Der Führerschein als Lockvogel für den Wehrdienst: Bundeswehr wirbt mit Zuschuss

29.08.2025 - 5 min Lesezeit

Warum die Fahrerlaubnis für junge Menschen gerade jetzt so attraktiv ist

Mehr Netto vom Brutto, Sprachkurse und sogar ein günstiger Führerschein: Damit will Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) junge Menschen für den Wehrdienst begeistern. Eine Straßenumfrage zeigt: Diese Anreize können für junge Menschen durchaus verlockend sein, zumal die Kosten für die Fahrerlaubnis in den letzten Jahren explodiert sind.

Der Führerschein als Lockvogel für den Wehrdienst: Bundeswehr wirbt mit Zuschuss

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Anreize für den Wehrdienst

Welche Anreize will das Bundesverteidigungsministerium für neue Wehrdienstleistende schaffen?
Höheres Einstiegsgehalt, Soldatenstatus und Zuschüsse, unter anderem für den Führerschein.

Vor allem finanzielle Anreize sollen junge Menschen zum Dienst an der Waffe bewegen. Auf Anfrage von br.de teilte das Verteidigungsministerium mit, dass die Bezahlung der „neuen“ Wehrdienstleistenden erhöht werden solle. Geplant ist ein Einstiegsgehalt von 2.700 Euro brutto, also etwa 800 Euro mehr als bisher.

Zusätzlich sollen neue Wehrdienstleistende sofort den Status „Soldat auf Zeit“ erhalten und damit von Beginn an Vorteile wie Berufsförderung, Fürsorgeleistungen und eine Rentennachversicherung genießen. Auch Sprachkurse, Sportcamps sowie Zuschüsse für den von jungen Menschen heiß begehrten Führerschein sollen zu den neuen Privilegien der Bundeswehr-Frischlinge gehören.

Straßenumfrage mit gemischten Reaktionen

Wie reagieren junge Menschen auf die Anreize der Bundeswehr?
Laut einer Straßenumfrage in München sind die Meinungen geteilt: Einige finden das höhere Gehalt attraktiv, andere lehnen den Dienst ab.

Doch reicht das alles aus, um junge Menschen zu überzeugen? In einer Straßenumfrage des BR in München klaffen die Meinungen – auch je nach Lebensphase – auseinander. So berichtet der 21-jährige Simon Zanken, dass ihn das höhere Nettogehalt durchaus reizen würde und er dem Militärdienst grundsätzlich offen gegenüberstehe: „Ich würde zur Bundeswehr gehen, um für Deutschland zu dienen. Da hätte ich Lust drauf.“

Andere zeigen sich hingegen skeptischer. So meint der 16-jährige Marlon Grupp: „Die Bezahlung ist schon verlockend, aber ich würde da trotzdem nicht gerne hingehen. Ich finde, die Politik sollte sich mehr für Frieden einsetzen.“

Für diejenigen, die bereits in Ausbildung oder Studium stecken, kommt ein Dienst häufig nicht mehr infrage. Die 23-jährige Julina Kissner erklärt: „Wenn ich nochmal 18 wäre, würde ich vielleicht nochmal darüber nachdenken, aber heute ist es für mich zu spät, weil ich mitten im Studium stecke.“

Der Führerschein ist für viele ein teurer Traum geworden

Wie viele kostet es mittlerweile, den Führerschein zu machen?
Der Führerschein der Klasse B kostet in Deutschland aktuell zwischen 2.500 € und 4.500 €.

Dass sich eher jüngere Menschen von den finanziellen Anreizen überzeugen lassen, ist nachvollziehbar. Der Führerschein gilt oft als Meilenstein der persönlichen Entwicklung und des Erwachsenwerdens. Doch viele können sich die Kosten für Anmeldung, Fahrstunden und Prüfungen nicht ansatzweise leisten.

Einer Erhebung des ADAC zufolge müssen Fahrschüler mittlerweile zwischen 2.500 und 4.500 Euro hinblättern, um am Ende tatsächlich den Führerschein in der Hand zu halten. Aus eigener Tasche bezahlen können ihn nur noch 22 Prozent der befragten Fahrerlaubnis-Anwärter.

Viele rasseln durch Theorie und Praxis

Wie hoch sind die Durchfallquoten beim Führerschein?
Letztes Jahr lagen sie bei 45 % in der Theorie und 37 % in der Praxis (Klasse B).

Was diese Kosten zusätzlich in die Höhe treibt, ist der hohe Schwierigkeitsgrad der Prüfungen. Die oben genannten Kosten beziehen sich auf den Idealfall, dass sowohl die theoretische als auch die praktische Prüfung beim ersten Mal bestanden werden, was vielen gar nicht gelingt.

Tatsächlich betrug die Durchfallquote in der Klasse B im Jahr 2024 laut Angaben des TÜV-Verbands im Durchschnitt 45 Prozent bei der Theorieprüfung und 37 Prozent bei der Praxisprüfung, Tendenz steigend.

50 Prozent mehr Betrugsversuche seit 2020

Wie verbreitet ist Betrug bei Führerscheinprüfungen?
Laut TÜV-Verband sind die Betrugsversuche seit 2020 um fast 50 Prozent gestiegen.

Die hohen Durchfallquoten führen dazu, dass viele Prüflinge nach Abkürzungen suchen. Dabei greifen immer mehr von ihnen auch auf Betrugsversuche zurück. Ob heimliche Spickzettel, versteckte Smartphones, unerlaubte Hilfsmittel oder Stellvertreter in der Prüfung: Die Methoden sind vielfältig und werden immer ausgebuffter.

Experten warnen, dass diese Entwicklung nicht nur unfair gegenüber ehrlichen Prüflingen ist, sondern mittelfristig auch die Verkehrssicherheit gefährden kann. Laut dem TÜV-Verband sind die Betrugsfälle seit 2020 um fast 50 Prozent angestiegen.

Quellen: br.de, adac.de, wdr.de, tuev-verband.de

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