das Wichtigste zuerst
• Europaweite Kontrollwoche: Im Rahmen der ROADPOL „Speedweek“ wird vom 13. bis 19. April verstärkt geblitzt, mit einem bundesweiten Schwerpunkt am 15. April.
• Saarland als Ausnahme: Während fast alle Bundesländer teilnehmen, verzichtet das Saarland erneut und setzt stattdessen auf kontinuierliche Verkehrsüberwachung.
• Zweifel am Lerneffekt: Experten und Studien belegen, dass die Aktion zwar die Aufmerksamkeit schärft, aber kaum eine dauerhafte Verhaltensänderung bei Autofahrern bewirkt.
• Bußgeldvorwürfe hinterfragen: Da technische Messfehler keine Seltenheit sind, sollten Betroffene Bußgeldbescheide fachlich prüfen lassen, statt Vorwürfe ungeprüft zu akzeptieren.

© r.classen / shutterstock.com (Symbolbild)
ROADPOL-Aktionswoche: Europaweite Jagd auf Temposünder
Seit Beginn dieser Woche führen Deutschland und die meisten EU-Mitgliedstaaten im Rahmen des alljährlichen Blitzer-Marathons wieder verstärkt Verkehrskontrollen durch. Ziel dieser intensiven Geschwindigkeitsüberwachung durch das Polizeinetzwerk ROADPOL ist es, Verkehrsteilnehmer für die Risiken unangepasster Geschwindigkeit zu sensibilisieren.
Dabei setzt die Polizei während der gesamten Aktionswoche auf täglich wechselnde Kontrollschwerpunkte. Der ROADPOL-Kalender sieht hierfür jährlich zwei Phasen vor: Die aktuelle „Speedweek“ läuft vom 13. bis 19. April, wobei der 24-stündige Blitzer-Marathon am 15. April den Höhepunkt markiert. Eine weitere Kontrollwoche ist für den Zeitraum vom 3. bis 9. August terminiert.
| Zeitraum | Kontrollschwerpunkt | Details & Besonderheiten | ||
|---|---|---|---|---|
| 09. – 15. Februar | Lkw & Busse | Technik, Beladung sowie Lenk- und Ruhezeiten | ||
| 09. – 15. März | Anschnallpflicht | Gurtkontrollen und Sicherheit von Kindersitzen | ||
| 13. – 19. April | Speedweek I | Blitzermarathon am 15. April | ||
| 04. – 10. Mai | Lkw & Busse | Zweite europaweite Kontrollwoche für Schwerlastverkehr | ||
| 01. – 07. Juni | Zweiräder | Zustand der Maschinen, Ausrüstung und Fahrverhalten | ||
| 15. – 21. Juni | Alkohol & Drogen | 24h-Kontrollschwerpunkt am 19. Juni | ||
| 03. – 09. August | Speedweek II | Zweite Aktionswoche mit Fokus auf Tempo | ||
| 16. – 22. September | Safety Days | Kampagne für einen Tag ohne Verkehrstote | ||
| 05. – 11. Oktober | Ablenkung | Fokus auf Handynutzung und andere Geräte am Steuer | ||
| 16. – 22. November | Lkw & Busse | Dritte Kontrollwoche für gewerblichen Güterverkehr | ||
| 14. – 20. Dezember | Alkohol & Drogen | Verstärkte Kontrollen zur Weihnachtszeit |
Nur ein Bundesland verzichtet auf die „Speedweek“
Der aktuelle Blitzer-Marathon findet bundesweit statt, wobei lediglich das Saarland der Aktion fernbleibt. In fast allen anderen Ländern, wie etwa Hessen oder Sachsen, wird die komplette Woche vom 13. bis 19. April intensiv kontrolliert. Bayern und Baden-Württemberg beschränken sich hingegen primär auf den zentralen Aktionstag am 15. April. Die saarländische Entscheidung gegen die Teilnahme stützt sich auf die Überzeugung, dass punktuelle PR-Aktionen weniger bringen als dauerhafter Kontrolldruck, weshalb man die Ressourcen dort anders einsetzen will.
Experten zweifeln an dauerhaftem Lerneffekt
Ob die sogenannte „Speedweek“ tatsächlich eine nachhaltige Verhaltensänderung bei Temposündern bewirkt, ist unter Experten jedoch umstritten. Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte gegenüber der dpa, die Aktion schärfe das Bewusstsein für Tempolimits zwar kurzzeitig, eine dauerhafte Wirkung bleibe jedoch aus. „Ein Blitzermarathon sorgt für eine kurzzeitige Aufmerksamkeit für das Thema Geschwindigkeit. Das ist erst einmal eine gute Sache, aber es wirkt nicht dauerhaft“, so die Unfallforscherin.
Wissenschaftliche Rückendeckung erhält diese Kritik durch eine Studie der Universität Passau. Nach der Auswertung von 1,5 Millionen Verkehrsunfällen im Zeitraum von 2011 bis 2014 bestätigten die Experten, dass Blitzer-Marathons keine dauerhafte Verhaltensänderung bewirken. Die Analyse zeigt deutlich, dass der disziplinierende Effekt der Kontrollen schon nach kurzer Zeit wieder verfliegt.
Wo die Blitzer-Standorte veröffentlicht werden
Viele Bundesländer kündigen einen Teil ihrer Blitzer-Standorte vorab an, um den Vorwurf der bloßen Abzocke zu entkräften und die Fahrer flächendeckend zur Vorsicht zu mahnen. Wer wissen will, wo gemessen wird, findet Listen meist auf den Webseiten oder Social-Media-Kanälen der Polizei. Kontrolliert wird dabei vor allem dort, wo es gefährlich ist oder besonderer Schutz nötig ist, etwa an Schulen und in Wohngebieten.
Jan Ginhold: Bußgeldvorwürfe immer prüfen lassen
Durch die intensive Überwachung während des europaweiten Blitzer-Marathons geraten deutlich mehr Autofahrer in den Fokus der Behörden. Wer Post bekommt, sollte nicht gleich den Kopf hängen lassen. Da Messfehler in der Praxis keine Seltenheit sind, empfiehlt sich eine fachliche Prüfung. Erst die Einsicht in die Ermittlungsakte schafft Klarheit darüber, ob die erhobenen Bußgeldvorwürfe überhaupt juristisch haltbar sind.
Coduka-Geschäftsführer Jan Ginhold rät daher: „Insbesondere in Zeiten, in denen das Geld knapp ist, sollte man die Möglichkeit in Anspruch nehmen, unnötige Bußgeldzahlungen zu vermeiden. Mit unserem Service Geblitzt.de haben wir schon vielen Verkehrsteilnehmern zu ihrem Recht verholfen. Wir können nur an die Menschen appellieren, gerade jetzt keinen Bußgeldvorwurf ungeprüft zu lassen.“
Quellen
RND zum Start der Blitzerwoche
ADAC zur Speedweek im April 2026
Süddeutsche.de: Expertin: Blitzermarathon wirkt nur kurzfristig
ROADPOL Operations Plan 2026
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