das Wichtigste zuerst
- Protestaktion in Potsdam: Rund 250 Fahrlehrer haben angekündigt, gegen die Führerschein-Pläne des Bundesverkehrsministeriums (BMV) zu demonstrieren.
- Kosten senken: Das BMV will den Führerschein billiger machen, da der Durchschnittspreis mittlerweile bei rund 3.400 Euro liege.
- Kritikpunkte: Der Verband lehnt die vorgeschlagenen Apps, Simulatoren und die Reduzierung von Sonderfahrten als Ersatz für echten Unterricht ab.
- Qualitätsverlust der Ausbildung: Fahrlehrer warnen vor einer Gefährdung der Verkehrssicherheit und fordern die Einbindung von Fachleuten.
- Anmelderückgang: Die Reformankündigung hat laut der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände bereits für bis zu 70 Prozent weniger Anmeldungen gesorgt.
Fahrlehrer-Verband warnt vor Führerschein-Reformvorschlägen
Brandenburgs Fahrausbilder wollen in dieser Woche vor dem Potsdamer Landtag gegen die neuen Reformvorschläge von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder demonstrieren. Der

© T.Irina / shutterstock.com (Symbolbild)
Fahrlehrer-Verband befürchtet, dass die Pläne des Ministers sowohl die Qualität der Ausbildung als auch die Verkehrssicherheit gefährden.
Verbandsvorsitzender Hendrik Schreiber erwartet etwa 200 bis 250 Protestierende in Potsdam. Im Gespräch mit der dpa betonte er die Entschlossenheit der Teilnehmer. Man gehe gegen die Pläne des Ministers nun „mächtig auf die Barrikaden“.
Der „Schnieder-Effekt“
Zuvor hatte bereits die BILD berichtet, dass sich die Ankündigungen aus dem Verkehrsressort negativ auf das Geschäft der Fahrschulen auswirken. Laut Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände seien mindestens die Hälfte der Fahrschulen von einem 70-prozentigen Anmelderückgang betroffen.
Offenbar hat die Absichtserklärung Schnieders, die Fahrausbildung wieder billiger zu machen, stark zu diesem Einbruch bei den Anmeldungen beigetragen. Laut dem BMV kostet der „Lappen“ mittlerweile im Schnitt 3.400 Euro.
BMV will Fahrschule digitalisieren und Pflichtstunden reduzieren
Gemäß den Reformplänen des Bundesverkehrsministers könnte das Wissen über die Regeln im Straßenverkehr künftig digital per App statt im Präsenzunterricht vermittelt werden. Die Nutzung von Fahrsimulatoren soll dabei häufiger ermöglicht werden, um Fahrten im echten Verkehr zu ergänzen. Zudem sieht das Vorhaben eine Reduzierung der Pflichtstunden für Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrten vor.
Fahrlehrer befürchten Qualitätsverlust der Ausbildung
Hendrik Schreiber ist überzeugt, dass sich Werte und Einstellungen nur von Angesicht zu Angesicht vermitteln lassen. Simulatoren und Apps sieht er eher als Ergänzung. Digitales Lernen könnte zudem den Erklärungsbedarf in der Praxis erhöhen und die Kosten durch zusätzliche Fahrstunden in die Höhe treiben. Auch Stresssituationen bei Sonderfahrten lassen sich aus seiner Sicht nicht realistisch am Computer simulieren.
Vom Reformstau zum Fahrschulstau
Reformen zur Kostenreduzierung beim Erlangen der Fahrerlaubnis stoßen bei Schreiber grundsätzlich auf Zustimmung. „Man kann Möglichkeiten suchen, den Führerschein preiswerter zu erlangen.“
Die Ausbildung ziehe sich jedoch oft in die Länge und die Politik solle Experten aus der Praxis in die Reformpläne einbeziehen. Er kritisiert zudem eine weitere negative Nebenwirkung des „Schnieder-Effekts“: „Dann entsteht später wieder Stau, wenn alle auf einmal kommen“, so Schreiber.
Quellen
Süddeutsche Zeitung/dpa: Fahrlehrer protestieren gegen Führerschein-Reform
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