das Wichtigste zuerst
- Anklage: Ein Mann soll als Teil einer Bande bundesweit theoretische Führerscheinprüfungen manipuliert haben, indem er selbst als Double antrat oder Stellvertreter vermittelte.
- Tatumfang: Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten 31 Fälle gewerbsmäßiger Fälschung zwischen Februar 2024 und Juni 2025 zur Last. Dabei flossen Provisionen von insgesamt 12.000 Euro.
- Strafmaß: Dem Familienvater drohen bis zu zehn Jahre Haft. Ein Urteil wird für März dieses Jahres erwartet.
- Hintergrund: Laut TÜV nimmt die Zahl der Betrugsversuche bei Führerscheinprüfungen bereits seit Jahren kontinuierlich zu.

© Standret / shutterstock.com (Symbolbild)
Prozess gegen mutmaßlichen Scheinprüfling in Heilbronn
Wegen mutmaßlich fingierter theoretischer Führerscheinprüfungen muss sich ein Mann vor dem Landgericht (LG) Heilbronn verantworten. Er soll als Teil einer größeren Bande in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen entweder selbst angetreten sein oder Stellvertreter organisiert haben. Laut Anklage flossen dafür Provisionen in Höhe von insgesamt 12.000 Euro an den Scheinprüfling (9 KLs 653 Js 21259/25).
Die Anklage umfasst unter anderem 31 Taten der gewerbsmäßigen Fälschung beweiserheblicher Daten im Zeitraum von Februar 2024 bis Juni 2025. Das LG gibt an, dass der Mann für die Organisation von Stellvertretern 200 Euro erhielt. Pro selbst absolvierter Theorieprüfung soll er eine Vergütung von bis zu 1.000 Euro kassiert haben.
Bis zu zehn Jahre für gewerbsmäßige Fälschung drohen
Mit den Taten in Städten wie Heidelberg, Göppingen, Bochum und Bonn finanzierte der Mann mutmaßlich seinen Lebensunterhalt. Allein für die gewerbsmäßige Fälschung droht ihm im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Zu Prozessauftakt berieten die Beteiligten über einen möglichen Deal bezüglich des Strafrahmens. Da der Staatsanwalt den Vorschlag des Gerichts jedoch zurückwies, scheiterte die Einigung. Im Anschluss ließ der verheiratete Familienvater durch seine Verteidigerin ein vollumfängliches Geständnis abgeben. Der zuletzt in Gütersloh wohnhafte Mann befindet sich laut Angaben des LG derzeit in Untersuchungshaft.
Justiz bereitet Anklagen gegen weitere Komplizen vor
Parallel dazu bereitet die Justiz die Verfahren gegen seine Komplizen vor: Gegen fünf weitere Bandenmitglieder hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn bereits Anklage erhoben. Dazu zählt ein Fahrschulbesitzer aus Heilbronn, der bereits seit 2022 im Visier der Ermittler stand. Eine Entscheidung des Gerichts über die Eröffnung dieses Verfahrens steht noch aus.
Für den weiteren Prozessverlauf hat das Gericht sieben zusätzliche Termine anberaumt. Insgesamt sollen 20 Zeuginnen und Zeugen gehört werden, bevor voraussichtlich am 31. März dieses Jahres das Urteil fällt.
TÜV warnt vor professionellen Führerschein-Betrugsnetzwerken
Laut Angaben des TÜVs versuchen immer mehr Fahrschüler, sich den Führerschein mit kriminellen Methoden zu erschleichen. Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits 2.193 Fälle dokumentiert. Im gesamten Jahr 2024 registrierte der Verband fast 4.200 Täuschungsversuche, was einem Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber 2023 und einer Steigerung von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2020 entspricht.
Der Verband vermutet insbesondere beim Technikbetrug durch Minikameras oder Funk-Ohrstöpsel sowie beim Identitätsbetrug mit gefälschten Ausweisen professionelle Organisationen im Hintergrund. Da diese Form der Manipulation eine aufwendige Vorbereitung erfordert, agieren die Prüfungsbewerber in der Regel nicht ohne fremde Hilfe.
Quellen
Landgericht Heilbronn: 9. Große Strafkammer: 9 KLs 653 Js 21259/25
beck-aktuell: Als Double zur Fahrprüfung? Verfahren wegen Fälschung
WELT: Als Double zur Führerscheinprüfung? 31-Jähriger vor Gericht
WELT: TÜV meldet mehr Betrugsfälle bei Theorieprüfungen
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