CO₂-Trickserei: Studie erklärt, warum Tanken wirklich teurer ist

25.02.2026 - 5 min Lesezeit
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Vorwurf der Abzocke: Laut einer Studie fallen die aktuellen Preissteigerungen beim Sprit mit bis zu 10 Cent pro Liter deutlich höher aus, als es die neue CO₂-Bepreisung von etwa 3 Cent rechtfertigen würde.

Sprit ist zu teuer: Selbst unter Berücksichtigung von Ölpreisen und Wechselkursen kosten Benzin und Diesel demnach aktuell rund 6 bis 7 Cent pro Liter zu viel.

Vorgezogene Kosten: Anbieter kalkulieren bereits jetzt mit den Preisen der erst im Juli startenden CO₂-Zertifikate-Auktionen und legen diese Kosten frühzeitig auf die Kunden um.

Kritik an Preisbildung: Da zwei Drittel der Preissteigerung nicht durch die CO₂-Abgabe erklärbar sind, fordern Ökonomen mehr Transparenz für die Verbraucher an der Zapfsäule.

CO₂-Trickserei: Studie erklärt, warum Tanken wirklich teurer ist

© Pawel Michalowski / shutterstock.com (Symbolbild)

Studie des RWI Essen: Benzin und Diesel sind 7 Cent teurer als nötig

Zum Jahreswechsel sind die Spritpreise an den Tankstellen deutlich angestiegen. Der Liter kostet bis zu 10 Cent mehr – angeblich wegen der CO₂-Abgabe. Eine Studie des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung widerlegt diese Begründung jedoch. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der Preis für einen Liter Kraftstoff effektiv um 6 bis 7 Cent zu hoch ausfällt.

Neues CO₂-System: Warum Sprit eigentlich nur etwa 3 Cent teurer sein dürfte

Die Preisbildung bei CO₂ hatte sich im Januar geändert. Während der Preis im Vorjahr noch bei festen 55 Euro pro Tonne lag, darf er jetzt zwar steigen, ist aber bei 65 Euro gedeckelt. Laut dem Experten Manuel Frondel rechtfertigt dieser begrenzte Anstieg allerdings nur ein Plus von maximal 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel. In diesen Beträgen ist die Mehrwertsteuer bereits enthalten.

Tankstellen-Verband: Spritpreis-Rechnung geht nicht auf

Der Tankstellenverband „en2x“ hat nachgerechnet und kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie das RWI. Demnach hat der CO₂-Preis im Jahr 2025 einen Aufschlag von 13,2 Cent bei Benzin und 14,7 Cent bei Diesel verursacht. Aktuell sind es bis zu 15,6 Cent für Benzin und 17,4 Cent für Diesel. Das sind lediglich bis zu 2,4 Cent mehr bei Benzin sowie 2,7 Cent mehr bei Diesel und Heizöl gegenüber dem Vorjahr.

Intransparente Preise: RWI-Ökonom fordert Klarheit für Autofahrer

Der tatsächliche Preissprung lag laut RWI jedoch bei fast zehn Cent pro Liter. Das bestätigt auch der ADAC: Im Januar hat sich Diesel um 9,4 Cent und Super E10 um 8,6 Cent verteuert. Erschwerend kommt hinzu, dass die offiziellen Versteigerungen der CO₂-Zertifikate erst am 1. Juli beginnen

„Die Frage, welcher CO₂-Preis aktuell tatsächlich eingepreist wird, ist völlig unklar“, bemängelt Frondel gegenüber der FAZ. Der Ökonom Patrick Thiel vom RWI ergänzt, dass die Bevölkerung ein Recht darauf habe zu erfahren, wie sich die Preise an der Zapfsäule zusammensetzen.

Vorgezogene Erhöhung: ADAC kritisiert Kalkulation der Konzerne

Ein ADAC-Sprecher gab gegenüber der FAZ an, dass die Anbieter aufgrund der im Juli anstehenden Auktionen bereits jetzt mit hohen Werten kalkulieren. Das hat zur Folge, dass Kunden bereits heute fast den vollen CO₂-Preis bezahlen müssen.

Dennoch ist der Sprit laut RWI im Vergleich zum Dezember zu teuer, selbst wenn man den Ölpreis und die Wechselkurse berücksichtigt. Demnach kostet der Liter Super E10 6,5 Cent und Diesel 7,4 Cent zu viel. Zwei Drittel der Preissteigerung lassen sich somit nicht mit der CO₂-Abgabe erklären.

Fazit

Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Preissteigerungen an den Tankstellen als gezielte Preistreiberei. Die Anbieter nutzen die gestiegene CO₂-Abgabe lediglich als Vorwand, um die Preise weit über das notwendige Maß hinaus anzuheben. Während diese Erhöhung rechnerisch nur knapp 3 Cent ausmacht, wurden in ihrem Windschatten bis zu 10 Cent mehr pro Liter aufgeschlagen.

Dabei preisen die Konzerne unter anderem mögliche Kosten durch Zertifikate-Auktionen im Juli bereits jetzt ein. Unterm Strich ist der Sprit somit laut Experten um 6 bis 7 Cent pro Liter überteuert, da zwei Drittel des Preisschocks nichts mit der CO₂-Abgabe oder dem Ölmarkt zu tun haben.

Quellen

BILD – Spritpreis um 7 Cent zu hoch! Neue Studie enthüllt Autofahrer-Abzocke

en2x: Mehrkosten für den Klimaschutz

ADAC: Tanken im Januar gegenüber Dezember stark verteuert

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