war es Ersthelfern in China mehrfach nicht möglich, Insassen aus brennenden Elektroautos zu befreien, da die Zugänge blockiert blieben. Die neue Regelung betrifft alle Systeme, die sich vor der Nutzung automatisch ausfahren.
Unfallforscherin: Versenkbare Türgriffe dienen primär der Optik
Doch warum setzen Fahrzeughersteller überhaupt auf die versteckten Türgriffe? Design schlägt Funktion: „Primär werden Griffe aus ästhetischen Gründen gerne auch versenkbar angeboten, weil das gut aussieht“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bei E-Autos zählt zudem jedes Gramm Luftwiderstand: „Gute Aerodynamik meint am Ende auch gerade bei Elektrofahrzeugen mehr Reichweite“, so Zeidler.
Historisch ist der versenkte Türgriff kein Novum, bekannt etwa von früheren Modellen von Aston Martin oder Lamborghini. Dass erste Hersteller nun wieder davon abrücken, spricht allerdings für einen begrenzten praktischen Mehrwert.
China: Vom Massenphänomen zum Verbot
Trotz oder gerade wegen des eher auf Optik und Ästhetik ausgelegten Konzepts verbreiteten sich die versteckten Türgriffe in China stark. Laut „China Daily“ verfügten im April 2025 noch 60 Prozent der 100 meistverkauften Elektro- und Hybridautos über versteckte Griffe.
Hersteller müssen das Design nun erneuern, wobei die Kosten laut einem deutschen Produzenten vor Ort überschaubar bleiben, da man die Zulieferer für klassische Griffe bereits kenne.
Cybertruck-Unfall im Herbst 2024: Drei Studenten sterben in brennendem Tesla
Doch nicht nur in China, sondern auch in den USA stehen die bündigen Griffe in der Kritik. Bekannt wurde die Technik vor allem durch Tesla, das bereits vor Jahren auf versenkbare Außengriffe und elektrische Türöffner im Innenraum setzte. Da das System an den Stromkreis für Fenster und Displays gekoppelt ist, fallen die Öffner im Falle eines Blackouts aus.
Von innen müssen Insassen dann oft versteckte Hebel oder Seile unter Verkleidungen und Sitzen finden. Von außen hingegen lässt sich das Fahrzeug laut Handbuch nur öffnen, wenn an bestimmten Stellen externer 12-Volt-Strom angeschlossen wird – für Retter im Notfall kaum machbar. Wie tödlich das enden kann, zeigte ein Unfall im Herbst 2024: Drei Studenten starben in einem brennenden Cybertruck, weil Helfer die Türen von außen nicht öffnen konnten.
GDV rät zu sofort erkennbaren Türöffnern
Aufgrund dieser tödlichen Vorfälle und der Probleme in Notfallsituationen rät GDV-Unfallforscherin Zeidler von versteckten Türgriffen ab. „Wir halten versenkbare Türgriffe insofern für problematisch, weil sie es bei Unfällen erschweren, sich selbst oder Verletzte aus dem Auto zu retten“, so Zeidler.
Anstelle versenkter Mechanismen plädiert sie für intuitiv bedienbare Türgriffe, deren Funktion von innen wie außen sofort erkennbar sein müsse. Bei lebenswichtigen Systemen solle die Technik der menschlichen Logik und Haptik folgen. Dies gelte zudem für die Fahrzeugbedienung: Zentrale Funktionen wie Blinker, Licht und Scheibenwischer sollten laut der Expertin weiterhin über physische Knöpfe und Hebel gesteuert werden.
Quellen
n‑tv: Versenkbare Türgriffe – Designtrend kann im Notfall gefährlich werden
ADAC Presse: Versenkbare Türgriffe können Sicherheitsrisiko sein
ADAC Ratgeber: Rettungskarte fürs Auto
Taxi Heute: Warnungen vor versenkbaren Türgriffen nach Tesla‑Unfall
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