das Wichtigste zuerst
- Auslöser: ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand bezeichnete die CO₂-Bepreisung als geeignetes Instrument, was faktisch höhere Spritpreise bedeutet.
- Reaktionen: In den sozialen Netzwerken entfachte sich ein Shitstorm samt Austrittswelle. Der Club hat eine mittlere vierstellige Zahl an Austritten bereits bestätigt.
- Dilemma: Der ADAC-Verkehrspräsident versucht den Spagat zwischen Klimaschutz-Lob und der Forderung nach Entlastungen.
- Strategie: Der ADAC setzt langfristig auf den europäischen Emissionshandel (ETS II) als marktwirtschaftliches Gegenmodell zu einem harten Verbot von Verbrennungsmotoren
- Rechtfertigung: Der ADAC weist die Kritik zurück und betont, dass die Standpunkte des Verkehrspräsidenten in den Schlagzeilen verkürzt wiedergegeben wurden.

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Aussagen von ADAC-Verkehrspräsident lösen Empörung aus
Kern der Kontroverse ist ein Interview von ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Darin hält der Verkehrsrechtsanwalt die geplante CO₂-Bepreisung von Benzin grundsätzlich für ein „richtiges Instrument“, um Klimaziele im Verkehrsektor zu erreichen. Jedoch leiteten viele Beobachter daraus ein Umweltschutz-Plädoyer ab oder noch gravierender: Der ADAC befürworte höhere Spritpreise.
Tausende Mitglieder verprellt
In den sozialen Medien verbreiteten sich infolge der Debatte massenhaft Austrittsbekundungen unter Hashtags wie #AdiosADAC, #ADACBoykott und #ADACkuendigen . Eine ADAC-Sprecherin bestätigte, dass die Zahl der Austritte aktuell eine mittlere vierstellige Zahl umfasst.
Bild.de hatte bereits zuvor über den „Autofahrer-Shitstorm“ berichtet, im Zuge dessen Mitglieder ihre Kündigungsbelege und durchtrennten Mitgliedskarten posteten. Der ADAC wuchs nach eigener Aussage im vergangenen Jahr um 490.000 auf 22,7 Millionen Mitglieder.
Warum viele Mitglieder in den Hillebrand-Äußerungen einen Verrat sehen
Die Umerziehung von Autofahrern über den Preis klappt nur bei vorhandenen Alternativen, was derzeit für massiven Zündstoff sorgt. Hier liegt der eigentliche Knackpunkt der Diskussion. Hillebrand sprach sich zwar für das CO₂-Instrument aus, verwies aber im selben Atemzug auf die Notwendigkeit von Entlastungen und besseren Möglichkeiten.
Bei der Basis verfängt das nicht: Viele Mitglieder fühlen sich vom ADAC in seiner klassischen Funktion als Autofahrer-Interessenvertreter im Stich gelassen.
Der Standpunkt des Clubs
Der Allgemeine Deutscher Automobil-Club befürwortet bereits seit längerer Zeit den CO₂-Emissionshandel im Straßenverkehr. „Deutschland sollte sich für die gesellschaftliche Akzeptanz und die politische Stabilität des europäischen CO₂-Emissionshandels (ETS II) einsetzen“, heißt es dazu im hauseigenen Mobilitätsindex vom Oktober 2025.
Die Standpunkte des Verkehrspräsidenten seien in Schlagzeilen verkürzt wiedergegeben worden, so der ADAC. Man sei gegen eine höhere Belastung von Autofahrern und fordere daher, den CO₂-Preis mit Entlastungen und Kompensationen zu kombinieren.
Der Plan dahinter ist eine schrittweise Verteuerung von fossilen Kraftstoffen, um Anreize für alternative Antriebe zu schaffen. Dieser Ansatz wird als Gegenmodell zu einem harten Verbrenner-Verbot verstanden.
Quellen
Focus: „Mitgliedschaft gekündigt“: Nutzer wütend wegen Sprit-Forderungen, ADAC reagiert
BR24: ADAC reagiert – Mitglieder sauer wegen Aussagen zu Spritpreisen
NOZ: ADAC hält teureren Sprit für sinnvoll: Verkehrspräsident nennt CO₂-Preis „richtiges Instrument“
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