das Wichtigste zuerst
- Krise: Explodierende Führerscheinkosten führen zu einem massiven Rückgang der Fahrschulanmeldungen.
- Insolvenzgefahr: Erste Betriebe sind zahlungsunfähig, da die Kosten für die Fahrausbildung von bis zu 4500 Euro die Nachfrage einbrechen lassen.
- Warnung: Der Branchenverband warnt vor einer historischen Pleitewelle, die besonders familiengeführte Betriebe hart trifft.
- Reformkritik: Geplante Maßnahmen wie Simulatoren oder der Wegfall der Theorie-Präsenzpflicht stoßen bei Fahrlehrern auf Widerstand.
- Schnieder-Effekt: Fahrschüler verschieben ihren Ausbildungsstart auf unbestimmte Zeit, da sie auf die angekündigten, günstigeren Bedingungen warten.

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Fahrschulen zerbrechen an Führerscheinkosten
Trotz angekündigter Reformpläne durch das Bundesverkehrsministerium (BMV) droht vielen deutschen Fahrschulen aktuell das Aus. Während Kosten bis zu 4500 Euro laut ADAC bereits seit geraumer Zeit Normalität sind, bewahrheiten sich nun die schlimmsten Befürchtungen der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Erste Betriebe sind bereits zahlungsunfähig und stehen vor dem Ruin.
Branchenverband warnt vor neuer Pleitewelle
Der Branchenverband hatte erst vor kurzem vor einem historischen Kollaps der Fahrschulen gewarnt. In der BILD befürchteten die Vertreter der Branche, dass die Anmeldezahlen um bis zu 50 Prozent einbrechen könnten. Doch die aktuelle wirtschaftliche Realität übertrifft diese düsteren Vorhersagen inzwischen deutlich.
„Mindestens die Hälfte der Fahrschulen ist sogar von einem 70-prozentigen Anmeldeeinbruch betroffen“, so Kurt Bartels (67) von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. „Existenzbedrohend ist das besonders für familiengeführte Betriebe.“
Reformpläne des Verkehrsministeriums in der Kritik
Dabei hatte das Bundesministerium für Verkehr erst Ende letzten Jahres Reformvorschläge für eine bezahlbare Fahrausbildung vorgelegt. Doch die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ins Spiel gebrachten Maßnahmen stießen in der Branche auf Kritik. Viele Betriebe befürchten, dass die Geschäftsmodelle der Fahrschulen dadurch noch unsicherer werden und sie noch weniger Umsatz erwirtschaften.
Dazu gehörten etwa die Abschaffung der Präsenzpflicht im Theorieunterricht und eine deutliche Reduzierung der Prüfungsfragen. Zudem sollten Pflichtfahrten bei Nacht oder auf der Autobahn teilweise durch kostengünstigere Einheiten am Simulator ersetzt werden. Auch die Verkürzung der praktischen Prüfung auf das europäische Mindestmaß von 25 Minuten war Teil des BMV-Entwurfs.
Junge Menschen warten ab: der „Schnieder-Effekt“
Da aber niemand derzeit weiß, wie sich die Preise tatsächlich entwickeln werden, verschieben viele junge Menschen ihren Führerscheinstart auf unbestimmte Zeit. Dies bestätigt auch Fahrlehrer Thorsten Wiegand aus Hohenwestedt in Schleswig-Holstein. „Unsere Fahrschüler erzählen, dass in ihrem Freundeskreis viele noch abwarten, weil es ja günstiger werden soll.“ In der Branche nenne man dies bereits den „Schnieder-Effekt“.
„Bisher hatten wir 15 bis 20 Neuanmeldungen im Monat“, so der Kleinunternehmer. Aktuell seien es aber nur vier bis sechs. Es bliebe ihm nichts anderes übrig, als seine beiden Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Ändert sich die Lage in den kommenden Monaten nicht, müsse er den Laden dichtmachen.
Fahrlehrer: Fehlendes „Verkehrsgefühl“ führt zu hoher Durchfallquote
Vor dem Hintergrund dieser Existenzkrise sind viele betroffene Fahrlehrer von Bundesverkehrsminister Schnieder enttäuscht. Digitale Angebote würden nichts an dem allgemeinen Desinteresse der Fahrschüler ändern.
„Die Aufmerksamkeitsspanne ist so lang wie ein TikTok-Video und die Durchfallquote bei der Theorie liegt bei 65 Prozent. Vielen Schülern fehlt heute das Verkehrsgefühl. Sie schauen als Mitfahrer im Auto der Eltern meist am Handy, nicht auf den Verkehr“, so Fahrlehrer Wiegand.
Quellen
Bild: 70 Prozent weniger Schüler in Schleswig-Holstein
Destatis: Preise für Fahrschule und Führerschein 2024 +5,8 Prozent
BMDV: Reformvorschläge Fahrausbildung 2025
KBA: Fahrerlaubnisse und Prüfungsstatistik
Fahrlehrer-Verband Schleswig-Holstein: Prüfplatzsituation
ZDFheute: Führerscheinpreise steigen erneut stark
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