ADAC-Studie zu steigenden Kfz-Reparaturkosten: Bis zu 8.000 Euro für kleine Schäden

16.02.2026 - 4 min Lesezeit
das Wichtigste zuerst

Hintergrund: Der ADAC hat Kostenvoranschläge für drei typische Kfz-Schäden verglichen und erhebliche Preisunterschiede zwischen den Marken und Modellen festgestellt.
Befund: Front- und Heckreparaturen kosten oft vierstellige Beträge, insbesondere durch teure Scheinwerfer, Sensorik und Kalibrierungen der Assistenzsysteme.
Beispiele: Beim BMW 330e treibt ein Laserscheinwerfer die Frontreparatur Richtung 8.000 Euro, beim VW Golf liegt der Scheibentausch über 2.400 Euro, während der MG4 unter 1.000 Euro bleibt.
Ursache: Hersteller untersagen teilweise Instandsetzungen an Stoßfängern und schreiben stattdessen den Modultausch vor, wodurch selbst bei minimalen Schäden ganze Bauteile im Abfall landen.
Folge: Steigende Reparaturpreise und mittelbar auch höhere Versicherungsbeiträge.

ADAC-Studie zu steigenden Kfz-Reparaturkosten: Bis zu 8.000 Euro für kleine Schäden

© Pau Novell Aran / shutterstock.com (Symbolbild)

Reparaturkosten-Analyse: 21 Fahrzeugmodelle im Preis-Check

Eine aktuelle Markterhebung des ADAC hat die Reparaturkosten von 21 gängigen Fahrzeugmodellen untersucht. Verglichen wurden dazu drei alltägliche Unfallszenarien: Frontschaden mit Scheinwerfer und Stoßfänger, Heckschaden mit Stoßfänger sowie Austausch der Frontscheibe.

Ein unabhängiger Gutachter berechnete die Kosten nach den offiziellen Vorgaben der Hersteller und legte dabei normale Vertragswerkstattpreise zugrunde. Das Fazit: Kfz-Reparaturkosten steigen deutlich und weisen je nach Modell und verbauter Technik eine große Spannweite auf.

Wechsel der Windschutzscheibe fast immer vierstellig

Besonders der Austausch der Windschutzscheibe kann Autofahrern ein tiefes Loch ins Portemonnaie reißen. Laut ADAC kostet der Wechsel fast immer über 1.000 Euro, da integrierte Kamerasysteme nach dem Einbau aufwendig neu justiert werden müssen.

Negativ-Spitzenreiter ist der VW Golf mit über 2.400 Euro brutto, am günstigsten schneidet der MG4 ab. Kurios fällt der Vergleich zwischen den baugleichen Modellen Suzuki Swace und Toyota Corolla aus: Trotz identischer Technik berechnet Suzuki über 200 Euro mehr für die Scheibe.

8.000 Euro für Schäden an der Front: Der BMW-Preisschock

Was früher als Bagatellschaden galt, entwickelt sich heute zur Kostenfalle – ein simpler Parkschaden an der Front genügt. Müssen Stoßfänger und Scheinwerfer ersetzt werden, klafft die Preisschere laut ADAC weit auseinander. Während die Reparaturkosten beim Fiat 500 bei knapp 3.000 Euro liegen, erreicht der BMW 330e fast die 8.000-Euro-Marke. Ursache für diesen Spitzenwert ist ein spezieller Laserscheinwerfer zum Nettopreis von etwa 3.300 Euro. Auch Besitzer eines Volvo XC60 müssen tief in die Tasche greifen. Hier schlägt der Schaden mit knapp 6.000 Euro zu Buche.

Bei Frontschäden verteuern vor allem LED-, Matrix- und besonders Laserscheinwerfer die Reparatur, da oft komplette Einheiten statt einzelner Komponenten getauscht werden. Herstellervorgaben verbieten teils das Instandsetzen lackierter Stoßfänger aus Gründen der Sensorfunktion, was zusätzliche Teilekosten erzeugt.

Heckschaden-Reparatur: Bei Tesla am preiswertesten

Beim Heckschaden schneidet das Tesla Model Y am günstigsten ab. Da der Hersteller auf zusätzliche Sensoren im Heck verzichtet und stattdessen auf Kameratechnik setzt, belaufen sich die Reparaturkosten auf rund 2.800 Euro.

Deutlich teurer wird es hingegen bei Volkswagen: Hier müssen laut Vorgabe zwei Steuergeräte ersetzt werden, selbst wenn nur eines beschädigt wurde. Da eine Kombination aus Alt- und Neuteilen nicht möglich ist, schraubt jedes benötigte Steuergerät die Rechnung um 674 Euro netto in die Höhe.

Der Appell des ADAC an die Hersteller

Angesichts dieser deutlichen Preisunterschiede kritisiert der ADAC die aktuelle Reparaturpolitik der Hersteller scharf. Bemängelt wird vor allem das Verbot von Instandsetzungen an Stoßfängern zugunsten eines kompletten Austauschs. Das Argument, Nachlackierungen könnten die Sensorik beeinträchtigen, entpuppt sich als Vorwand, da auch Neuteile in der Werkstatt manuell lackiert werden müssen. So entstehen systematisch vermeidbare Mehrkosten.

Der Automobilclub fordert darüber hinaus, dass Bauteile wieder reparaturfreundlicher konstruiert werden. So sollte es möglich sein, eine beschädigte Scheinwerferabdeckung einzeln auszutauschen, statt die gesamte Lichteinheit für mehrere tausend Euro zu ersetzen. Dieser „Austausch-Zwang“ ist nicht nur unnötig teuer, sondern treibt auch die Versicherungsbeiträge in die Höhe. Verbrauchern wird daher geraten, vor einer Reparatur gezielt nach Alternativen und Kostenvoranschlägen in freien Werkstätten zu fragen.

Quellen

ADAC-Markterhebung zu Reparaturkosten

ADAC: Warum Reparaturkosten am Auto immer höher werden

Bild.de: Bagatellschäden kosten in der Werkstatt bis zu 8000 Euro

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