Automatik schlägt Schaltgetriebe: Warum Fahrschüler E-Autos bevorzugen

30.03.2026 - 5 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Elektrifizierte Fahrschule: Laut Statistiken ist jedes fünfte Fahrschulauto in Deutschland bereits ein E-Auto (18,6 Prozent).
B197-Regelung als Hürde: Trotz Prüfung im Elektroauto müssen Fahrschüler weiterhin mindestens zehn Stunden auf einem Schaltwagen absolvieren, um die volle Fahrerlaubnis zu erhalten.
Finanzielle Belastung: Die Pflicht zur „Schaltkompetenz“ zwingt Fahrschulen dazu, einen doppelten Fuhrpark aus Automatik- und Schaltfahrzeugen zu unterhalten.
Forderung nach Reformen: Fahrlehrerverbände befürworten eine Vereinfachung nach Schweizer Vorbild, bei der die Automatik-Prüfung generell zum Führen von Schaltwagen berechtigt.
Diskussion um Sicherheit: Geplante Reformen zur Kostensenkung des Führerscheins stoßen bei Fahrlehrern auf Kritik, da sie die Qualität der Ausbildung gefährden könnten.

Automatik schlägt Schaltgetriebe: Warum Fahrschüler E-Autos bevorzugen

© New Africa / shutterstock.com (Symbolbild)

Warum sich Fahrschüler über E-Autos freuen

Den Führerschein im E-Auto zu machen, wird unter jungen Menschen immer beliebter. Für den 16-jährigen Alvar S. bedeutet das bei seinen Fahrstunden in der Region Itzehoe vor allem eine enorme Erleichterung, da das händische Bedienen des Schaltgetriebes komplett entfällt. „Man kann sich sofort auf das ganze Fahren konzentrieren. Es zieht sofort los und man fährt nicht so langsam an wie mit der Kupplung“, erklärt er die Vorteile.

Fast jedes fünfte Fahrschulauto ist ein E-Auto

Mit seiner Euphorie über das Wegfallen des manuellen Schaltens steht Führerscheinanwärter Schlüter nicht allein da. Dass immer mehr Fahrschüler den Komfort ohne Kupplung suchen, schlägt sich deutlich in den Fuhrpark-Statistiken nieder. Laut Angaben des NDR über die „Moving International Road Safety Association“ kletterte der Anteil der Elektroautos nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf 15,4 Prozent im ersten Quartal 2026 auf rekordverdächtige 18,6 Prozent.

Im Vergleich zu den 17,9 Prozent vom Jahresbeginn 2024 zeigt die Entwicklung klar nach oben, sodass heute bundesweit fast jedes fünfte Fahrschulauto ein Stromer ist.

B197-Regelung: Ohne „Schaltkompetenz“ kein Führerschein

Bürokratische Hürden – wer hätte es gedacht – konterkarieren jedoch den Elektro-Boom in den Fahrschulen. Verantwortlich dafür ist die B197-Regelung: Sie erlaubt zwar seit April 2021 die Prüfung im E-Auto, knüpft die vollständige Pkw-Fahrerlaubnis aber an eine strikte Vorgabe. Schüler müssen zuvor mindestens zehn Fahrstunden mit einem Fahrzeug mit manuellem Schaltgetriebe absolvieren. Erst mit diesem Nachweis gilt der Führerschein später für alle Antriebsarten.

Doppelter Fuhrpark führt zu hohen Kosten für die Fahrschulen

„Wir brauchen zwei Arten von Fahrzeugen: ein Automatikfahrzeug für die Prüfung und die Sonderfahrten sowie ein Schaltfahrzeug für die Grundausbildung“, erklärt Ralph Kleiner und beschreibt damit die wirtschaftliche Härte für seinen Betrieb in Itzehoe. Für den Fahrschulinhaber führt die Regelung dazu, dass er bei 20 Fahrlehrern 30 bis 35 Fahrzeuge bereitstellen muss – eine im Vergleich zu anderen Ländern unverhältnismäßig hohe Investition.

Während in der Schweiz die Automatik-Prüfung zum Führen von Schaltwagen berechtigt, bleibt die Ausbildung hierzulande an starre Auflagen gebunden. Eine Vereinfachung nach Schweizer Vorbild wird daher von den norddeutschen Fahrlehrerverbänden stark befürwortet, wie diese auf Anfrage des NDR Schleswig-Holstein mitteilten.

Der Elektro-Pionier aus dem Norden

Als früher Verfechter der Elektromobilität erwarb Kleiner schon 2014 seinen ersten Stromer. „Damals hatten die Wagen 130 Kilometer Reichweite und mussten acht Stunden laden“, schildert er die Anfänge. Die heutige Fahrzeuggeneration zeige sich deutlich leistungsfähiger. Für die nötigen Rahmenbedingungen hat er viel Kapital in den Ausbau der Energieversorgung gesteckt. Dies umfasst neue Wallboxen für den Fuhrpark und sogar eine finanzielle Unterstützung für Ladeanschlüsse bei den Fahrschulangestellten zu Hause.

Obwohl Elektroautos in der Anschaffung teurer sind, bleiben die Gebühren für Fahrschüler in Itzehoe stabil. Dabei spielt die Antriebsart keine Rolle. „Einfacher ist es für die Schüler im Automatikfahrzeug allemal“, bestätigt Fahrlehrer Rainer Jaksezentis. „Man muss sich keine Gedanken über die Kupplung oder den Schleifpunkt machen und kann sich voll auf den Verkehr konzentrieren.“

Wenig Begeisterung für die Pläne des Bundesverkehrsministers

Um der Preisexplosion beim Führerschein etwas entgegenzusetzen, plant Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine umfassende Reform. Angesichts von durchschnittlichen Kosten von 3.400 Euro für den Führerschein der Klasse B im Jahr 2026 sieht sein Konzept vor, die Präsenzpflicht im Theorieunterricht durch digitales Lernen zu ersetzen, den Fragenkatalog zu kürzen und die praktische Prüfzeit von 55 auf 25 Minuten zu reduzieren.

Ralph Kleiner ist von diesen Reformvorschlägen allerdings wenig begeistert: „Wir haben im Augenblick eine politische Diskussion, die in die völlig falsche Richtung geht. Egal ob E-Mobilität oder Verbrenner: Es sollte viel mehr um Verkehrssicherheit gehen. Und das ist etwas, was mich und meine Kollegen extrem stört.“ Qualität habe ihren Preis, und die Sicherheit der Fahranfänger dürfe nicht gegen die Kosten aufgerechnet werden.

Quellen

NDR: E-Autos in Fahrschulen: Warum der Verbrenner trotzdem bleibt

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