das Wichtigste zuerst
• Abschlepp-Abzocke: Unseriöse Abschleppdienste nutzen die Unsicherheit von E-Auto-Fahrern aus, um nach einer Bergung völlig überzogene Summen zu fordern.
• Die Gefahrgut-Masche: Ohne technische Prüfung werden Stromer pauschal als „heikles Gefahrgut“ deklariert, um den Einsatz teurer Spezialfahrzeuge und externer Berater zu rechtfertigen.
• Profit durch „Luxus-Quarantäne“: Firmen generieren durch unnötige Standzeiten und Quarantäne-Lagerungen hohe Gebühren.
• Vorgetäuschte Expertise: Teure Rechnungsposten dienen oft nur als Vorwand, um die Unwissenheit der Betroffenen in Profit zu verwandeln.
• Beitragszahler als Leidtragende: Das Kalkül der Betriebe belastet die gesamte Branche, da Versicherer die Rechnungen oft zunächst ungeprüft begleichen und so die Prämien für alle E-Auto-Fahrer treiben.
• Seriöse Anbieter: Den sichersten Schutz bieten Automobilklubs und die eigene Versicherung.

© Trygve Finkelsen / shutterstock.com (Symbolbild)
Zweifelhafte Bergungskosten
Wer mit dem Elektroauto verunglückt, erlebt nach dem ersten Schock mitunter ein finanzielles Fiasko. Dubiose Abschleppunternehmen treiben die Bergungskosten in Höhen, die jeden Rahmen sprengen. „Spiegel Online“ berichtet über einen besonders dreisten Fall, bei dem die Kosten sogar den Restwert des Autos überstiegen. Der Fahrer sollte nach einem simplen Auffahrunfall mehr als 20.000 Euro zahlen.
Zum Vergleich: Für eine Standard-Abschleppfahrt eines Verbrenners werden in der Regel 150-350 Euro fällig.
Elektro-Peugeot als „heikles Gefahrengut“
Konkret ging es dabei um einen Peugeot e-208, den der Abschleppdienst kurzerhand als „heikles Gefahrgut“ deklarierte. Mit diesem Vorwand rechtfertigte das Unternehmen den Einsatz eines speziellen Bergungsfahrzeugs sowie die teure Beratung durch einen externen Batterieexperten, um die fünfstellige Summe auf die Rechnung zu setzen. Für die einwöchige „Quarantäne“ der Batterie fielen weitere Gebühren an.
Kein Einzelfall
Laut Angaben der Allianz Versicherungs-AG werden solche Kosten oft unter dem Deckmantel der Vorsorge erhoben. Darauf lassen Posten wie die Bereitstellung von Sanitätern oder Akku-Fachkräften schließen, die in diesem Umfang kaum zu rechtfertigen sind.
Dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt, zeigt eine Analyse des Versicherers: Sie belegt, dass die Kosten für Bergung und Quarantäne bei Elektroautos teilweise völlig unverhältnismäßig ausfallen. Eine technische Rechtfertigung fanden die Experten jedoch nur in den wenigsten Fällen.
„Luxus-Quarantäne“ und Fantasiepreise: Die Maschen der Abschlepper
Stattdessen stießen sie auf Rechnungen, die eine „Luxus-Quarantäne“ von sieben Tagen mit 2.450 Euro netto auswiesen oder 1.650 Euro für den Einsatz vermeintlicher Akku-Spezialisten verlangten. Dass viele dieser Maßnahmen jeder Grundlage entbehren, zeigen Beispiele von künstlichen Wartezeiten von 38 Tagen oder die Einweisung eines VW e-Golf in die Quarantäne, obwohl dessen Akku den Aufprall nachweislich unbeschadet überstanden hatte.
Teure Quittung für alle E-Auto-Fahrer
Letztendlich tragen alle E-Auto-Besitzer die Last dieser Entwicklung. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) brennen Elektroautos statistisch nicht häufiger als Benziner oder Diesel. Da Versicherungen die Rechnungen der Bergungsfirmen jedoch zunächst oft selbst übernehmen, steht die gesamte Branche vor steigenden Prämien für Elektrofahrzeuge.
Schutz vor Abzocke: So finden Sie seriöse Abschleppdienste
Damit die Bergung Ihres E-Autos nicht teurer wird als der eigentliche Schaden, ist die Wahl des richtigen Dienstleisters entscheidend. Am sichersten fährt man mit den Vertragspartnern der Automobilklubs oder des Versicherungsschutzbriefs. Wer eigenständig nach einem Anbieter sucht, sollte Folgendes beachten:
• Vorsicht bei „Unfallgeiern“: Seriöse Firmen kommen nur nach Beauftragung – meiden Sie Dienste, die plötzlich am Unfallort erscheinen.
• Preise vorab klären: Akzeptieren Sie keine Bergung ohne vorherige Preisauskunft für die gesamte Strecke.
• Fachgerechte Handhabung: Verlangen Sie die Einhaltung der offiziellen VDA-Richtlinien für Elektrofahrzeuge.
• Dokumentation: Sichern Sie den Zustand von Akku und Bordelektronik durch Fotos, um spätere Willkür zu verhindern.
• Versicherung einbinden: Unterschreiben Sie keine teuren Quarantäne-Verträge ohne grünes Licht Ihres Versicherers.
• VBA-Zertifizierung: Bevorzugen Sie Unternehmen, die als Mitglied im Fachverband (VBA) für geprüfte Qualität stehen.
Quellen
Spiegel Online: Warum ein E-Auto-Fahrer mehr als 20.000 Euro Abschleppkosten zahlen sollte
Allianz: Abschleppen von Fahrzeugen mit Hochvolt-Systemen
T-Online: Unfall mit Elektroauto: Warnung vor Kosten für Bergung und Abschleppen
t3n: „Verzerrte Wahrnehmung“: Warum ein Unfall mit dem E-Auto schnell 20.000 Euro kosten kann
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